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Günter Grünwald als Höhepunkt der Literatur- und Medienwoche in der Schule Schloss Stein

Von alten Cowboys und anderen Deppen

Mit Günter Grünwalds Auftritt erreichte die diesjährige Steiner Literatur- und Medienwoche ihren Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss. Der bekannte Kabarettist aus Ingolstadt ließ sich in seinem aktuellen Programm »Deppenmagnet« ausführlich über die unterschiedlichsten Arten dieser Gattung aus, die einem im Leben über den Weg laufen können.

Über die unterschiedlichsten Deppen, die einem so über den Weg laufen, sinnierte Günter Grünwald bei seinem Gastspiel in Stein. (Foto: Mix)

Günter Grünwald steht allein auf der leeren Bühne und redet zwei Stunden lang ohne Punkt und Komma. Scheinbar planlos springt er von einem Thema zum nächsten und stellt zahlreiche Alltagssituationen nach, in denen man immer wieder Deppen begegnen kann. Gleich zu Beginn des Abends rät er beispielsweise zu großer Vorsicht, wenn man sich tätowieren lassen will, und erzählt genüsslich die Geschichte eines angeblichen Freundes. Dieser wollte sich den Spruch »born to loose« auf den Rücken tätowieren lassen. Aus Sparsamkeitsgründen suchte er dazu einen rumänischen Tätowierer auf, der im richtigen Leben Fliesenleger ist. Zu dumm, dass der ihn offenbar nicht richtig verstanden hat, denn am Ende stand auf seiner Rückseite zu lesen »born in Toulouse«. Was blieb dem armen Mann da anders übrig, als zu versuchen, seine Geburtsurkunde umschreiben zu lassen.

Der Kabarettist kann sich tierisch darüber aufregen, dass im Fernsehen fast nur noch Kochsendungen zu sehen sind mit ewig grinsenden Köchen, die ständig ihre Pfannen auf dem Herd rütteln: »Ich glaube, die machen das, weil der Herd gar nicht an ist und sie dadurch Reibungswärme erzeugen wollen.« Auch ärgert er sich über ungenaue Mengenangaben der Fernsehköche: »Zwei Hand voll Reis san bei einem Brackl Mannsbild zwei Kilo und bei einer zierlichen Asiatin 40 Gramm, wie soll man sich da auskennen?«

Ausführlich erzählt er auch die Geschichte vom ungewöhnlichen Weihnachtswunsch seines Neffen. Der wünschte sich nämlich einen »Südtiroler«. Um den Buben nicht zu enttäuschen habe er sich daher auf den Weg nach Bozen gemacht und dort einen ziemlich herunter gekommenen Penner geholt, »Entschuldigung, das sagt man nicht mehr, ich meine natürlich einen Obdachlosen«. Gebadet, mit geschnittenen Haaren und neuer Kleidung habe der dann einen einigermaßen passablen Eindruck gemacht. Groß war dann aber die Überraschung an Heilig Abend, als der Neffe ihm erklärte, er hätte eigentlich einen »Cityroller« gemeint. »Jetzt hätte ich sehr günstig einen Südtiroler abzugeben, wenn jemand einen braucht?«

Und herzzerreißend trug Günter Grünwald ein traumatisierendes Erlebnis seines Onkels vor. Dieser sei doch tatsächlich eines Nachts mitten in Ingolstadt von Außerirdischen in einem Ufo entführt worden. Ausgeraubt, nackt, ohne Papiere und Geld hätten sie den armen Mann dann vor einem Puff abgelegt. »Zumindest hat er das so seiner Frau erzählt«, gestand der Kabarettist ein. Und es gibt noch viele Deppen mehr, über die er zum großen Vergnügen der Besucher erzählte. Da sind die idiotischen Cowboys in alten Western, die immer ihre leere Wasserflasche wegwerfen, »was ist, wenn er in zwei Meilen eine Quelle findet, dann hat er keine Flasche mehr«. Und es gebe doch tatsächlich Menschen, die sich für unsägliche Fernsehsendungen nackt im Swingerclub interviewen lassen. Dieses Bild zeichnet er so detailliert, dass den Besuchern davor graut, ohne dass sie es tatsächlich sehen können.

Günter Grünwald war zwar schon bei früheren Auftritten im Chiemgau und trat vor einigen Jahren im k1 auf, aber in Stein war er noch nie. Er zeigte sich angenehm überrascht über den freundlichen Empfang und das tolle »Catering«, das eigens für ihn hergerichtet worden war. Für ihn spiele es keine Rolle, wo er auftritt, ob in einer Stadthalle oder in der Aula einer Schule. »Hier ist die Bühne, auf der ich stehe, und dort sind die Zuschauer, die zuhören. Es ist völlig egal, wo das ist«, meinte er und freute sich, dass er mit seinen Ausführungen bei den Besuchern in Stein offenbar hervorragend ankam. Pia Mix