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Von wegen »Das ist ein rechter Dreck!«

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Das ensemble Amphion begeisterte mit Beethoven im k1: Unser Bild zeigt von links Eri Ota, Judith Krins, Alexander Krins und Reine Hirano. (Foto: Benekam)

Wie klein auch immer eine Wiener Serenade besetzt sein mag, sie erhebt doch Anspruch auf Klangfülle. Das schönste Beispiel für dieses Paradox ist die sechssätzige Serenade D-Dur op. 8 für Violine (Eri Ota), Viola (Alexander Krins) und Violoncello (Reine Hirano) von Ludwig van Beethoven, mit der das ensemble Amphion im gut besuchten k1-Studio sein Konzert eröffnete.


Nur für drei Streichinstrumente geschrieben, suggeriert dieses Werk dennoch eine fast sinfonische Farbpalette. Wie Alexander Krins in seinen einleitenden Worten den Zuhörern erklärte, sei dieses jugendlich-phantasiereiche Frühwerk in seinem Klang bereits »vollendet, bezaubernd«. Es sei als eine Art Vorlage für seine Spätwerke zu betrachten und ließe bereits den Geist Beethovenscher Eigenheiten erleben.

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So hörte man gleich im einleitenden Marsch orchestrale Akkordfülle, im folgenden Adagio echte »Hornquinten«, am Ende des Menuetts ein gitarrenhaftes Pizzicato und im d-Moll-Adagio orchestrale Begleitfiguren. Klangvoller und farbenreicher hätte man eine Serenade für diese drei Instrumente kaum schreiben können, die eine so große Fülle schönster melodischer Eingebungen auf so engem Raum und in so leicht fasslichen Formen eint.

Wenige Jahre nach den Streichtrios beschäftigte sich Beethoven mit der »Königsgattung«, dem Streichquartett, aus dem das ensemble Amphion das einzige Moll-Quartett des Zyklus, das c-Moll op. 18 Nr. 4, zu Gehör brachte – in der Entstehungsreihe ist es das fünfte. »Das ist ein rechter Dreck! gut für das Saupublikum.«, so reagierte Beethoven 1798, als sich Kritik und Publikum für sein c-Moll-Quartett begeisterten. In selbstkritischer Beleuchtung konnte er offenbar diese Begeisterung nicht teilen.

Der Kopfsatz ist von leidenschaftlichem Drängen im zwölf Takte langen Hauptthema geprägt. Der Seitensatz (Es-Dur) ist aus dem Hauptthema abgeleitet, wirkt aber lyrischer. Einen wirklichen langsamen Satz hat das Quartett nicht. Beethoven wählte stattdessen zwei Varianten: ein Scherzo, das durch seine Staccati scherzhaft wirkt, in der Form aber ein Sonatensatz ist, und ein Menuett mit zahlreichen Sforzati. Im Finale fühlt man sich, obwohl das wohl gewollt Einfache vorherrscht, an Haydn erinnert. Vielleicht hat gerade das Fehlen des allzu Anspruchsvollen dem Werk den Erfolg verschafft. Die Zuhörer im k1 quittierten das von den vier Musikern Eri Ota und Judith Krins (Violinen), Alexander Krins (Viola) und Reine Hirano (Violoncello) so leidenschaftlich interpretierte Beethoven-Streichquartett mit euphorischem Applaus.

Der zweite Konzertteil war ausschließlich von dem viersätzigen Streichquartett Es-Dur op. 127 ausgefüllt. Es ist das erste von fünf Spätwerk-Quartetten, die alle zwischen Mai 1824 und November 1826 entstanden sind. Der derzeit bereits völlig ertaubte Beethoven beschrieb dieses Quartett als »Gesang, der es allezeit verdient, allem übrigen vorgezogen zu werden«, im Mainzer Schott-Verlag stand nach zweiter öffentlicher Aufführung im März 1825 zu lesen: »Es ist das als höchster Gipfel der Instrumentalmusik angepriesene, viel bewunderte neueste Quartett des Meisters unserer Zeit.«

Wie gut dieses Werk knapp 200 Jahre später im Traunreuter k1 ankam, beweist, dass gute Musik kein Verfallsdatum hat, wohl aber auf gute Interpreten angewiesen ist. Die Gäste bedankten sich für die musikalische Reise durch Beethovens variationsreiches Quartettschaffen mit großem Beifall, für den es sogar, trotz Konzentrations-Marathon der vier Musiker, noch eine Zugabe gab. Kirsten Benekam

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