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Vom Zauber stimmungsvoller Klangbilder

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Ein exquisites Kammermusikerlebnis brachten Knut Erik Sundquist (von links), Lily Francis, Ilya Gringolts, Alexander Lonquich und Nicolas Altstaedt auf die Bühne. (Foto: Aumiller)

Hochkarätiges haben die tourenden Lockenhaus-Musiker mit ihrer vielseitigen Interpretation erlesener Kammermusik im Mozarteum Salzburg geboten. Die vier Streicher Ilya Gringolts, Lily Francis, Nicolas Altstaedt, Knut Erik Sundquist und der Pianist Alexander Lonquich bescherten ihren Zuhörern im Großen Saal ein kammermusikalisches Fest.


Seit 2012 ist der deutsch-französische Cellist Nicolas Altstaedt künstlerischer Leiter des Kammermusikfestes Lockenhaus, das Anfang der 80er Jahre von dem lettisch-russischen Geiger Gidon Kremer in dem kleinen österreichischen Ort nahe der ungarischen Grenze gegründet wurde. Das Festival hat sich inzwischen als internationales Kammermusikzentrum etabliert. Namhafte Musiker aller Nationalitäten treffen sich dort und formieren sich spontan zu unterschiedlichen Ensembles, um aus Freude zu musizieren, zu improvisieren und zu experimentieren. Es ist eine lockere Atmosphäre, die aber getragen ist von künstlerischem Können, Liebe zur Musik und interpretatorischem Anspruch auf hohem Niveau. Altstaedt konzertiert weltweit als Solist mit bedeutenden Orchestern oder als Kammermusiker mit renommierten Partnern. 2014 wurde er zudem künstlerischer Leiter der österreichisch-ungarischen Haydn-Philharmonie in Nachfolge von Àdám Fischer.

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Vom Lockenhaus-Geist gaben jetzt Altstaedt und sein Ensemble leuchtendes Zeugnis. Im ersten Teil reihten sich kurze, kontrastreiche Stücke nahtlos aneinander zu einem einzigen, vielfarbigen Spektrum. Einzeln betraten die Musiker nacheinander das Podium. Der Pianist begann mit der Klaviersonatina Sz 55 von Béla Bartók. Der erste Satz »Die Dudelsackpfeifer« startete in wildem Einsatz, bei dem sich die melodischen Formen und Themen schichtweise zu überlagern schienen.

Beim »Bärentanz« ging es recht lustig zu und im »Finale« klang rumänisch-ungarische Volksmusik-Melodik an. Zwei Improvisationen suggerierten dann norwegisches und österreichisches Kolorit. Die Violine steuerte Schneekristalle bei und Wärme kam auf bei Viola (Lily Francis) und Kontrabass (Knut Erik Sundquist) mit dem »Memento« von Sándor Veress. Eigenartig, mal lyrisch verhalten, dann mit großer Geste auftrumpfend, dabei das ungarische Kolorit nicht verleugnend, ist es ein besonderes Stück.

Poetische Stimmung folgte mit Antonín Dvoráks Stimmungsbildern aus verschiedenen Klavierzyklen in der Fassung für Cello und Klavier, wunderbar einschmeichelnd, empfindsam und klangsensibel gespielt. Zwei Duos für Cello und Klavier aus den 24 Duos von Jörg Widmann, die 2008 in Bad Reichenhall uraufgeführt wurden, warteten mit sperrigeren Tonfolgen auf, wenngleich meisterhaft dargeboten.

Dann durfte bei einem »very difficult piece« gelacht werden: Tom Johnsons »Failing« für Kontrabass Solo, bei dem Sundquist noch virtuoser zungenbrecherisch englisch quasselte, als er spielte, das Sprachmikrofon fast übersteuerte und meinte, ohne Fehler sei es nicht genial. Nach der Pause gaben sich die Zuhörer dem wunderbaren »Forellenquintett« für Klavier, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass von Franz Schubert hin, das zu einem herrlichen Beispiel exzellenten Ensemblegeistes mit solistisch auslotendem Zugang wurde.

Das populäre Stück fand eine exquisite Ausformung von tief schürfendem Format, die beglückte, der das Publikum reglos lauschte und die nachhaltig berührte – mit vielerlei neuen Facetten. Eine größere, umfassendere Schubertische Dimension öffnete sich, wobei die namengebende Forellen-Melodie aus dem Lied nur feines zusätzliches Glanzlicht war.

Wie von magischer Zauberhand geleitet, geriet die Spannweite von extrem gemessener Gangart bis hin zu exzessiv flinkem Tastenlauf sowie Bogen- und Griffbravour zu einer verwachsenen Einheit. Die unglaubliche Vielfalt an dynamischen Abstufungen und Temposchattierungen ergab ein so reiches Klangbilderbuch, dass es zum Staunen geriet und gleichzeitig zu hohem Genießen. Wunderbar! Elisabeth Aumiller

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