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Was für ein beeindruckender Donauzauber

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Ein Etappenziel auf der Tour war auch die slowakische Hauptstadt Bratislava.

Rund 360 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt, dabei drei europäische Hauptstädte besucht – und jede Menge Erlebnisse und Eindrücke von einer nicht alltäglichen Reise mit nach Hause genommen: Wolfgang Bude und seine Reisepartnerin Roswitha Gnadl aus Grassau waren von ihrer Tour auf dem Donauradweg begeistert. »Wir durften viele nette Leute und beeindruckende Landstriche kennenlernen«, erzählte Bude. »Meiner Meinung nach eine Radreise, die man unbedingt einmal fortsetzen sollte – die Donau ist noch lang bis zum Schwarzen Meer«, ergänzte er.


Zunächst fuhren die beiden Abenteurer mit der Bahn nach Wien – der Startpunkt dieser Tour. Der Donauradweg verläuft am Anfang auf einem Damm direkt neben dem Fluss. Bei diesem Anblick schoss Wolfgang Bude eines durch den Kopf: »Das muss er also sein – der Donauzauber.« Er ergänzte: »Man denkt beim Radeln unweigerlich an den berühmten Walzer von Johann Strauß ,An der schönen blauen Donau' und summt die Melodie still vor sich hin.« Allerdings: »Wie Herr Strauß darauf gekommen ist, dass die Donau blau ist, ist mir ein Rätsel«, ergänzte er.

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Das Vergnügen dauerte für die beiden Radler jedoch nur kurz, denn die Weiterfahrt auf dem Eurovelo 6 war ihnen wegen Umbaumaßnahmen bald verwehrt. Erst kurz vor der Donaubrücke bei Hainburg endete die Umleitung.

Bald sahen die beiden dann am Horizont die Silhouette der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Kurz nach dem Grenzübertritt führt die Strecke auf einem guten Radweg, teilweise parallel zur Donau, bis zur Brücke Novy Most, dem Tor zur Donaumetropole Bratislava. Vor dieser Brücke hat man übrigens eine sehr gute Gelegenheit, Fotoaufnahmen von der Burg zu machen! Für die beiden ging es weiter in den Ortsteil Petrzalka, wo sie die nächsten zwei Nächte im ruhig gelegenen Hotel Victor verbrachten.

Neben dem Radeln nahmen sich die zwei auch immer wieder Zeit, für ausgiebige Besichtigungen. In Bratislava etwa blieben sie einen ganzen Tag. Erst nach der Tour durch die 450 000 Einwohner fassenden slowakischen Hauptstadt schwang man sich wieder aufs Rad. Doch auch auf dem nächsten Abschnitt war der Eurovelo 6 immer wieder wegen diversen Bauarbeiten gesperrt. »Die Umleitungen waren aber hervorragend ausgeschildert«, betonte Wolfgang Bude.

Kilometer um Kilometer spulten die Radler herunter, bis sie schließlich beim Grenzübertritt nach Ungarn wieder auf den regulären Radweg kamen. Das nächste Ziel der beiden war die Stadt mit dem unaussprechlichen Namen Mosonmagyaróvár. Jetzt ging übrigens auch immer wieder die Währungsrechnerei los, denn in Ungarn wird mit Forint und nicht mit Euro bezahlt! Schließlich erreichten Sie bei großer Hitze am Spätnachmittag die wunderschöne historische Stadt Györ.

Nach einer Nacht im originellen Klosterhotel ging's in aller Frühe wieder weiter – und zwar in die »2-Länder-Stadt« Komárom. Sie wird so genannt, weil die Großsiedlung quasi durch die Donau zweigeteilt wird. Das Kuriose ist, dass mitten durch den Fluss auch die ungarisch-slowakische Grenze verläuft und es so einen ungarischen Stadtteil (Komárom) und einen slowakischen Stadtteil (Komárno) gibt.

Auch ein Abstecher ins »ungarische Rom«

Am nächsten Tag ging es auf einigen längeren Abschnitten auf ziemlich verkehrsreichen Straßen weiter. Den beiden kamen fast keine anderen Radler unter. »Die ganzen Velo-Gäste der Schiffe bevorzugen wohl den Weg auf slowakischer Seite«, vermutete Bude. Gegen Mittag erreichten die Radler Esztergom, das auch »ungarisches Rom« genannt wird. Schon von Weitem grüßte die mächtige Basilika der Stadt – und natürlich wurde diese besichtigt. Nach diesem beeindruckenden Abstecher setzte man die Entdeckungsreise mit dem Rad fort. Der jetzt mit vielen Bäumen gesäumte Weg folgte eine ganze Weile dem Verlauf der Donau und bot auch ausreichend Schatten.

Danach ging's mit einer Fähre über den Fluss und dann wieder auf einem sehr schönen Radweg weiter in Richtung Zebegény. In der Pension Hubertus gab es eine hervorragende ungarische Hausmannskost zur Stärkung.

