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Von guter Laune bis zu Nachdenklichkeit

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»Hundling« Phil Höcketstaller zelebrierte ein musikalisches Crossover für jeden Geschmack. (Foto: Ortner)

Bestens gerüstet hat sich »Hundling« aus München in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS präsentiert. Das bayerische Quartett hatte ungewöhnlicherweise lokale Unterstützung eingeladen: Das einheimische Duo »Damisch & Gfeid« hatte an diesem Abend seine Feuertaufe und fieberte dem allerersten öffentlichen Auftritt mit dem eigenen Liedmaterial entgegen.


Hinter »Damisch & Gfeid« stecken zwei Musiker, die sich längst Solo und mit anderen Formationen einen Namen gemacht haben: Sänger und Gitarrist Christopher Mayer ist im realen Leben Radiomoderator bei einem Lokalsender und hat bereits erste Erfolge als Liedermacher mit Eigenkompositionen eingeheimst. Multiinstrumentalist Pius Bauer (Piano, Blechblasinstrumente, Gitarre und Gesang) ist mit seiner Band »Baam Brass« bereits als Support für »La Brass Banda« unterwegs gewesen.

Musikalisch setzt das Duo auf die Independentschiene mit Pop, Reggae, Ska, Blues und einer gehörigen Portion Grooverock. Die Texte wie auch die Ansagen und Geschichten zwischen den Liedern sind verschmitzt, humorvoll, nachdenklich, verträumt, voller Humor und Wortwitz. Von Typ und Stil her passten sie perfekt zum Charakter der »Hundlinge« und waren als Anheizer eine prächtige Sache. Premiere gelungen – bitte bald mehr davon.

»Hundling«, das ist eine Münchner Band um den ehemaligen Bassisten der in den 90er und 2000er Jahren aktiven und relativ erfolgreichen Reggae-Formation »Les Babacools«, die den Konzertbetrieb ohne großes Trara in den späten 2000er Jahren eingestellt hat. Seitdem ist Phil Höcketstaller als »Hundling« unterwegs. Mal solo, mal als Duo, mal als Band – je nach Bedarf und Lust und Laune.

Mit im Bandgepäck hatte er an diesem Abend Bassist Christian Klos, Dominik Scholz in der Schießbude und mit Pianist Sebastian Osthold ein Ex-»Blumentopf«-Mitglied. Sie zelebrierten ein musikalisches Crossover, das für jeden Geschmack etwas bot – von guter Laune bis zu ruhiger Nachdenklichkeit, vom lockeren Mitsingsong zur lauschigen Ballade. Inhaltlich war alles da, vom Liebeslied bis hin zur kritischen Betrachtung, vom Friedenslied über hintersinnige Wurschtigkeit bis hin zur Ballade über die kleinen Dinge des Lebens und einem Protestsong gegen eine musikfreie Zone.

Phil Höcketstaller bezieht seine Ideen und Anregungen stets aus dem realen Leben. »A jeder, der mi ärgert, kriagt a Liad vo mir gschriem«, erklärte er und grinste verschmitzt unter seinem Markenzeichen, der schwarzen Melone, hervor. Hausmeister, Nachbarn, Ex-Freundinnen – da findet sich immer und überall was, und das kann man auch immer mit einem gut und herzhaft dosierten Humor und feiner Ironie sauber aufpolieren.

Der »Hundling« beherrscht aber auch das Gegenteil, den Frohsinn: »Nix wia nix« ist eine Hymne über die Kunst des Müßiggangs, einer Freizeitbeschäftigung, von der unzählige Musiker träumen und die die große Krux in ihrem Leben ist. Hat man Zeit für den Müßiggang, hat man meist nichts eingespielt und somit auch nichts zum Essen. Hat man aber endlich den so heiß ersehnten Erfolg als Musiker, artet das ganz schnell in Arbeit aus – etwas, das man eigentlich doch angeblich lieber vermeiden wollte. Andererseits sind ja Erfolg und Applaus das Salz in jeder Musikersuppe, für die er jede nur erdenkliche Mühe auf sich nimmt. Maria Ortner