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Von Musical und Film bis zur großen Symphonik

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Unter Leitung von Constantin Zill zeigte das Bezirksjugendorchester sein Können. (Foto: Mergenthal)

Einen facettenreichen Querschnitt der Blasmusik-Literatur und spannende Bearbeitungen symphonischer Werke präsentierte das Bezirksjugendorchester Chiem-Rupertigau im Alten Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall. Diesem Konzert mit etwa 300 Besuchern war am Vorabend ein Auftritt im Festsaal Siegsdorf vor etwa 240 Zuhörern vorangegangen. Mit mitreißenden Titeln, überschäumender Spielfreude und gemeinsamem Musizieren auf hohem Niveau begeisterten die jungen Leute ihr Publikum.


Das Bezirksjugendorchester ist eine Initiative des Bezirksmusikverbands für den Chiem- und Rupertigau. Jedes Jahr können sich Jugendliche und junge Frauen und Männer ab 14 Jahren aus allen Mitgliedskapellen dafür bewerben. An drei Einzelprobentagen und einem Probenwochenende haben sie mit Dirigent Constantin Zill die elf Stücke einstudiert. Darüber hinaus probten vier Dozenten – Angelika Engraf (Schlagwerk), Andreas Kapellner (tiefes Blech), Andreas Resch (hohes Blech) und Franziska Wallner (Holz) – mit den einzelnen Registern. »Die jungen Leute sollen was mitnehmen«, erläutert Bezirksleiter Thomas Egger dieses Konzept. Organisiert haben das Projekt die Bezirksjugendleiterinnen Jana Vohburger und Lisa Flossmann.

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Durch den Abend führte auf charmante Weise mit aufschlussreichen Hintergrundinformationen Franziska Wallner. Mit dem vom Schlagwerk erzeugten geheimnisvollen Rauschen einer Zeitmaschine begann das Konzert, und die Bläser intonierten das Hauptthema der Filmmusik zu »Back to the Future« über die Zeitreisen des Jugendlichen Marty mit seinem Freund Doc Brown, komponiert von Alan Silvestri und arrangiert von Johnnie Vinson.

Übermut und Energie prägten die »Promenaden-Polka« von Jaroslav Zeman und einen »Trepak«, einen russischen Volkstanz der Männer aus der Nussknacker-Suite von Peter Tschaikowsky. Feierliche, weihevolle Akkorde, stets hervorragend intoniert, ertönten im Finale aus der Ersten Symphonie von Johannes Brahms und im »St. Thomas-Choral« von Pavel Stanek. Dieser erst 1927 geborene tschechische Komponist wurde stark von der Musik der Renaissance und des Barock inspiriert. Reizvoll waren hier der Wechsel von Holz und Blech und die aufblühenden Klänge.

Einen Ausflug in die Unterhaltungsmusik unternahm das Ensemble mit einem Marsch aus der Operette »Der Zigeunerbaron« von Johann Strauß sowie mit Medleys aus den schönsten Melodien von George Gershwin und aus dem Musical »West Side Story« von Leonard Bernstein. Aus letzterem erklangen in einer Bearbeitung von Naohro Iwai unter anderem die rhythmisch markanten Titel »I want to be in America« und »Mambo«, die Bläser und Schlagzeug knackig-pointiert darboten. Gershwins typischer Swing und Bigband-Sound kamen ebenso gut rüber.

Ein Höhepunkt des Programms war »Ecce Sacerdos magnus« von Anton Bruckner. Die ursprünglich für achtstimmigen Chor, drei Posaunen und Orgel auf Basis der gleichnamigen gregorianischen Antiphon komponierte Musik hat Thomas Doss hervorragend für Blasorchester gesetzt. Sie beginnt wie Bruckners »Te Deum« mit einer Quinte, aber auch sonst ähnelt es diesem bekannten Werk, etwa im Wechsel zwischen triumphalen und innig-gebetsähnlichen Passagen. Refrainartig wiederholt sich das ernste, leitmotivische Fanfaren-Thema, mit dem Posaunen, Trompeten und Pauken den Einzug des großen Priesters ankündigen. Die Klarinetten imitieren an einer Stelle liturgischen Sprechgesang. Bruckner setzt die Stimmgruppen, von den Blasregistern vertreten, wie die Register einer Orgel ein. Das Orchester lief hier unter Zill zur Höchstform auf.

Im Choral »Bist du bei mir« von Johann Sebastian Bach in einem Arrangement von Siegfried Rundel, eine Hommage an seine zweite Gattin Anna Magdalena Bach, und im abschließenden Finale aus der Dritten Symphonie von Gustav Mahler zeigte die Formation, wie weich und ausdrucksstark sie spielen kann.

Als Überleitung zum zweiten Teil trug ein Trompetenensemble am Ende der Pause vom Balkon eine klangschöne Fanfare eines unbekannten Komponisten vor. Für die etwa 50 Jugendlichen und jungen Erwachsenen – je fünf Querflöten, Flügelhörner und Posaunen, je sieben Klarinetten und Tenorhörner oder Baritone, je vier Saxophone und Schlagwerker, sechs Trompeten, drei Tubas und zwei Hörner, sowie drei Aushilfsmusiker an Oboe, Fagott und Kontrabass – gab es einen langen, kräftigen Applaus. Als Zugabe erklangen wunderschöne Melodien aus der Filmmusik zu »La La Land« und nochmal »Back to the Future«.

Veronika Mergenthal

Italian Trulli