Nach einem reichhaltigen Frühstück auf dem wunderschönen Balkon der Pension mit Blick auf die Donau sattelte man ein weiteres Mal den Drahtesel, um dem Ziel Budapest ein Stückchen näher zu kommen. »Zur Regeneration unserer geschundenen Hinterteile war die Strecke mit rund 24 Kilometern diesmal aber recht kurz bemessen«, sagte Wolfgang Bude. »Dafür genossen wir die herrliche Gegend umso ausgiebiger.«

Ab Zebegény führt ein herrlicher und teils schattiger Radweg direkt an der Donau entlang. Nach einigen Kilometern erreichten die beiden das sogenannte Donauknie. Hier macht der Strom beinahe eine rechtwinklige Biegung und fließt nicht mehr wie bisher nach Osten, sondern in Richtung Süden weiter – geradewegs auf die ungarische Hauptstadt zu. Der Fluss bahnt sich an dieser Stelle seinen Weg durch das Visegráder Gebirge, das zum Teil aus vulkanischen und zum Teil aus nachgiebigen Kalkstein besteht. Das Donauknie wird bewacht von der Burg von Visegrád, die auf einem Felsen am gegenüberliegenden rechten Donauufer thront und eines der vielen historischen Baudenkmäler dieser Gegend ist. Nirgends sonst in Ungarn findet man eine solche Vielzahl derartiger Bauwerke, denn gewissermaßen ist hier die Wiege des magyarischen Staates.

Es dauerte nicht mehr lange und die beiden Urlauber erreichten Vác, das Tagesziel. Auch diesen Ort erkundeten die beiden ausgiebig. Sie gingen unter anderem durch den Triumphbogen Felsovaros, der einst zum Empfang der österreichischen Kaiserin Maria Theresia gebaut wurde. Je näher sie dem Hauptplatz kamen, desto schöner wurden die Bauten – hier trifft buchstäblich Alt auf Neu! Das Besondere an diesem Platz ist übrigens, dass er der einzige in Ungarn ist, der im barocken Stil gehalten ist.

Beeindruckend ist auch die Kathedrale. Sie wurde 1761 bis 1772 erbaut und ist mit Recht der Stolz der kleinen Stadt. Nicht weniger beeindruckend ist die fast neben der Kathedrale stehende Franziskanerkirche. Fast 30 Jahre dauerte ihre Fertigstellung im barocken Stil.

Am nächsten Tag stand die finale Etappe auf den Drahteseln auf dem Plan. Das Ziel hieß Budapest. »Knapp 50 Kilometer trennten uns noch von der Donaumetropole.« Dafür mussten die beiden auch noch einmal eine Fähre nutzen. Dabei setzte man auf die Donauinsel Szentendrei Sziget über, die es zunächst zu durchqueren galt. Nach der Ortschaft Tótfalu fuhren die beiden über eine Brücke wieder aufs Festland nach Tahi und Tahitótfalu. Von hier aus führt ein sehr schöner, aber teils holpriger Radweg größtenteils in Donaunähe Richtung Szentendre.

»Die Orientierung fällt gelegentlich nicht ganz leicht, da die Beschilderung – gerade an Abzweigungen – oft zu wünschen übrig lässt«, sagte Bude. In Szentendre machten die beiden nochmals spontan einen Abstecher in das Städtchen hinein. »Wir waren überrascht von dem quirligen Treiben in den kleinen Gassen.« Es sei ein ganz hübscher und charmanter Ortskern mit allerhand Geschäften und Lokalen, sagte Bude.

Gleich einige Erinnerungsfotos

Nach diesem kurzen Abstecher ging's aber dann schnurstracks Richtung Ziel. Und kurze Zeit später waren die beiden auch schon in den Vororten von Budapest. »Bei strahlendem Sonnenschein und azurblauem Himmel standen wir schließlich direkt gegenüber dem Parlamentsgebäude«, erinnerte sich Bude. Natürlich durften jetzt auch ein paar Erinnerungsfotos nicht fehlen – und ein Gedanke schoss Wolfgang Bude in diesem perfekten Augenblick durch den Kopf: »Wir haben es also geschafft, wir sind in Budapest!«

Auch in der ungarischen Hauptstadt absolvierten die beiden ein umfangreiches Besichtigungsprogramm. Die Tour startete an der Elisabeth-Brücke, führte unter anderem über den Märtyrerplatz zur Freiheitsbrücke, die St.-Stephans-Basilika und das jüdische Elisabethviertel. Am nächsten Tag stand der Stadtteil Buda mit der berühmten Fischerbastei und dem gewaltigen Burgpalast (ehemaliger Königssitz) auf dem Programm. Nach den beeindruckenden Tagen in Budapest ging es mit Bus und Zug über Wien – auch hier gab's nochmals einen Aufenthalt samt Stadtbesichtigung – wieder zurück in die Heimat. SB