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Vom Wasser bewegt

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Die Fotografien von Jutta Burwitz entwickeln eine eigene Poesie: Diese zeigt den Übergang von Bestand (Beton) auf Verrottung (Holz). (Foto: Benekam)

Die Vernissage der Fotografin Jutta Burwitz in der Chiemseebruckgalerie in Seebruck hatte gleich zwei »Premieren« zu bieten, wie Hans Schreiner, Ehemann der erkrankten Galeristin Monika Rackl-Schreiner verriet: Zum einen sei es die erste Fotoausstellung, zum anderen gebe es erstmalig eine musikalische Umrahmung. Andrea und Viviana Wittmann aus Truchtlaching leiteten mit viel Schwung an Akkordeon und Klarinette nach den eröffnenden Reden vom Hör- zum Sehgenuss über.


Bevor die zahlreichen Gäste sich der intensiven Betrachtung der Fotografien von Jutta Burwitz hingaben, hielt die Kulturjournalistin Brigitte Janoschka eine umfassende Einführung über die Ausstellung, die unter dem Titel »… So gesehen – dem Wasser ganz nah« noch bis zum 31. März zu sehen ist.

Brigitte Janoschka schuf in ihrer Einführung assoziative Verknüpfungen zwischen den fotografischen Momentaufnahmen, die Jutta Burwitz mit ihrer Kamera so ausdrucksstark eingefangen und im Bild verewigt hat, und dem Medium Wasser. Wasser sei, wie auch Kunst, wandelbar: »Es ist bewegt und kann viel bewegen, ist lebensnotwendig aber auch todbringend, kann Wunder bewirken, heilen, ist Lebenselixier und künstlerisch inspirativ.« So sei die Fotografin Jutta Burwitz »vom Wasser bewegt« und inspiriert.

Viele Ausblicke, Ausschnitte und Stimmungen von und am Wasser seien ihr »fotografierens-wert«. In ihrer Kunst gelinge ihr ein Perspektivenwechsel. Sie beleuchte die Dinge hinter den Dingen, mache vordergründig Hässliches zu aufbewahrenswert Schönem. Sich darauf einzulassen eröffne die Chance, neue Wertigkeiten zu entdecken, die Poesie der Materialien zu erspüren und den berühmt-berüchtigten »Aha-Effekt« zu erleben. Geschärfte Achtsamkeit und veränderte Aufmerksamkeit verhelfen also dem Betrachter dazu, die eigene Optik zu verschieben, den Fokus neu auszurichten oder vielleicht auch dazu, »mit dem Herzen zu sehen«.

Nach den so treffenden Worten von Brigitte Janoschka war die Betrachtung der Fotografien umso spannender: Ein Ölfilm zwischen Schiffsrumpf und Wasser (von oben fotografiert), entwickelt sich zu einer verblüffend kunstvollen Farbkomposition abstrakter Kunst. Völlig zerschlissene und ineinander verwrungene Fischernetze – ein Knäuel aus Kunststofffäden, dicken Seilen und rot-weißen Schwimmern im Sand – wirken auf ihrer Fotografie wie drapiert: Moderne Kunst statt Müll.

Dem Wasser ganz nah ist auch der Übergang von Bestand (Beton) auf Verrottung (Holz), der am Rande des Stegs eines Schiffshafens zu entdecken war. Oder ein Wirrwarr aus Schiffstau und Ladung sichernder Gurte in einem offenen Boot: »So gesehen«, in kunstvoller Aufarbeitung also, »abgelegte Sicherheit« für stürmische Zeiten.

Wie schön, dass die meisten Werke von Jutta Burwitz keine die Fantasie beschränkenden Titel haben. Denn so gibt es endlose Deutungsmöglichkeiten, Gesprächsstoff und irgendwie erinnert der Rundgang durch die Ausstellungsräume und das intensive Betrachten der fotografischen Momentaufnahmen an das alte Kinderspiel »Ich sehe was, was du nicht siehst«.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. März zu besichtigen. Geöffnet ist sie von Montag bis Donnerstag von 14 bis 17 Uhr, samstags von 15 bis 19 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung. An den Wochenenden ist die Fotografin selbst anwesend. Kirsten Benekam