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Warum der Krampus den Nikolaus begleitet

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Schon Tradition hat die musikalische Lesung mit Silke Aichhorn und Dr. Martin Fogt in der Traunsteiner Kultur- fabrik NUTS. (Foto: Heel)

Gerade in diesen Tagen möchte man wissen, warum der Krampus den Nikolaus begleitet. Laut der Autorin Annette Thoma (1886 bis 1974) kam die Verbindung so zustande: Als Nikolaus Bischof von Myra war, erregte er durch seine vielen Wundertaten das Missfallen des Teufels, der daraufhin beschloss, Nikolaus um die Ecke zu bringen. Das Attentat schlug jedoch fehl, dennoch entschied Gott, dass der Teufel als Strafe dem Bischof nun als Knecht zu dienen habe, und zwar »solange die Welt steht«.


Diese und viele andere Geschichten und Gedichte präsentierte der Radiosprecher, Musikwissenschaftler und Autor Dr. Martin Fogt bei seiner mittlerweile achten Weihnachtslesung »Christmas Crackers« in der voll besetzten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. Begleitet wurde er dabei wie üblich von der renommierten Harfenistin Silke Aichhorn, die als Solistin und Kammermusikerin weltweit mit großem Erfolg konzertiert und auch an diesem Abend so schwungvoll wie technisch brillant einen bunten Strauß von Melodien facettenreich zu Gehör brachte, angefangen mit dem 1. Satz aus John Parrys Sonate Nr. 1 D-Dur, einem Werk, mit dem der Harfen-Virtuose Parry, der wie so viele seiner traditionsreichen Vorgänger blind war, im mondänen London der Aufklärungszeit den Nimbus der mittelalterlichen Barden wieder aufleben ließ.

Eine weitere (Weihnachts)Geschichte, die einem dringenden Aufklärungsbedürfnis nachkam, handelte davon, wieso die Engländer ihre Weihnachtsgeschenke erst am 1. Feiertag erhalten, entnommen dem Buch »Knecht Ruprecht packt aus« des 1965 geborenen Schriftstellers Ewald Arenz. Denn nachdem Nikolaus und Knecht Ruprecht für Stunden im Knast gelandet waren, angezeigt von einem Hausbesitzer, der »zwei Irre, die auf meinen Solarkollektoren herumtrampeln« der Polizei gemeldet hatte, meinte der Nikolaus lapidar: »Europa schaffen wir heute noch, aber England und Amerika, das wird knapp«. Gefärbt waren hingegen ein paar andere der Geschichten, die Dr. Martin Fogt so flüssig wie perfekt betont zum Besten gab, darunter Eugen Roths »Das Weihnachtsbild« und eine Passage aus Peter Roseggers »Als ich noch der Waldbauernbub war«. Dazu gab es Verse zum Advent von Theodor Fontane und Max von Schenkendorf.

Silke Aichhorn erfreute die Zuschauer mit der geschickten Auswahl ihrer Stücke, die mit Flair und Charme die Texte stimmungsvoll ergänzten. Zur Geltung kam dabei zunächst die Komposition »Der Schwan« (Camille Saint-Saëns), die auch als Musik zu dem Tanz-Solo »Der sterbende Schwan« bekannt ist.

Die nachfolgenden Stücke stammten unter anderem von Francis Thomé/Alphonse Hasselmans, W. A. Mozart, Sylvius Leopold Weiss und J. S. Bach. Sehr gut gefielen auch die Volksweisen »Als ich bei meinen Schafen wacht« und »Maria durch ein Dornwald ging«, sowie zum Finale hin »O du mein holder Abendstern« aus Richard Wagners »Tannhäuser«. Als Zugabe erklangen noch die »Drei Nüsse für Aschenbrödel«, und wer Silke Aichhorn mit ihrem Kabarettprogramm »Lebenslänglich Frohlocken« (mit vielen neuen Texten) im NUTS erleben möchte, sollte sich den 2. März 2019 (Faschingssamstag) vormerken. Wolfgang Schweiger