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Fedor Radmann zu den Vorwürfen gegen seinen Freund Franz Beckenbauer

»Vorwürfe sind hanebüchen«

Teufen/Schweiz – Im FIFA-Skandal um die Untersuchung der Fußball-WM-Vergabe an Russland und Katar tauchte jetzt auch der Name Fedor Radmann auf. Der in der Schweiz lebende Ex-Schönauer soll im Oktober 2009 zusammen mit seinem Freund Franz Beckenbauer eine Reise zum Emir von Katar unternommen haben. Radmann war nach einem Bericht der »Welt am Sonntag« als Lobbyist für die australische WM-Bewerbung unterwegs und wollte den Emir von Katar überzeugen, die Bewerbung für die WM 2022 fallen zu lassen. Damit könnte Beckenbauer gegen den Ethikkodex der FIFA verstoßen haben, da er als eines von 22 Mitgliedern eines Exekutivkomitees bei der Vergabe des Turniers für 2018 und 2022 selbst stimmberechtigt war. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit Fedor Radmann am Telefon über die Vorwürfe.

Fedor Radmann war 2009 mit Franz Beckenbauer nach Katar gereist. Deshalb muss sich Beckenbauer nun Kritik gefallen lassen. (Foto: Wechslinger)

Herr Radmann, die Meldungen zum FIFA-Skandal um die Untersuchungen der Vergabe der Fußball-WM an Russland 2018 und Katar 2022 überschlagen sich ja derzeit.

Fedor Radmann: Die FIFA hat am Dienstag bei der Bundesstaatsanwaltschaft in Bern Strafanzeige gestellt, um die Strafverfolgungsbehörden zu weiteren Ermittlungsschritten zu ermächtigen. Das ist natürlich eine völlig neue Qualität. FIFA-Präsident Joseph Blatter hat sich zu diesem Schritt wohl aufgrund einer Empfehlung des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert dazu entschieden. Blatter geht damit auch völlig in die Offensive und wenn Strafverfolgungsbehörden ermitteln, sieht die Sache natürlich gleich ganz anders aus.

Die WM in Katar 2022 ist umstritten. Wie beurteilen Sie die Vergabe an den Wüstenstaat?

Radmann: Natürlich war auch ich verwundert, dass Katar in der Schlussrunde der Vergabe mit 14:8 Stimmen gegen die USA den Zuschlag erhalten hat. Katar präsentierte sich allerdings sehr gut, hatte eine erstklassige Bewerbung und ganz offensichtlich mehr Sympathien als die USA. Allerdings sollte bekannt gewesen sein, dass man in den Sommermonaten Juni/Juli in Katar keine Weltmeisterschaft spielen kann. Deshalb sucht man jetzt nach einem Termin im Winterhalbjahr.

Nun wird wohl auch gegen Franz Beckenbauer ermittelt. Sie sind im Jahr 2009 gemeinsam zum Emir nach Katar gereist. Was hat Beckenbauer da falsch gemacht?

Radmann: Franz Beckenbauer ist überhaupt nichts vorzuwerfen. Er war der Meinung, dass er im Fußball kein offizielles Amt mehr ausübt und damit auch nicht auskunftspflichtig ist. Daher hat er auch den Fragenkatalog von Michael Garcia verspätet beantwortet. Uns jetzt eventuell vorzuwerfen, den Emir von Katar bei einem Besuch in Doha nicht ausreichend vor den Problemen einer WM in seinem Land gewarnt zu haben, ist völlig unverständlich. Beckenbauer und ich waren ganz nebenbei die Einzigen, die rechtzeitig vor einer Sommer-WM gewarnt haben. Uns dies vorzuwerfen, ist hanebüchen.

Der deutsche Ligapräsident Reinhard Rauball kritisiert das Urteil der FIFA-Ethikkommission zu den WM-Vergaben nach Russland 2018 und Katar 2022 scharf.

Radmann: Ich weiß nicht, ob Rauball die vorläufige Bewertung des Richters Eckert kritisiert hat. In jedem Fall sind jedoch Androhungen wie Abspaltung der UEFA von der FIFA oder Boykottgerassel nicht hilfreich.

Warum hat man überhaupt erstmals zwei WMs auf einmal vergeben?

Radmann: Die gemeinsame Vergabe der beiden Weltmeisterschaften ist und bleibt ein riesengroßer Fehler. Das war der Beginn der jetzigen Katastrophe. Der frühere englische Fußballverbands-Präsident David Bernstein bezeichnete die FIFA als »totalitär« und die Wahl Katars zum WM-Gastgeber 2022 als die »lächerlichste Entscheidung in der Sportgeschichte«.

Bernstein hat die europäischen Fußball-Nationen zum gemeinsamen Kampf gegen die FIFA aufgerufen und einen Boykott der Weltmeisterschaft ins Gespräch gebracht. Wie darf man dies beurteilen?

Radmann: Die Äußerungen Bernsteins sind nicht nur in der Diktion überzogen, sie helfen auch in keiner Weise weiter. Es ist nur zu hoffen, dass eine vollständige und eindeutige Aufklärung erfolgt, für mögliches Fehlverhalten klare Beweise vorgelegt werden können und dann konsequent gehandelt wird. Mit Mutmaßungen, Gerüchten und haltlosen Vorwürfen kommt man nicht weiter. Dem Weltfußball hat man mittlerweile schon genug geschadet. Es wäre zu wünschen, dass diese doch chaotische Situation alsbald beendet werden kann und man sich wieder mehr den wirklichen Fußballthemen zuwendet. Christian Wechslinger