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Vorsicht Dachlawinen... »Hinweisschild befreit nicht von der Haftung«

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Die Schilder machen zwar auf das Problem aufmerksam, befreien aber nicht von der Haftung. (Foto: Wannisch)

Es ist derzeit das häufigste Warnschild in der ganzen Region: »Vorsicht Dachschnee!« Hausbesitzer erhoffen sich dadurch, nicht haften zu müssen, falls ein Unfall mit Dachlawine passiert. Jedoch ist es nicht ganz so einfach, wie der Berchtesgadener Versicherungsmakler Stefan Plenk auf Nachfrage erklärt.


»Kein Aufsteller, kein Ständer und kein Hinweisschild befreit den Gebäudeeigentümer von der Haftung«, betont Plenk im Gespräch mit unserer Zeitung. Es müsse eine klare, mechanische Sperre aufgestellt sein, die man nicht so leicht auf die Seite schieben kann – ein selbstgedrucktes Blatt Papier mit Hinweis auf Dachlawinen sei nicht ausreichend. »Gerichte entscheiden außerdem nicht einheitlich«, fügte Plenk hinzu.

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Der Versicherungsmakler habe selbst schon Kunden betreut, die in einen Rechtsstreit zum Thema Dachlawinen involviert waren. Diese Rechtsstreite gingen ganz unterschiedlich aus – einmal gewann der Hausbesitzer, einmal das Opfer der Dachlawine. Eine pauschale Lösung gibt es nicht. Entscheidend sind immer die jeweiligen Umstände im Einzelfall. Sicher ist jedoch, dass ein Warnschild nicht automatisch von der Haftpflicht befreit. In einem Fall hatte ein Hausbesitzer die Zufahrt zum Gebäude nur mit einer Holzlatte verstellt. Ein Bewohner entfernte diese und fuhr mit seinem Auto neben die Hausmauer. Eine Dachlawine ging ab, das Auto wurde dabei vollkommen zerstört. »Der Schaden wurde von der Haus- und Grundbesitzerversicherung nicht bezahlt«, so Plenk. Das heißt, der Hausbesitzer musste selbst in die Tasche greifen.

Bei einem anderen Rechtsstreit kam das Gegenteil heraus: Da musste der Hausbesitzer nichts bezahlen, sondern das Opfer. »Denn in diesem Fall war abzusehen, dass eine Dachlawine abgeht und der Betroffene hätte damit rechnen müssen.«

Stefan Liebl, stellvertretender Pressesprecher der Versicherungskammer Bayern (VKB), informiert zu dem Thema auf der Internetseite der VKB: »Jeder muss sorgsam mit der Situation umgehen, da jedem Verkehrsteilnehmer die Witterungsverhältnisse bekannt sind und er sich selbst darauf einstellen und sich und sein Eigentum schützen muss.«

Sollten öfter Gefahrensituationen durch Dachlawinen auftreten, kann das Installieren von Schneefanggittern erforderlich sein. Einen Fall, wo diese Schneefanggitter ausschlaggebend waren, hatte Stefan Plenk auch schon einmal. Für Hausbesitzer gilt genauso wie für Fußgänger und Autofahrer in dieser Zeit: Wachsam sein und kein Risiko eingehen. Wer weitere Informationen zum Thema Dachlawinen und Haftungsfragen benötigt, bekommt diese unter anderem auf der Internetseite der VKB. Informationen generell zum Thema Schneelast auf Dächern gibt es auf der Internetseite beim Staatsministerium des Innern, dazu ist das Merkblatt »Der nächste Winter kommt bestimmt« zu beachten. av