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»Von Heimat – Wirtshaus – Bauernhof«

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Den Zauber alter bäuerlicher Gebäude fängt Christine Dobler auf unnachahmliche Weise ein. Zu sehen sind die Bilder in Tacherting. (Foto: Morgenroth)

Unter dem Titel »Von Heimat – Wirtshaus – Bauernhof« ist bis zum 11. Juni in der Galerie im Salzstadel in Tacherting eine beeindruckende Ausstellung mit Zeichnungen und Radierungen der Künstlerin Christine Dobler zu sehen.


So vital, wie Christine Dobler lebt, so unmittelbar setzt sie auch ihre Werke und Wissen ein. Seit 1974 beschäftigt sie sich intensiv mit Zeichnung, Grafik und Malerei. Von 1993 bis 2003 war sie an der Sommerakademie Salzburg in den Zeichenklassen bei Jim Dine und Gunter Damisch und von 2012 bis 2018 in den Radier- und Intagliotypieklassen bei Rainer Kaiser an der freien Akademie in Augsburg.

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1986 erhielt sie den Förderpreis des Landkreises Traunstein für Malerei und 1987 den Anerkennungspreis Seeon-Seebruck für Malerei sowie 2011 den Publikumspreis im Haus der Kunst für künstlerisches Schaffen. Christine Dobler ist Mitglied im Kunstverein Traunstein, bei der FMDK (Freie Münchner und Deutsche Künstlerschaft) München sowie der Sezession Graz. Zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen und Einzelausstellungen begleiten seit über 40 Jahren ihr Kunstschaffen.

Zeichnungen und Radierungen stehen im Zentrum von Christine Doblers künstlerischem Schaffen. In immer neue Richtungen stößt sie dabei vor, um wieder andere, teils nuancierte Arten menschlichen Seins aufzuspüren, und sich dabei von Geschichte, Brauchtum und Baukunst anregen zu lassen. Immer schon skizziert sie Gebäude. Mit unermüdlichem Auge zeichnet sie, was sie sieht. Und hat sich dabei zu einer Spezialistin großzügiger Ansichten dieser Art entwickelt. Ihr neugieriges Auge und eine routinierte Hand lassen die ausgestellten Zeichnungen zu einem kulturhistorischen Dokument werden.

Vom Zerfall bedrohte Bauernhäuser, Gehöfte und Stadel – viele davon aus Tacherting und Umgebung – werden realistisch und mit zeitgemäßer Empfindung wiedergegeben. Sie bringt den Bleistift in ganz feinem, harten Liniengefüge zu enormer Ausdruckskraft. Licht und Schatten, Nähe und Ferne kommen zum Ausdruck. Genau beschreibt Dobler bis ins kleinste Architekturdetail die »Schönheit« der Gebäude – die stärker beeindruckt als der Zerfall.

Fast zeitgleich zur Zeichenkunst erweckt die Druckgrafik Doblers Interesse. Sie wendet sich verstärkt der Radierung zu. Das Zeichnen auf Platten, die Experimentierfreude und die Entdeckung neuer Kombinationen und technischer Möglichkeiten faszinieren sie dabei besonders. Völlig frei zeichnet sie auf Platten wie mit einem Bleistift auf Papier. Der Linie ist keinerlei Zwang auferlegt. Durch stufenweises Vorgehen entstehen sehr differenzierbare Flächentöne in allen gewünschten Dichten.

Auch mit diesem Medium dokumentiert sie mit ungewöhnlicher Genauigkeit die Kenntnis fast verlorengegangener Bauten und Bauformen. Zwei Radierungen mit den Titeln »Keltenkopf« weisen auf die vergangene keltische Besiedelung unserer Gegend hin. Im Gegensatz zu diesen ist jeweils ein zerfallenes Gebäude aus unserer Zeit gegenübergestellt. Beides symbolisiert Kommen und Gehen, Entstehen, Leben und Vergehen. Doblers Werke tragen dazu bei, verlorengegangenes oder fast vergessenes Kulturgut zu bewahren und den Menschen näher zu bringen. Damit setzt die Zeichnerin, Grafikerin und Malerin eine Gegenkraft zur heutigen Bildüberflutung. Ihr Ziel ist es, ein neues Bewusstsein zu schaffen, indem Bleibendes und Gewandeltes sich zu einer Einheit verbinden. Stets von Neuen setzt sich die Künstlerin damit auseinander und schafft die Möglichkeit, Menschen und Kultur besser zu verstehen.

Die Ausstellung ist bis 11. Juni 2018 zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Donnerstag und Freitag von 17 bis 19 Uhr und Samstag und Sonntag von 15 bis 19 Uhr sowie nach Vereinbarung Telefon 08621/3284. Zur Ausstellung ist ein Bildband erschienen. Gabriele Morgenroth

Der österreichische Autor Thomas Köck erhält für sein Stück »paradies spielen (abendland. ein abgesang)« den diesjährigen Mülheimer Dramatikerpreis. Nach rund zweistündiger, öffentlicher Diskussion auf einer Theaterbühne in Mülheim bestimmte eine Jury mehrheitlich die Vergabe des mit 15 000 Euro dotierten Preises an den 32-Jährigen.

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