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Von Wilhelm Tell bis zum »Final Countdown«

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Claudia Auer und Josef Pollhammer (stehend vorne) waren die Solisten in dem Musettewalzer »Flair de Tessin«. (Foto: Janoschka)

»Volltreffer« war das Jahreskonzert des Akkordeonorchesters Rupertigau unter der Leitung von Edwin Fial betitelt – und zu einem echten Volltreffer geriet es auch, sogar zu einem doppelten: Das Konzert fand in der Salzachhalle in Laufen und in der Aula der Berufsschule in Freilassing statt.


»Lebst du noch, oder musizierst du schon?« schienen die engagierten Musiker von der Bühne herunter zu zwinkern. Und so klangen die ausgewählten Werke nicht nur schön, sie strotzten auch vor temperamentvollem, musikalischem Leben.

Das Programm war äußerst abwechslungsreich und spannte einen Bogen von der großartig dargebotenen Ouvertüre zu Wilhelm Tell von Gioacchino Rossini (1792-1868) mit ihren rhythmisch prägnanten Melodien über ein Gesangs-Quintett (»You’ve got a Friend« aus dem Jahr 1971 von Carole King, bayrisch gesungen von Claudia Auer, Claudia Kneidl, Walter Gruber, Josef Pollhammer und Georg Schmidbauer), den für das Akkordeon typischen Musettewalzer »Flair de Tessin« von Hans-Günther Kölz mit den Solisten Claudia Auer und Josef Pollhammer bis hin zu Rockmusik auf Tasten.

Optische Bereicherung durch Tango tanzendes Paar

Sogar eine Milonga (»Milonga del Angel«) von Astor Piazzolla (1921-1992) war dabei. Durch die optische Bereicherung durch ein Tango tanzendes Paar (Elisa Starzer und Heinrich Rudholzer) kamen hier gleich mehrere Aspekte dieser Komposition zur Geltung. Mit knisternder Erotik in der Bewegung ebenso wie in der Musik wurde hier schon vor der Pause die Stimmung angeheizt, und der Solist auf dem Akkordeon, Günther Wendlinger, interpretierte zusammen mit dem gesamten Orchester einen stilechten Piazzolla-Tango mit all seinen rhythmischen Finessen höchst stimmungsvoll und sehr emotional anrührend.

Welch unterschiedliche Stilrichtungen auf dem Akkordeon möglich sind, bewiesen die Musiker außerdem mit »I wanna wake up with you«, einem Reggae-Hit, der 1986 von Ben Peters (1933-2005) komponiert wurde, ebenso wie mit dem Jazz-Standard von 1942 »A Funky Night in Tunisia«, Soul-Funk-Cool-Jazz, komponiert von Frank Papagalli und Dizzy Gillespie, der durch seine experimentellen Jamsessions mit Thelonious Mond bekannt ist.

Sowohl bei den eher »klassischen« Werken als auch bei der Unterhaltungsmusik fiel die Bandbreite des Orchesters auf, zu dem auch ein Schlagzeug (Daniel Ramgraber), Pauken und Perkussion (Raimund Hiti), sowie Keyboards (Jutta Fial, Claudia Kneidl), ein elektronischer Bass (Ingrid Steiner), ein Elektronium (Georg Schmidbauer) und eine Gitarre (Stefan Lang) gehören. Besonders durch die elektronischen Instrumente waren »Klangillusionen« eines Sinfonieorchesters ebenso möglich wie diejenigen einer Hardrock- oder Jazzband.

Spanisches Temperament und Musik zum Träumen

»Collaboration« von Wolfgang Ruß-Plötz verbreitete durch seine Synkopen spanisches Temperament, wozu auch die vielseitig eingesetzten Perkussionsinstrumente beitrugen, während das durch Whitney Houston bekannt gewordene »I will always love you« von Dolly Parton aus dem Film »Bodyguard« manche Zuhörer zum Träumen anregte. Edwin Fial und sein Akkordeonorchester setzten im total verdunkelten Saal den ersten triumphalen Schlusspunkt mit dem von Joey Tempest komponierten Welthit »The Final Countdown« der Rockband »Europe« aus dem Jahr 1986, der für Gänsehaut sorgte.

Der aufbrausende Applaus konnte nur mit zwei Zugaben gestillt werden: Concerto grosso »Palladio« von Karl Jenkins und »Don’t worry, be happy« von Bobby McFerrin, mit dem intonationssicheren Pfeif-Virtuosen Walter Gruber, der mit dieser großartigen Leistung den endgültigen Schlusspunkt nach einem absoluten Volltreffer-Konzert setzte. Brigitte Janoschka