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Von Chieming aus die Welt erobert

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Erstmals sangen die »Oberndirndln« im Alter von etwa zwölf Jahren bei der Primiz von Prof. Dr. Dr. Peter Stockmeier öffentlich. (Repro: Hötzelsperger)

Chieming – Auf eine wohl einmalige Bilanz als Gesangsduo können die Schwestern Heidi Kerner und Marianne Wörndl zurückblicken. Viele Hunderte Veranstaltungen haben sie mit ihrem Zwoagsang gestaltet, Tausenden Menschen mit ihren Liedern und Jodlern eine Freude gemacht. Vor 15 Jahren feier-ten sie ihr 50. Sängerjubiläum mit den Gebrüdern Rehm. Doch auch das jetzige 65. Jubiläum ist noch lange nicht das Ende ihrer langen Singgemeinschaft, die am Obernhof in Chieming ihren Anfang nahm.


»Wenn wir zusammen sind, dann packt uns das Singen spontan. Noch oft haben wir seit unserem Jubiläum bei kirchlichen oder familiären Feiern gesungen, weil uns das Singen einfach so viel Freude macht«, so Heidi Kerner. Und ihre Schwester fügt hinzu: »Das Singen wurde uns von unserer Mutter in die Wiege gelegt, sie sang selbst mit ihrer Schwester, und sie war trotz der entbehrungsreichen und zeitraubenden Arbeit auf unserem Obernhof 24 Jahre im örtlichen Kirchenchor«.

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Mit etwa zwölf Jahren hatten sie ihren ersten öffentlichen Gesangsauftritt bei der Primiz von Prof. Dr. Dr. Peter Stockmeier in Hemhof, das zustande kam durch die Tante des Pfarrers. Er war selbst ein Bauernbub und freute sich sehr darüber, dass damals rarer Dirndl-Gesang seine Primiz verschönerte. Von da an ging es bergauf, die Schwestern hatte ihre helle Freude am Singen und an der Freude der Zuhörer, die Eltern waren stolz und finanzierten den ansonsten fleißig am Hof mitarbeitenden Töchtern schöne, von einer Stör-Näherin gefertigte Dirndlkleider.

Immer öfter kamen Veranstalter auf die »Oberndirndln« zu. Die Auftritte mehrten sich, die Entfernungen wurden immer weiter. »Wir aber blieben uns treu, wir traten nur mit unserer Dirndl-Tracht auf, denn davon waren die Leute genauso begeistert wie von unserem Gesang«, so Ma- rianne. Einige Jahre war sie beim Chieminger Trachtenverein dabei, was ihrer Schwester Heidi zeitlich nicht möglich war.

Zahllose Auftritte im Chiemgau bei Almfesten und Heimatabenden bewirkten die Aufmerksamkeit einflussreicher Persönlichkeiten, so folgten unter anderem ein Auftritt in der Ostseehalle in Kiel (»mit 128 Mikrofonen«) und schon bald Schiffs- und Kreuzfahrten ins Mittelmeer und nach Norwegen. »Unvergesslicher Höhepunkt im wahrsten Sinne war eine IBM-Tagung auf 3454 Metern Höhe in der Schweiz, als wir mit der Zahnradbahn zum Jungfrau-Joch auf Europas höchst gelegenen Bahnhof fuhren«, sagen die beiden. Es gibt ebenfalls Bilder mit Franz Beckenbauer, dem Ehepaar Stoiber und dem damaligen Bayerischen Finanzminister Erwin Huber.

Doch daheim waren sie im Chiemgau. Da traten sie bei Jubiläen von Vereinen und zugunsten von kirchlichen Anlässen auf, zum Beispiel für die Wallfahrtskirche Maria Eck oder für den Orgelbauförderverein von Bernau. Dabei ergaben sich immer wieder vielfältige Kontakte und Freundschaften, das eigene 50. Gesangs-Jubiläum wurde 2005 in der Bernauer Pfarrkirche St. Laurentius zusammen mit den Gebrüdern Rehm ge-feiert.

Und das alles ganz ohne Noten

»Als ganz einfache Bauerndirndln kamen wir weit herum und konnten viel erleben, unter anderem als wir eingeladen waren von Dr. Peter Gauweiler zu seiner Lesung der Heiligen Nacht in der Bayerischen Vertretung von Berlin. Das bleibt wirklich unvergessen«, so Heidi Kerner. Noten kann sie im Übrigen genauso wenig lesen wie ihre Schwester Marianne. Diese hat sich zudem das Gitarrespielen selbst beigebracht. »Für fünf bayerische Ministerpräsidenten haben wir gesungen, in München trafen wir mal mit dem späteren Papst Joseph Ratzinger zusammen und mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) haben wir auch gerne und oft zu tun gehabt«, sagen beide.

An den Bayerischen Rundfunk denken sie auch noch gern zurück: »Als wir verheiratet waren, wollten wir uns 'Obern-Sängerinnen' oder 'Obern-Zwoagsang' nennen. Da riet uns der Leiter der Volksmusikabteilung vom BR davon ab, und so blieben wir bis heute die 'Oberndirndln'.«

Auf die Frage, wann das vor über 65 Jahren begonnene, gemeinsame Singen aufgehört hat, gibt es spontan die Antwort: »Bis jetzt noch nicht, wenn wir beisammen sind, dann singen und jodeln wir, weil es uns Freude macht, und es die Stimmen noch mitmachen.« hö


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