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»Vorwärts immer!«

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"Vorwärts immer"
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Die Schauspieler Hedi Kriegeskotte und Jörg Schüttauf in den Rollen von Margot und Erich Honecker. Foto: Frank Rumpenhorst Foto: dpa

Verwechslungskomödien haben ihren eigenen Charme. Im Ersten ist jetzt eine besondere zu sehen. Sie spielt zur Zeit der Wende und bietet bietet viel Slapstick, rasantes Tempo und einen fulminanten Schluss.


Berlin (dpa) - Verwechslungskomödien haben eine lange Tradition. Im Rahmen der Reihe »Sommerkino im Ersten« läuft im Ersten nun der Spielfilm »Vorwärts immer!«, der vor zwei Jahren ins Kino kam. Er ist am Montag (26. August) um 20.15 Uhr zu sehen, rechtzeitig vor dem 30. Jahrestag des Mauerfalls im November.

Berlin, am 9. Oktober 1989, kurz vor der Wende: Der Schauspieler Otto (Jörg Schüttauf) probt für seine Theaterrolle als DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker. Damit will er groß herauskommen - allerdings ist das Stück nicht genehmigt. Er hat eine weitere Sorge: Seine schwangere Tochter Anne (Josefine Preuß) will zu ihrer Mutter in den Westen fliehen. Und zwar mit einem gefälschten Reisepass, ausgestellt vom Fluchthelfer August (Jacob Matschenz), aber ohne ihren Freund Matti (Marc Benjamin).

Otto hat einen ähnlich mutigen Plan, auch um sich gegen seinen ehrgeizigen Kollegen Harry (Devid Striesow), Mattis Vater, durchzusetzen. Er will, als Honecker (»Vorwärts immer, rückwärts nimmer«) verkleidet, den Schießbefehl zurücknehmen, während der echte auf der Jagd ist.

Doch dann kreuzt unvermittelt Margot Honecker (Hedi Kriegeskotte) auf, während Egon Krenz (Alexander Schubert) und Stasi-Chef Erich Mielke (André Jung) im Zentralkomitee heimlich den Machtwechsel vorbereiten. Ob die alle echt sind, spielt nun auch keine Rolle mehr.

Die Idee zu diesem gelungenen Film hatte Autor Markus Thebe, und Regisseurin Franziska Meletzky (»Aenne Burda - Die Wirtschaftswunderfrau«) besitzt ein gutes Gefühl für genaues Timing. Ihnen ist eine lustige Politkomödie gelungen, die hier und da von etwas Doku-Material durchsetzt ist und sich keineswegs hinter Filmen wie »Good Bye, Lenin!« (2003) verstecken muss.

Der Film ist gespickt mit vielen lebendigen, oft witzigen Dialogen, und die Spielfreude des außerordentlich gut besetzten Darsteller-Ensembles macht richtig Laune. Gedreht wurde an historischen Schauplätzen wie dem Grenzübergang an der Bornholmer Straße oder der DDR-Bonzen-Siedlung Wandlitz.

Die Ausstattung ist stimmig, die Maske akkurat, die Musik passend. Der sehr unterhaltsame Film bietet reichlich Slapstick, viel rasantes Tempo und zum fulminanten Schluss auch eine gehörige Portion an Dramatik, samt Stasispitzeln und Panzern.

Doch der Humor überwiegt: Die geliehene Staatslimousine bricht fast auseinander, der falsche Honecker landet schon mal aus Versehen in der Kammer mit dem Bohnerwachs (»Alles da! Kein Mangel!«), und aus der Telefonanlage tönt zackige Musik.

Jörg Schüttauf nuschelt sich mit dem typischen Honecker-Singsang durch das amüsante Geschehen. Er meistert seine Doppelrolle einfach grandios, die in einem absurden Doppelgänger-Dialog (»Wenn ich Du bin, dann kannst Du nicht ich sein«) in Honeckers Schlafgemach gipfelt. Den Hut hat er dabei meistens auf, aber hier gilt ganz klar: Hut ab!

Vorwärts immer!