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Vom Barock bis in die Moderne

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Das Grassauer Blechbläser-Ensemble, hier mit Alphörnern, brillierten beim Eröffnungskonzert im neuen Kulturforum Klosterkirche. (Foto: Giesen)

Passend zum freudigen Anlass der neu renovierten Klosterkirche eröffneten die Grassauer Blechbläser das erste Konzert im Kulturforum Klosterkirche mit der »Wiener Fanfare« von Richard Strauss.


In der voll besetzten Klosterkirche folgte mit den zehn Meisterbläsern der Grassauer – jeder von ihnen ein hochkarätiger Solist – ein abwechslungsreiches Programm unter dem Motto »Meisterstücke von Gabrieli und Vivaldi bis Hans Kröll und Thomas Hartmann«. Johann Schmuck und Sebastian Krause als Moderatoren verbanden die einzelnen, völlig unterschiedlichen Musikstücke mit interessanten, teils humorvollen Erklärungen.

Nach der »Wiener Fanfare« erklangen Giovanni Gabrielis »Sonata pian' e forte« aus der Barockzeit und Ottorino Respighis, ein italienischer Komponist aus der Renaissance, »3 Antiche Danze ed Arie…«, für Bläser arrangiert vom Trompeter der Grassauer, Matthias Linke. Wunderschön erklangen dabei die tiefen, weichen Töne des Waldhorns von Sebastian Krause besonders »im Dialog« mit der Trompete. Nach einer gereimten Ovation auf die Posaune durch den Moderator folgte das Stück »The Earl of Salisbury´s Pavanne« von William Byrd für vier Posaunen mit Wolfgang Diem, Tobias Spörlein und Thomas Höger, Tenorposaune sowie Johann Schmuck, Bassposaune. Danach war ein Satz aus dem Concerto Opus 3 Nr. 9 von Antonio Vivaldi zu hören, bei dem die vier Posaunen brillierten, dann das Nocturno aus »Ein Sommernachtstraum« von Felix Mendelssohn-Bartholdy – wieder mit betörenden Klängen des Waldhorns von Sebastian Krause. Schließlich folgte vor der Pause ein Abstecher nach Verona mit der weithin bekannten Ouvertüre zu Giuseppe Verdis Oper »Nabucco«. Stets verlässlich dabei sind Peter Gassner virtuos an der Tuba, Rupert Schmidhuber und Peter Boschner mit Trompete und Flügelhorn.

Wie war die Akustik?

Selbstverständlich war während der Pause großes Thema der Besucher die Akustik des neu renovierten Kulturforums, wobei allerdings die Baumaßnahmen noch nicht alle abgeschlossen sind. Von den Besuchern waren ganz unterschiedliche Aussagen – be-geisterte, wie skeptische – zu hören, Konzertleiter Wolfgang Diem sagte auf Nachfrage der Berichterstatterin, dass dank des voll gefüllten Raums und dank der durch Vorhänge abgehängter Apsis die Akustik sehr gut sei.

Mit insgesamt moderneren Stücken ging es nach der Pause weiter. Der Ohrwurm »Tico Tico« von Zequinha Abreu erklang mit den mitreißenden Klängen der Solotrompete von Konrad Müller. Es folgte das sehr anspruchsvolle Stück »Grassauer Alm-Musik«, das der 1967 geborene Komponist und Pianist Thomas Hartmann extra für die Grassauer Blechbläser geschrieben hatte – »Aus Rache eines Pianisten an den Bläsern« meinte der Moderator augenzwinkernd, denn das Stück verlange größte Virtuosität auf den Instrumenten und erlaube den Musikern wegen seiner sehr schnellen, langen Phasen kaum zu atmen.

Das Publikum dankte nach dem Spiel mit großem Applaus. Ebenso bei dem nachfolgenden, sehr bekannten »Second Waltz« aus der Suite Nr. 2 für Jazz Orchester von Dimitri Schostakovich, wobei das fein aufeinander abgestimmte Zusammenspiel der zehn Bläser überzeugte. Wieder heimatlich almerisch ging es mit der »Chiemseedult« von Hans Kröll, Jahrgang 1962, weiter. Das ehemalige Mitglied der Grassauer Blechbläser hatte diesen »musikalisch-historischen Jahrmarkt auf dem bairischen Meer« mit gesprochenen Texten dazwischen als historische Traumreise komponiert, die auf große Resonanz beim Publikum stieß.

Nach dem wohl berühmtesten Stück der Blasmusik, dem »Florentiner Marsch« von Julius Fucik, dankte Ensembleleiter Wolfgang Diem den anwesenden Verantwortlichen des Musiksommers, Augustin Spiel, Christian Hussmann und Altlandrat Hermann Steinmaßl, dass sie nun seit 39 Jahren im »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« spielen dürfen. Besonderen Dank mit überwältigendem Applaus bekam der Gründer der Grassauer Blechbläser, Hans-Josef Crump, unter dessen Leitung sich die Grassauer Bläser so erfolgreich entfalten und immer wieder Neues entwickeln konnten.

Zum krönenden Abschluss spielte das Ensemble die von Rupert Kamhuber für diesen Abend eigens komponierte »Klosterkirch-erlweis«, bei der neben vielem anderen Melodien aus dem Andachtsjodler verbaut waren, so dass das Publikum zum Mitsingen oder Mitsummen aufgefordert war.

Ein schöneres Eröffnungskonzert des neuen Kulturforums Klosterkirche wäre nicht denkbar gewesen. Christiane Giesen