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Von Taktik geprägt

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Christoph Bauer ging im Kampf gegen Andreas Pfnür als 1:0-Punktsieger von der Matte. (Foto: Waßmuth)

Spannender kann Ringsport nicht sein, als der Kampf des TSV Berchtesgaden gegen den Tabellenzweiten SV Untergriesbach am Samstagabend im AlpenCongress Berchtesgaden. Die Berchtesgadener hatten bei den Niederbayern schon einmal überraschend mit 17:16 gewonnen. Am Samstag machten sie es wieder knisternd spannend für das Publikum im voll besetzten AlpenCongress. Sie rangen den SV Untergriesbach mit 11:10 förmlich nieder. Die Niederbayern fühlten sich zwar von Kampfrichter Jan Melzer vom TSV St. Wolfgang etwas benachteiligt, erwiesen sich aber als faire Verlierer und gratulierten den Siegern sportlich anständig.


Im ersten Duell zwischen Tobias Küpper (57/griechisch-römisch) und Jonas Lenz rechnete sich der TSV Berchtesgaden wie schon in Untergriesbach einen knappen Sieg aus. Doch durch den Stilartenwechsel fand Küpper gegen den 16-jährigen Untergriesbacher keine Mittel und musste eine 0:2-Punkteniederlage hinnehmen. Den Rechnern unter den Ringsportanhängern und auch den Verantwortlichen beim TSV Berchtesgaden schwante jetzt Übles.

Das Schwergewicht blieb unbesetzt und so kam Peter Fodor (130/Freistil) kampflos zu vier Punkten. Einen schweren Stand hatte Sebastian Hillebrand (61/Freistil) gegen den technisch versierten Johannes Lenz, gegen den er auswärts in der griechisch-römischen Stilart noch mit 11:3 Punkten gewonnen hatte. Am Ende der sechs Minuten stand es 7:1 für den Gast und so glich der SV Untergriesbach nach drei Kämpfen zum 4:4 aus. Dabei hatte man sich beim TSV Berchtesgaden bis zur Ringpause nach fünf Kämpfen einen größeren Vorsprung erhofft.

Ein Ringsportgusto und das Eintrittsgeld schon wert war der begeisternde Kampf von Tamas Fodor (98/Greco) gegen Erkan Celik. Man wusste, dass diese Begegnung vorentscheidend für den endgültigen Kampfausgang sein könnte. Beide Ringer gingen zunächst taktisch vorsichtig zur Sache, um keine entscheidende Niederlage zu riskieren. Mit Fortdauer des aufregenden Duells setzte sich die technische Versiertheit des Ungarn gegen den heftig Abwehrenden immer mehr durch. Der Untergriesbacher wankte immer mehr wie ein angeschlagener Boxer. Doch den entscheidenden Griff zu einer Schulterniederlage ließ der Gast dennoch nicht zu. Fodor erkämpfte 13:0 Punkte und brachte seine Mannschaft damit mit 7:4 in Führung. Die sachkundigen Zuschauer verabschiedeten ihren neuen Publikumsliebling mit tosendem Applaus.

Lukas Laue erringt 7:1-Punktsieg

Absoluter Verlass war im letzten Kampf vor der Ringpause auf Lukas Laue (66/griechisch-römisch), der neuerlich auf Florian Unfried traf, den er schon auswärts in seiner bevorzugten Stilart mit 19:7 Punkten bezwungen hatte. Im griechisch-römischen Stil musste Laue jedoch noch mehr geben, um seine Mannschaft auf dem möglichen Siegeskurs zu halten. Und wie erwartet reichte es für Laue zu einem 7:1-Punktsieg, der Berchtesgaden nach der Hälfte der Kämpfe mit 9:4-Mannschaftspunkten in Führung brachte. Natürlich wurde spätestens jetzt neu gerechnet und die fünf folgenden Gefechte gegenübergestellt. Schließlich bot Untergriesbach jetzt mehrere gleichwertige und einen absoluten Siegringer auf. In vier der fünf folgenden Kämpfe ging es auf beiden Seiten nämlich darum, dem Gegner keine hohe Wertung zuzulassen.

