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Voller Körpereinsatz auf der Bühne

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Unser Bild zeigt drei der vier Musiker des polnischen Quartetts »Boogie Boys«, die bei ihrem zweiten Gastspiel auf der Staudacher Musikbühne das Publikum wieder mitrissen. (Foto: Strasser)

Ein donnernder Paukenschlag von Schlagzeuger Szymon Szopinski erschütterte den Saal, die Köpfe der Zuhörer drehten sich in Richtung Bühne, wo die restlichen Mitglieder der polnischen Formation »Boogie Boys« die Plätze an ihren Instrumenten einnahmen und sofort aggressiv loslegten. »Boogie Boys«? Schon mal gehört? Ja, die Band, die seit ihrer Gründung im Jahr 2002 schon viele internationale Preise abgeräumt hat und mit namhaften Stars zusammen im Rampenlicht stand, hat bereits im Jahr 2010 auf der Staudacher Musikbühne das Publikum begeistert.


Pianist, Sänger und Entertainer Bartek Szopinski bespielte abwechselnd sein E-Piano oder seine Hammondorgel oder bediente beide gleichzeitig, mit großen, ausholenden Bewegungen, mit vollem Körpereinsatz, stehend, hüpfend, auf einem Bein oder alles auf einmal. Das Gegenstück dazu war der zweite Pianist Michael Cholewinski, der ruhig und konzentriert die Tasten seines E-Pianos bearbeitete. Im Hintergrund, aber dennoch recht auffällig zupfte und schlug Janusz Brezinski seinen Kontrabass, der im vorigen Jahr als letzter Neuzugang das Quartett ergänzte.

Natürlich spielten die »Boogie Boys« vorzugsweise Boogie-Woogie, voller Drive, energisch, treibend, eindringlich. So wuchs der Dynamikumfang proportional mit dem Fortschreiten des Abends, zeitweise war das Schlagzeug das dominanteste Instrument, die Musik sehr basslastig, aber dennoch so mitreißend, dass es manche Zuhörer nicht mehr auf ihren Stühlen hielt und sie im Rhythmus klatschend auf engstem Raum mittanzten

Nach der Pause war die Akustik harmonischer abgestimmt, die Pianos gaben nun den Ton an, die Instrumente wurden untereinander getauscht. Drummer Szymon Szopinski griff sich eine alte Bluesharp und wechselte nach vorne ans Mikrofon, wo er minutenlang voller Extase die Harp blies. Den frei gewordenen Platz am Schlagzeug besetzte nun der zweite Pianist Michael Cholewinski.

Die große Show begann mit einem bekannten deutschen Schlaflied: Sanft und beruhigend, was sich bei dem alten Jerry-Lee-Lewis-Hit »Great Balls of Fire« ungestüm zum feurigen Crescendo steigerte, bei dem sich alle vier Musiker bis zum Letzten verausgabten. Stehend auf dem Kontrabass oder kopfüber zupfend, am Klavier nebeneinander oder übereinander, vierhändig, sechshändig, jeder, der eine freie Hand hatte, hämmerte in die Tasten. Neben dem geordneten Chaos auf der Bühne nutzte ein Tanzpaar den knappen Raum zwischen den Instrumenten, um sich in Szene zu setzen.

Völlig erschöpft verabschiedeten sich die vier »Boogie Boys« nach zwei Stunden mit kraftvollem, handgemachtem Blues und Boogie und einigen vom Publikum lautstark geforderten Zugaben von der Staudacher Musikbühne. Reiner Strasser