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Wahlforscher: Ramelow legte Basis für Erfolg der Linken

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Bodo Ramelow
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Das Zugpferd der Linkspartei: Die meisten Thüringer hatten sich Bodo Ramelow weiter als Regierungschef gewünscht. Foto: Christoph Soeder/dpa Foto: dpa

Eine gut bewertete Regierungsarbeit und gewachsenes Politikvertrauen - darin sehen Wahlforscher die Basis für den Sieg der Linken in Thüringen. Aber entscheidend für das Ergebnis ist demnach vor allem ein Mann.


Mannheim/Berlin (dpa) - Ministerpräsident Bodo Ramelow hat nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen die Basis für den historischen Sieg der Linken bei der Landtagswahl in Thüringen gelegt.

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Der Spitzenkandidat der Partei schneide bei Leistungsbilanz und Ansehen deutlich besser ab als CDU-Ministerpräsidenten des Landes vor fünf oder zehn Jahren. Die meisten Thüringer wünschten sich Ramelow weiter als Regierungschef, heißt es in der am Sonntagabend veröffentlichen Analyse des Wahlausgangs.

Die Linke wurde bei der Wahl erstmals in einem Bundesland stärkste Kraft vor AfD und CDU. Die CDU, die 1990 bis 2014 stets die meisten Stimmen bekommen hatte, stürzte auf ihr bislang schlechtestes Ergebnis. Die CDU - wie die SPD ohne bundespolitischen Rückenwind - werde zwar bei Ansehen und politischer Arbeit positiv gesehen. Beim Kandidaten und zentralen Themen habe sie aber relative Defizite, analysierte die Forschungsgruppe.

So liege CDU-Spitzenmann Mike Mohring beim Ansehen mit 0,9 Punkten auf einer Skala von plus bis minus 5 Punkten klar hinter Ramelow (1,6 Punkte). Dieser werde inzwischen auch im CDU-Lager positiv bewertet. 73 Prozent der Thüringer bescheinigten Ramelow gute Arbeit und 53 Prozent bevorzugten ihn, aber nur 32 Prozent Mohring als Regierungschef.

Im Duell Linke- gegen AfD-Kandidat seien 72 Prozent für Ramelow und lediglich 14 Prozent für den AfD-Mann Björn Höcke, der selbst die eigenen Reihen nur bedingt überzeuge. Beim Ansehen mit minus 2,6 Punkten tief im Negativbereich, sähen 66 Prozent in Höcke »eine Gefahr für die Demokratie«.

Das bereits 2014 niedrige Ansehen der thüringischen AfD sei nochmals erheblich gesunken: von minus 1,4 auf minus 2,3 Punkte. Imageverluste sieht die Forschungsgruppe auch bei CDU (0,9, 2014: 1,1 Punkte), SPD (0,6; 2014: 0,9 Punkte) und Grünen (minus 0,2; 2014: 0,3 Punkte). Die Linke dagegen schafft einen Bestwert (1,1; 2014: 0,7 Punkte).

Dies erkläre sich nicht nur durch das Ansehen Ramelows, sondern auch sachpolitisch: Neben viel Zuspruch bei »sozialer Gerechtigkeit« werde der Partei beim Top-Thema »Bildung und Schule« am meisten zugetraut. Für 40 Prozent kümmere sich die Linke am ehesten um die Sorgen und Probleme der Ostdeutschen. Die CDU führe zwar weiter bei der Kompetenz für Wirtschaft und der Schaffung neuer Jobs, verzeichne aber auch hier sichtbare Verluste.

Während die Linke für 61 Prozent der Befragten Thüringen in den vergangenen fünf Jahren vorangebracht habe, hätten sich die Grünen in der Regierung nicht profilieren können. Dabei spiele auch eine Rolle, dass es für 74 Prozent der Befragten »viel wichtigere Themen als Klimaschutz« gebe. Bei der SPD, deren Arbeit in der bisherigen rot-rot-grünen Koalition leicht positiv bewertet werde, sehen demnach 67 Prozent den Grund für das schlechte Ergebnis primär bei der Bundespartei.

Auch wenn mit dem Erstarken der AfD bisherige Koalitionsmodelle keine Mehrheit mehr fänden, seien 68 Prozent gegen eine Regierungsbeteiligung der AfD. Bei der Linken fänden umgekehrt 51 Prozent und bei der CDU 49 Prozent eine Regierungsverantwortung prinzipiell gut. Dass Mohring bislang ein Bündnis mit der Linken ausgeschlossen hat, sehen 59 Prozent aller Thüringer und selbst 47 Prozent der CDU-Anhänger kritisch. Gegenüber einer Minderheitsregierung gebe es große Vorbehalte.

Die Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen basieren nach deren Angaben auf einer telefonischen Befragung unter 1628 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Thüringen in der Woche vor der Wahl sowie auf der Befragung von 18.808 Wählern und Wählerinnen am Wahltag.

Forschungsgruppe Wahlen - Wahlanalyse Thüringen 2019