Die Rechnung geht auf

Im ersten Kampf nach der Pause standen sich das Ramsauer Urgewächs Andreas Pfnür (86/Freistil) und Christoph Bauer gegenüber. Nach einem frühen Rückstand kam der Berufsförster, der in der diesjährigen Meisterschaftsrunde der Oberliga bis dato nur im Heimkampf gegen den SC Anger im Einsatz war, immer besser in Schwung und führte zwischenzeitlich mit 10:4. Doch der versierte Untergriesbacher kämpfte sich wieder heran und konnte auf 10:10 ausgleichen. Weil er eine Viererwertung (die zweithöchste im Ringsport) aufwies, ging Bauer als 1:0-Punktsieger von der Matte. Untergriesbach holte auf 9:5 auf.

Jetzt kam es auf Korbinian Hillebrand (71/Freistil) an, der in Christoph Fenzl einen harten Widersacher fand. Doch Hillebrand kämpfte taktisch diszipliniert, wagte nicht alles und landete einen 2:0-Punktsieg, der Berchtesgaden vor den letzten drei Kämpfen auf 10:5 davon ziehen ließ. Im folgenden Kampf war die Konstellation ähnlich. Auch Marius Mackamul (80/griechisch-römisch) durfte sich gegen Jakob Rotteneicher keine hohe Niederlage leisten und rechtfertigte das Vertrauen seiner Trainer vollauf. Es war etwas unglücklich, wie Mackamul mit 4:6 Punkten unterlegen war, aber er ließ den Mannschaftskampf offen, da es vor den letzten beiden Kämpfen 10:6 für den TSV Berchtesgaden stand.

Alles kam nun auf die beiden Mittelgewichtsbegegnungen an. Zunächst traf Alexander Petersen (75 A/griechisch-römisch) auf den versierten Benedikt Pauli, gegen den er in Untergriesbach noch klar verloren hatte. Doch dieses Mal wusste Petersen, dass es auf ihn ankommen würde, den Mannschaftskampf zu entscheiden. Von Beginn an entwickelte sich ein enges Ringen, in dem zunächst Petersen, dann aber wieder Pauli Vorteile hatte. So rettete Petersen vor der Kampfpause nur der Gong vor der drohenden Schulterniederlage und damit dem Verlust des Mannschaftskampfes. Petersen lag chancenlos in der Brücke und hätte verloren, wäre der Kampf nur ein paar Sekunden länger gegangen. So aber justierte sich Petersen in der Pause neu und rang Pauli mit 7:6 förmlich nieder. Damit führte der TSV Berchtesgaden mit 11:6 und hatte den Kampf vorzeitig für sich entschieden. Pauli war mit den Entscheidungen des Mattenleiters unzufrieden und verweigerte mehrmals das sportliche Händeschütteln nach der recht aufregenden Auseinandersetzung. Schließlich besann sich der Untergriesbacher aber doch und gab Melzer doch noch die Hand.

Den ganzen Frust der neuerlich unterlegenen Untergriesbacher bekam nun Anderl Hillebrand (75 B/Freistil) im letzten Kampf gegen Nikolay Kurtev ab. Wenngleich es nun um nichts mehr ging, musste der Berchtesgadener in exakt zwei Minuten 16 technische Punkte über sich ergehen lassen. Doch der Mannschaftskampf war gewonnen und somit war die Freude unter der Ringerstaffel und den zufriedenen Zuschauern riesengroß. Jetzt kann der TSV Berchtesgaden am kommenden Samstag beruhigt nach Anger fahren und den Nachbarn den für sie so wichtigen Mannschaftssieg ermöglichen.

Die Ergebnisse der Oberliga Süd vom 9. Kampftag (Tabellenplatz): SpVgg Freising (3.) – SV Mietraching (8.) 20:7, AC Penzberg (7.) – SC Isaria Unterföhring (5.) 13:14, TV Traunstein (4.) – SC Anger (1.) 17:16, TSV Berchtesgaden (6.) – SV Untergriesbach (2.) 11:10.

Eine klare 8:32-Niederlage mussten dagegen die Schülerringer am Freitagabend gegen die Kampfgemeinschaft aus Vigaun und Abtenau hinnehmen. Nur Seriensieger Korbinian Hochreiter und Daniel Petersen konnten ihre Mattenduelle für sich entscheiden.

Weitere Bilder des Ringkampfabends im AlpenCongress gibt es online unter www.berchtesgadener-anzeiger.de. Christian Wechslinger