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Von Gschamigen, Krokodilen und Wühlmäusen

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Die Musikerinnen und Mundartautoren (von links nach rechts) Karl-Heinz-Austermayer, Sepp Obermüller, Sepp Scheurl, Hans-Peter Kreuzer, Eva Hubbauer, Robert Gapp und Marie Luise Hubbauer. (Foto: Hartmut Hintzsche)

Das abwechslungsreiche Programm des 14, Bergener Brettls wurde musikalisch mit dem Duo Marie Luise und Eva Hubbauer eröffnet, wobei letztere gleich zu Anfang ihre Virtuosität an der Harfe aufblitzen ließ und auch zwischen den Lesungen immer wieder im Zusammenspiel und Gesang mit ihrer Mutter für Begeisterung beim Publikum sorgte.


Sepp Obermüller, ein Verserlschreiber aus Prien, der schreibt was er denkt, las aus seinen handschriftlichen – sozusagen seinen analog zu Papier gebrachten – Werken vor. Er brachte in bairischer Mundart eindrucksvoll und mit viel Hintersinn Szenen des menschlichen Zusammenlebens zu Gehör und entlockte den Zuhörern so vielerlei Schmunzler. Manch einer wird sich dabei selbst gesehen haben.

Nach einer musikalischen Überleitung versetzte Sepp Scheurl alle mit seinen Kurzgeschichten in die »wilde« Zeit zurück. Spannend und witzig berichtete er von Begebenheiten aus seinen früheren Bergwachtzeiten und ließ die Zuhörer hautnah den Entscheidungsprozess miterleben, wann (vor oder nach der Übung) und wo (in der Gaststube oder auf dem Gipfel) denn nun die vom Wirt spendierte Brotzeit eingenommen werden soll.

Hans-Peter Kreuzer, gelernter Buchdrucker und später Anwalt, entdeckte erst spät, dass es besser wäre, beide Talente zu kombinieren und verfasste zunächst eine 12-bändige Familiensaga, in der Folge Romane, Gedichtbände und Kurzgeschichten, die er bis zur Druckreife entwickelte. Beim Brettl fesselte er das Publikum mit seiner zum Nachdenken anregenden Geschichte vom »Schiachn« (Häßlichen) und dem lustigen Gedicht vom gschamigen (schüchternen) Wastl, der seine heimliche Liebe, die Lies, dann doch noch bekommen hat.

Nach einer musikalischen Pause beleuchtete Karl-Heinz-Austermayer in seinen mundartlich vorgetragenen Gedichten kleine Erlebnisse aus dem beruflichen, persönlichen und tierischen Bereich. Frei nach dem Motto »Ganz einfach über´s Leben sinnieren« konnten sich die Gäste in vielen Szenen wiederfinden und feststellen: »Ja, genau a so is des!«.

Den literarischen Schlusspunkt setzte der Bergener Gschichtlschreiber Robert Gapp mit dem Gedicht vom »Groggodui am Nui« (Krokodil am Nil) des viel zu früh verstorbenen Autorenkollegen Reinhard Hauswirth sowie mit einigen lustigen »Viechereien« aus seiner eigenen Feder. Die Zuhörer wissen nun genau, wie man ein Krokodil am Nil verjagt, dass es nicht ganz so einfach ist, eine Wühlmaus zu fangen und »vareggde Hund« auch zweibeinig sein können.

Für die Musikantinnen und Mundartautoren gab es einen lang anhaltenden Applaus mit dem Wunsch, doch wieder mal ein solches »boarisches Brettl« auf die Bühne zu bringen.

Das 15. Brettl findet am 12. April in der Kunst- u. Kulturwerkstatt in Bergen statt. Reservierungen sind per E-Mail unter bergenerbrettl@web.de bzw. unter Telefon 0176/24020919 möglich. Künstler können sich bis zum 8. April bei Robert Gapp per E-Mail unter r.x.gapp@t-online.de bzw. unter Telefon 08662/668648 anmelden.