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Walter Angerer der Jüngere und sein Gespür für Fantasie

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Lothar Günther Buchheim hat verfügt, dass sein Porträt erst nach seinem Tod gezeigt werden darf. (Foto: Morgenroth)

Das Buchheim Museum direkt am Starnberger See in Bernried ist vor allem bekannt für seine Expressionisten-Sammlung, nicht weniger aber auch für seine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Architektur.


Der langgestreckte, zum Teil in den Hang hineingebaute, Baukörper von Günter Behnisch, der eine Affinität zu einem U-Boot vermittelt, endet in einem zwölf Meter über dem See schwebenden Steg. Dabei werden Assoziationen erweckt, die an Lothar-Günther Buchheims Verfilmung seines Romans »Das Boot« im Jahr 1981 denken lassen, der für seine breite Bekanntheit sorgte. Das Museum der Fantasie in Bernried vereint zudem vier Sammlungen unter einem Dach. Der Maler, Fotograf, Verleger, Kunstbuch- und Romanautor, Filmemacher und Sammler Lothar-Günther Buchheim war der Gründer des Museums in Bernried, das 2001 eröffnet wurde. Seitdem finden dort wechselnde Ausstellungen statt, die die Lebendigkeit des Museums ergänzen.

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Auch fünf Exponate des Siegsdorfer Künstlers Walter Angerer der Jüngere beherbergt das Museum. In den frühen achtziger Jahren besuchte Angerer Lothar-Günther Buchheim in seinem damaligen Wohnsitz in Feldafing. Dies sei eine sehr interessante, außergewöhnliche und schöne Begegnung gewesen, erinnert sich der Künstler. Er kam in Buchheims Haus, in dem Grafiken von Emil Nolde und Max Beckmann verstreut am Boden lagen und der Hausherr sagte zu ihm: »Herr Angerer passen sie auf die am Boden liegenden Blätter auf.«

Da Buchheim ein großer Sammler von Glaskugeln war, waren damals im Haus überall Tische aufgestellt, auf denen die gesammelten Glasobjekte aufgestellt waren. Auch trug Lothar-Günther Buchheim zu dieser Zeit noch keine Augenbinde. Der Chiemgauer Maler porträtierte damals Buchheim in seinem Haus mit der Zusage, dass das Bild erst nach seinem Tod im Museum ausgestellt werden darf.

Anfang des Jahres wurde das Gemälde nun im Eingangsbereich des Museums platziert. Unter dem Titel »Die Bombe Buchheim« wurde dieses Porträt bereits in einer Ausgabe der Zeitschrift »Playboy«abgebildet.

Walter Angerers ungemein breit gefächertes Oeuvre – Malerei, Skulpturen, Radierung, Lithografie, Zeichnung, komponierte Musikstücke – bleibt eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Er gilt als ungemein vielseitiger, erfindungsreicher und produktiver Künstler voller Energie und Lust am Experiment. Angerer malte das Buchheim-Porträt im Stil der Alten Meister, wobei die eher gedämpft-farbige Komposition voller symbolischer Aussagen ist. Der Maler kann Personen, aber auch Landschaften in virtuoser Technik realistisch darstellen und mit verschiedenen Gegenständen, die im engen Kontext zum Dargestellten stehen, umgeben.

Angerer verdankt seinen Bekanntheitsgrad vor allem seinen oftmals skurrilen Einfällen. Das mit technischer Bravour gemalte Werk besticht durch eine raffinierte Gruppierung verschiedener Gegenstände und Symbole. Dabei wird die Fremdartigkeit des schwebenden Kopfes so deutlich wie die Landschaft im Hintergrund. Buchheims Blick ist ruhig und klar. Die angezündete Bombe in einer rechten Hand unter seinem Kopf symbolisiert vermutlich Buchheims Charakter mit seinem energischen Wesen.

Wie ein Kragen umschließt ein gekippter Bilderrahmen über den Kopf gestülpt seinen Hals, der symbolhaft auf Buchheim als Maler und Kunstsammler verweist. Die im Vordergrund im unteren Drittel des »Brustbildnisses« überdimensionierte, teils schwebende Hand kennzeichnet ihn als Kunstbuch- und Romanautor. Das Bild besticht durch den klaren und kühnen, vertikal ausgerichteten Bildaufbau mit aufeinander geschichteten Bildelementen, die fantasie- und humorvoll arrangiert sind. Den Hintergrund bildet eine üppige Berg- und Seenlandschaft. Mit Hilfe seiner sehr persönlichen Symbol- und »Zeichensprache« schafft Angerer auch eine unvergleichlich fantastische Welt. Er nimmt sich die Freiheit, Zeichen und Formen ganz nach seiner Fantasie zu arrangieren oder auf originelle Art nebeneinander oder untereinander zu stellen.

Wie bei den Alten Meistern steht in Angerers Porträt die Landschaft im Hintergrund im Kontrast zu dem groß gestalteten Porträt im Vordergrund. Buchheims Porträt ist mit brillanter Fantasie erdacht und auch mit Finesse ausgeführt. Dabei erweist sich die stilistische Eigenständigkeit des Malers, der er über Jahrzehnte hinweg, abseits aller Moden, treu geblieben ist.

Die Öffnungszeiten des Buchheim-Museums sind von November bis März jeweils von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr, von April bis Oktober von 10 bis 18 Uhr. Gabriele Morgenroth

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