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Vom Leben und Sterben

»Sterbelieder«, die eigentlich fürs Leben gedacht sind? Für die, die zurückbleiben, wenn einer geht, aber auch für den irgendwann »zu Gehenden«. Leicht haben sie es sich nicht gemacht mit diesem Thema, der Kabarettist Josef Brustmann und die Schauspielerin Marianne Sägebrecht, ist der Tod ja doch meist ein Tabuthema, dem sich keiner wirklich gerne stellt. Und doch – die zahlreich erschienenen Besucher durften in der Traunsteiner Pfarrkirche Heilig Kreuz einen sehr interessanten, abwechslungsreichen und gar nicht so traurigen Abend erleben. Mit dem überlebensgroßen Christus am Kreuz schützend im Rücken lasen, sangen, rezitierten und musizierten die Künstler Altes, Zeitgenössisches und Selbstverfasstes.

Josef Brustmann, Marianne Sägebrecht und Andy Arnold (v. l.) in der Traunsteiner Pfarrkirche Heilig Kreuz. (Foto: Ortner)

Josef Brustmann ist den meisten sicherlich besser bekannt als Kabarettist und Musiker (Ex-Monaco Bagage und Ex-Bairisch Diatonischer Jodelwahnsinn), dabei schreibt er seit fast 20 Jahren auch Gedichte. Mit der Rosenheimer Schauspielerin Marianne Sägebrecht (»Out of Rosenheim« und ganz neu im Kino »Omamamia«) hat der Lyriker die perfekte Partnerin für seine »Sterbelieder« gefunden.

Rainer Maria Rilke, Heinrich Heine, Joseph von Eichendorff, Bertolt Brecht, Clemens Brentano und Johannes Bobrowski, Robert Gerhard wurden durchstöbert und sogar Erich Kästner fand Eingang ins Programm. Auch wenn keiner so recht wusste, was ihn in diesen gut 70 Minuten erwarten würde, lauschten doch alle gebannt der angenehmen Stimme Marianne Sägebrechts.

Ob nun ungereimtes wie Bobrowskis »Dorfmusik«, romantische Poesie, Beunruhigendes, Melancholisches wie auch wiederum Beruhigendes oder gar die humorvolle bildliche Darstellung floraler Vergänglichkeit in Kästners »August« – »..Stockrosen stehen hinterm Zaun in ihren alten, brüchigseidnen Trachten…« – immer wieder zeigt sich, dass es das eine ohne das andere nicht gibt. Leben und Tod gehören untrennbar zusammen wie Tag und Nacht, Sonne und Mond. »Nichts bleibt, mein Herz. Doch alles ist von Dauer.«

Die Besucher ließen sich gerne führen in Josef Brustmanns Interpretationen traditioneller Weisen, Eigenkompositionen und Vertonungen diverser Gedichte wie Joseph von Eichendorffs »Es war als hätt der Himmel« und Schuberts »Fremd bin ich eingezogen«. Klavier, Zither, Gitarre und Mundharmonika – Brustmann verlieh jedem Stück mit dem passenden Instrument den »richtigen Ton und Stil«, eine angenehme, friedvolle Ruhe breitete sich in der Kirche aus. »Alle sind Brüder des Sensenmanns Raub« und »Wenn ich tot bin, singt mir ein schönes Lied … schade um die Sonne, die ich nicht mehr spür…« sang Brustmann zum getragenen Zitherspiel. Musikalisch mit Saxofon und Klarinette vervollständigt hat das Konzept Andy Arnold von der Monaco Bagage, der auf bezaubernde Weise Nachdenkliches, Romantisches und Hoffnungsfrohes einwebte, Worte und Töne umrankte.

Der letzte Wortbeitrag Josef Brustmanns, »Packen«, ist eine nachdenkliche aber auch humorvolle Ballade über den menschlichen Ballast, den jeder mit sich herumträgt und in der sich jeder auf seine Weise wiederfindet. »As Leben is a oanzigs Ei- und Auspacka. Da Mensch, des Viech, des ohne Gepäck net auskommt… sicherheitshoiba a nu liaba z'vui dabei…«

Hinreißend schön präsentierten alle drei gemeinsam zum Abschluss des Programmes die Ballade »Es waren zwei Königskinder« und signierten freundlich und geduldig haufenweise CDs. Maria Ortner