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Vor 50 Jahren wurde der Verfall des Schlosses Pertenstein gestoppt

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Diese Damen und Herren unterstützen den Heimatbund Schloss Pertenstein und damit den Erhalt des Schlosses von Beginn an. Bei der Jahreshauptversammlung des Vereins, wurden sie für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt (von links): Hans Lauber, Bernhard Rieder, Josef Schuhegger, Albert Georg, Anton Queitsch, Walter Neuhauser, Irmengard Lehnert, Franz Jaksch, Resi Schützinger und Julius Wachsmann. Nicht auf dem Foto ist Franz Huber. (Foto: Rasch)

Traunreut – Die Wiederbelebung von Schloss Pertenstein ist ein Werk vieler Mitstreiter im Heimatbund Schloss Pertenstein. »Es braucht aber immer einen im positiven Sinne 'Verrückten', der die Fahne trägt«, sagte Vorstandsmitglied Georg Mehler auf der Jahreshauptversammlung des Vereins.


Gemeint hat er damit Hans Lauber, dem bekanntlich der Rummel um seine Person und Ehrungen zuwider sind. Trotzdem überreichte ihm Mehler unter Applaus der rund 50 Besucher die Ehrenurkunde für 50 Jahre Mitgliedschaft im Heimatbund. Die Jahresversammlung war der Auftakt zum Jubiläumsjahr 50 Jahre Heimatbund Schloss Pertenstein.

Neben Lauber wurden Franz Huber, Irmengard Lehnert, Anton Queitsch, Resi Schützinger, Franz Jaksch, Walter Neuhauser, Albert Georg, Bernhard Rieder, Julius Wachsmann und Johann Schuhegger mit einer Urkunde und einer »Pertensteiner Uhr« für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt. Diese und viele andere Mitstreiter seien Leute, die sich handwerklich oder anderweitig ehrenamtlich eingebracht hätten, sagte Lauber.

Zurückblickend auf die Anfänge des Heimatbunds, der es sich vor 50 Jahren zur Aufgabe gemacht hat, das über 700 Jahre alte Wasserschloss vor dem Verfall zu retten, erinnerte Hans Lauber daran, wie alles begann. Die Worte seiner damaligen Lehrerkollegin Olga Huber (»Herr Lauber, der Turm fällt um«) hätten ihn beflügelt, sich die Schlossruine etwas näher anzuschauen. Als er am Eingang des Schlosses das Schild las »Betreten verboten, Einsturzgefahr«, sei es um ihn geschehen gewesen. Im damals einzig zugänglichen Raum, dem heutigen Carl-Orff-Saal, wurde der Heimatbund Schloss Pertenstein e.V. gegründet. Seither wird das in Erbpacht erworbene Schloss der Grafen Toerring zu Jettenbach behutsam renoviert und genießt als Kultur- und Begegnungsstätte einen großen Bekanntheitsgrad.

Traunreuts Ortsheimatpfleger Johannes Danner freute sich, dass für das Schloss eine betriebswirtschaftliche Grundlage gefunden worden sei. Nach Angaben des Heimatbund-Vorsitzenden, Hans Jakob Lauber, sei der Verein als Erbpächter offizieller Ansprechpartner. Die Gebäudeverwaltung werde über eine gGmbH abgewickelt und die Veranstaltungen über eine Veranstaltungs-GmbH.

Hans Jakob Lauber ist als Vorsitzender im vergangenen Jahr in die Fußstapfen seines Vaters Hans Lauber getreten und bemüht sich mit seinem Vorstandsteam weiter um den Erhalt des Schlosses, das nach Ansicht von Bürgermeister Klaus Ritter nicht nur für die Stadt Traunreut sondern auch im Landkreis Traunstein ein besonderes Kleinod darstelle. »Was in Pertenstein entwickelt und geschaffen wurde, war vor 50 Jahren nicht denkbar«, lobte Ritter. Er überreichte anlässlich des Jubiläums eine 300-Euro-Spende von der Stadt.

Dass für die ewige Baustelle Pertenstein jeder Cent benötigt wird und jede Spende willkommen ist, machte der Vorsitzende deutlich. So stünden in den nächsten Jahren im Schloss weitere Renovierungsmaßnahmen, wie beispielsweise die Sanierung der sogenannten Kaiserzimmer im dritten Stock des Schlosses an. Ein Thema, das den Heimatbund weiter begleiten wird, ist der Brandschutz im Schloss. Hans Jakob Lauber geht aber davon aus, dass der geforderte Brandschutz unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes noch in diesem Jahr erfüllt werden könne. Endgültig hergestellt werden konnte der Brandschutz für das Marstall-Gebäude. Hierfür hätten die Behörden erst vor wenigen Wochen »grünes Licht« erteilt. Dass der Verein gut gewirtschaftet hat, belegten die Zahlen des Kassiers, Toni Stadelmann.

Dass es sich im Schloss nicht nur gut feiern lässt, zeigte auch die Vielzahl der kulturellen Veranstaltungen im vergangenen Jahr. Das Veranstaltungsjahr wurde an Lichtmess mit einer Kerzenweihe begonnen, gefolgt vom Ostermarkt und dem Märchenfest, dem Anna-Patrozinium bis hin zur Christmette. Neben Schlossführungen durch den Heimatpfleger Johannes Danner, fanden unter anderem ein Gitarrenkonzert und Liederabende sowie ein Kurz-vor-Maitanz statt. An diese zum Großteil wiederkehrenden Veranstaltungen soll jetzt nach dem Motto »Pertenstein lebt« angeknüpft werden.

Das verjüngte Vorstandsteam will die Kulturstätte für alle Gesellschaftsschichten noch mehr öffnen und beleben und unter anderem auch jungen Künstlern eine Bühne bieten. Erste Ideen werden bereits im Jubiläumsjahr umgesetzt: Am Freitag, 26. April ist gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Matzing ein Weinfest mit der Chiemgauer Band »Gaudi Harmonie« geplant. Ende Mai ist ein Benefizkonzert zugunsten der »Sternstunden« vorgesehen und ab Oktober sollen einmal im Monat Lesungen mit Musik organisiert werden. Bei einem »Burgfest« im Rahmen eines Tags der offenen Tür soll im Herbst der gesamten Bevölkerung die Möglichkeit geboten werden, mit der großen Pertensteiner Familie gemeinsam zu feiern. ga