weather-image

»Vorwürfe zur Bejagung im Nationalpark sind konstruiert«

4.2
4.2
Nationalpark Berchtesgaden
Bildtext einblenden
Die Bilder des Vereins »Wildes Bayern« von toten Hirschkälbern am Königssee hatten die Diskussion um die Jagdpraxis der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden ins Rollen gebracht. Jetzt gibt es vonseiten des Ökologischen Jagdvereins Bayern Entlastung für die Verantwortlichen. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Der Ökologische Jagdverein Bayern hat jetzt die Nationalparkverwaltung Berchtesgaden, die nach dem Fund mehrerer toter Hirschkälber in die Kritik geraten war, entlastet. Die Vorwürfe zur Bejagung im Nationalpark Berchtesgaden sind konstruiert, die Jagd im Zeitraum von 2006 bis 2018 bewegt sich innerhalb der gesetzlichen Vorgaben«, stellt der ÖJV fest. Zu diesem Urteil kommt der Verein, nachdem er die Streckenlisten der Jahre 2006 bis 2017 im Vergleich mit dem Forstlichen Gutachten 2018 von Experten hatte analysieren lassen.

Anzeige

Im Zusammenhang mit dem Fallwild im Nationalpark Berchtesgaden 2018/2019 und insbesondere dem Fund von acht toten Rotwildkälbern hatte Dr. Christine Miller und ihr Verein »Wildes Bayern« heftige Vorwürfe gegen die Nationalparkverwaltung erhoben und Anzeige gegen deren Leiter Dr. Roland Baier erstattet.

Während die Prüfung der Anzeige durch die Staatsanwaltschaft Traunstein immer noch nicht abgeschlossen ist, kommt vonseiten des ÖJV nun bereits Entlastung für die Verantwortlichen der Nationalparkverwaltung. »Nach Auswertung der Streckenlisten 2006 bis 2017 und des Forstlichen Gutachtens zur Situation der Waldverjüngung aus dem Jahr 2018 halten wir diese Vorwürfe aus fachlicher Sicht für völlig unhaltbar«, heißt es in einer Pressemitteilung des ÖJV.

Muttertierschutz

Der »Muttertierschutz« finde offensichtlich bei der Bejagung des Rotwildes eine große Berücksichtigung. Deswegen sei wohl auch der sehr niedrige Anteil der Alttiere an der Gesamtstrecke mit 16 Prozent zu erklären. Allerdings sei damit eine hohe Zuwachsrate des Rotwildes gewährleistet, die wieder abgeschöpft werden müsse. Dass einzelne Alttiere ohne zugehörige Kälber eingetragen sind, ergebe sich einfach daraus, »dass sie keine hatten oder diese bereits erlegt waren«.

Bis 2014 entspreche die Strecke bei Gams-, Rot- und Rehwild überwiegend einer gleichmäßigen Nutzung. Dann steige der jährliche Abschuss – bedingt durch den hohen Wildschadensdruck – vor allem beim Gamswild an.

In Bezug auf die erhobenen Vorwürfe lasse sich anhand der Streckenlisten klar feststellen, »dass es keine Hinweise für die Ausrottung einer dieser Wildarten gibt, dass sich keine Hinweise für den Abschuss führender Alttiere ohne Miterlegung deren Kälber finden und dass sich keine desolate Altersstruktur beim Gamswild erkennen lässt«.

Verbiss zu hoch

Insgesamt werde im Vegetationsgutachten 2018 eine zu hohe Verbissbelastung festgestellt, teilt der ÖJV mit. Die Folgen seien, dass die Investitionen, also die Pflanzung junger Bäume, auf einem Teil der Verjüngungsflächen nicht dauerhaft gesichert sind, dass die Schalenwildbestände nicht angepasst sind und dass das Naturverjüngungspotenzial der Tanne nicht genutzt werden kann. Außerdem könne auf Teilflächen der Bergmischwald als für den Standort passender Bestandstyp nicht erreicht werden und die Gefahr der Entmischung, also der Verlust von Mischbaumarten, sei nicht abgewendet.

Der durch das vorhandene Wild bedingte Verbiss wird in der Hegegemeinschaft als insgesamt zu hoch eingestuft. Damit seien im Nationalpark Berchtesgaden die Vorgaben und Ziele, wie die Erhaltung oder Wiederherstellung der natürlichen Ökosysteme mit ihren natürlichen Pflanzengesellschaften, nicht zu erreichen, betont der ÖJV. Es sei die Aufgabe der Jagd, diese negativen Einflüsse zu verhindern. Die Wildbestandsregulierung diene damit dem Erreichen des Nationalparkzwecks. Sie sei deswegen eine naturschutzfachliche Erfordernis, die jüngst durch den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof bestätigt wurde. »Für den Nationalpark Berchtesgaden ist es zudem eine zwingende Voraussetzung für die Verlängerung des Europadiploms, dass in diesen Bereichen kontinuierliche Fortschritte vorzuweisen sind«, so der ÖJV.

Zusammenfassend stellt der Ökologische Jagdverein Bayern fest: »Die Jagd im Nationalpark Berchtesgaden im Zeitraum von 2006 bis 2018 bewegt sich innerhalb der gesetzlichen Vorgaben. Die konstruierten Vorwürfe sind fachlich nicht zu halten. Eine etwas intensivere Bejagung zugunsten der Nationalparkziele wäre wünschenswert.«

Der Ökologische Jagdverein ist ein 1988 gegründeter Jagdverband, der sich der ökologischen Jagd verpflichtet hat. Der ÖJV sieht die Jagd als eine legitime Form der nachhaltigen Naturnutzung an. Die Ökologie soll dabei als wertfreie Wissenschaft Grundlagen für die Jagd liefern, von der Waldbau, Natur-, Arten- und Tierschutz betroffen sind.

Aufgabe der Jagd soll es sein, in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Ulli Kastner

Italian Trulli