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Von Frauen, Schönheitswettbewerben und versteckten Haselnüssen

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Satirische Texte und schräg-virtuose Musik: Unser Bild zeigt von links die Musiker Robert Sattler und Josef Ramelsberger sowie den langjährigen Politikredakteur des Traunsteiner Tagblatts, Gunter Kasper. (Foto: M. Heel)

Texte von Harald Martenstein und Axel Hacke sowie eigene Geschichten aus seiner Textsammlung zum Thema »Schlechtes Benehmen« standen auf dem Programm seiner Lesung, die Gunter Kasper, ehemals Redakteur beim Traunsteiner Tagblatt, an zwei Abenden in der jeweils voll besetzten Zieglerwirtsstube im Traunsteiner Heimathaus hielt. Begleitet wurde er dabei von den Gitarrenvirtuosen Robert Sattler und Josef Ramelsberger, die mit schrägen Interpretationen bekannter Popsongs die Lesung musikalisch umrahmten.


Launig, engagiert und mit geschliffenen Worten kam Gunter Kasper dabei gleich zur Sache, angeregt von der Aussage einer an diesem Abend ebenfalls anwesenden, nicht unprominenten Dame, die behauptet hatte, dass Frauen in der Woche der Frau endlich wieder ganz Frau sein könnten. Eine Aussage, die ihn geradezu erschüttert habe. »Ganz Frau?«. War denn alles vergebens gewesen, die vielen Kochkurse, der Ikebana-Workshop, das wundervolle Seminar »Stricken ist männlich« in der Toskana?

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Von ähnlicher Brisanz war auch sein nächster Beitrag, Harald Martensteins Text »Über Schönheit und Gerechtigkeit«, in dem eine Politikerin der Grünen zitiert wird, die sich darüber beklagte, dass bei Schönheitswettbewerben nur Menschen, die dem herrschenden Schönheitsideal entsprechen, eine Chance hätten. Fragt sich nur, wie es anders gehen könnte. Vielleicht mit einer Blindbewerbung: Alle tragen Burka? Dann bräuchte man auch keine Geschlechtergrenzen mehr bei den Wahlen.

»Evolution oder Lernfähigkeit?« fragte sich Gunter Kasper dann in seinem gleichnamigen Text, in dem er zwei interessante Beobachtungen gegenüberstellte. So hatte er vor vielen Jahren auf einer Rumänienreise zwei Wanderzigeuner gesehen, einen Mann und dessen Frau, wobei die Frau den gesamten Hausrat gebündelt auf dem Kopf trug, während der Gatte bar jeder Last leichtfüßig voranschritt. Daran musste er denken, als er dieser Tage auf dem Parkplatz eines Discounters eine junge Frau von zierlicher Gestalt erblickte, die sich schwerbeladen einem Auto näherte. Am Heck des Wagens angelangt, öffnete sich die Fahrertür und ein junger, schlanker Mann sprang heraus, öffnete die Klappe seines Kombis – und setzte sich wieder in den Wagen. Ein Fortschritt?

Definitiv kein Fortschritt sei es jedoch, wie Gunter Kasper in seinem nächsten Text »Es lebe die Jogginghose« sichtlich empört ausführte, dass im Straßenbild immer mehr Leute in Jogginghosen auftauchen würden. Nur dass ihre Träger nicht joggen, sondern einfach so damit herumlaufen, möglicherweise angestachelt von militant-feministischen Directricen, die sich vorgenommen haben, ihren Widersachern auch das letzte bisschen Männlichkeit auszutreiben. Eines konnten die Frauen, ob nun militant oder nicht, bisher jedenfalls nicht erreichen: Gleichberechtigung bei den Schimpfwörtern. Das belegte Gunter Kasper anschließend mit dem Text »Über die Ungerechtigkeit von Schimpfwörtern« von Harald Martenstein.

Von hohem Aufklärungswert war auch Martensteins Text »Über den Kampf der EU gegen versteckte Haselnüsse«, muss seit dem 13. Dez. 2014 doch genau angegeben werden, was in jeder Torte, in jeder Praline enthalten ist. Angeblich, um Allergiker zu schützen, aber vielleicht auch, um Brüsseler Allmachtsfantasien auszuleben, wie der Autor mutmaßt. Wenn das so weitergeht, so Martenstein, muss künftig wohl jeder, der Kinder kriegen will, auch einen Kinderschein machen. Schließlich können Eltern bei der Erziehung viel Schaden anrichten!

Ebenfalls von Martenstein stammte »Über die wundersame Wirkung von Aspirin«, eine Wirkung, die sich vor allem dann einstellt, wenn man vorher den Beipackzettel nicht gelesen hat. Wurde doch nachgewiesen, dass sich durch die Lektüre des Zettels bei einem bestimmten Prozentsatz der Patienten darin beschriebene Nebenwirkungen einstellen würden.

Über mögliche Nebenwirkungen ging es auch in Axel Hackes Text »Kondomrichtlinien des Papstes«, ließ Papst Benedikt XVI. doch verlauten, dass der Gummi-Gebrauch in »begründeten Einzelfällen« gestattet sei. Aber was ist mit »Einzelfall« gemeint? Der jeweils einzelne Geschlechtsverkehr? Oder die Person, die denselben ausübt? Und wie lange im Voraus ist der Antrag zur Genehmigung zu stellen?

Abschließend schilderte Gunter Kasper noch so anschaulich wie realitätsnah, wie man ein wüst schreiendes Kind mit dem einfachen Satz »Was ist denn?« beruhigen kann.

Kurzum, eine höchst unterhaltsame Lesung, die neben der klugen Textauswahl auch davon profitierte, dass mit Robert Sattler und Josef Ramelsberger noch zwei exzellente Musiker präsent waren, die mit eigenwillig eingedeutschten Songs so bekannter Künstler wie den Beatles, Van Morrison oder Shocking Blue zusätzlich für Spaß und gute Laune sorgten. Wolfgang Schweiger

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