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Vollbetrieb, Vollsperrung, problematische Verkehrsumfahrung

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Bischofswiesen: Kreisverkehr-Neubau an der B20: Vollbetrieb, Vollsperrung, problematische Verkehrsumfahrung
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Bauarbeiter und Bauherr sind momentan mit dem Bau des Kreisverkehrs zufrieden. Ab 11. Oktober soll der Kreisverkehr uneingeschränkt genutzt werden, wenn das Wetter mitspielt. (Fotos: Vietze)

Bischofswiesen – Der Kreisverkehr an der Umgehungsbrücke nimmt Gestalt an: Die Bauarbeiter asphaltieren derzeit die Straße. Seit vergangenem Mittwoch sind die B20 und die Staatsstraße 2097 für den Verkehr komplett gesperrt. Die Verantwortlichen vom Staatlichen Bauamt Traunstein zeigen sich zuversichtlich, dass sie das Projekt rechtzeitig abschließen und die Vollsperrung aufheben können.


Der »Berchtesgadener Anzeiger« befragte Geschäftsanlieger auf der Bischofswieser Hauptstraße, wie sich die Vollsperrung auf ihr Geschäft auswirkt.

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Vollbetrieb auf der Umgehungsbrücke: Die runde Insel mitten auf dem Kreisverkehr ist bereits gepflastert, die Gehwege außenrum sind präpariert. Nun müssen Bauarbeiter die aufgerissene Straße asphaltieren.

Optimale Bedingungen für die Bauverantwortlichen: Es herrschen angenehme Temperaturen bei bewölktem Himmel, der Untergrund ist trocken. Deshalb fahren drei Männer mit ihren Baggern unter lautem Motorgedröhne hin und her, heben Sand oder Kies mit der Baggerschaufel und schütten ihn auf eine unebene Fläche auf dem Boden.

Viel Arbeit auf dem Untergrund

Staub entsteht und steigt in die Luft. Zusätzlich helfen zwei Bauarbeiter mit ihren Rechen nach. Sie verteilen die Steine gleichmäßig über den harten Boden. Sobald sie zu harken beginnen, entstehen schrille Töne.

Am Montag trugen Bauarbeiter die erste Schicht für die Asphaltierung auf. »Da wir gut in der Zeit liegen, haben wir nun im ersten Schritt Planum aufgetragen«, so Mitarbeiter Bernhard Reiter vom Staatlichen Bauamt Traunstein, Bauherr des Projekts. Planum ist die erste Schicht, die für die Asphaltierung aufgetragen wird. Die Asphaltierung erfolgt schichtweise: Gestern wurde die Tragschicht eingebaut, heute soll die Binderschicht auf den Untergrund verteilt werden. Diesen Freitag wollen die Verantwortlichen die Asphaltierungsarbeiten mit der Deckenschicht abschließen. »Es hängt natürlich auch vom Wetter ab, ob wir den Zeitplan einhalten können«, so Reiter.

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Die Bauarbeiter tragen unterschiedliche Schichten für die Asphaltierung auf.

Des Weiteren müssen die Verkehrsinseln fertiggestellt werden. Eine Insel Richtung Stanggaß ist bereits vor der Vollsperrung fertig geworden. Mit der Insel Richtung Strub, die bereits gepflastert ist, sind weitere Bauarbeiter beschäftigt. Darauf soll eine Grünfläche entstehen. Ein Mann fährt mit einem blauen Lkw zur Baustelle. Auf der Ladefläche befindet sich Erde, die für die Verkehrsinsel vorgesehen ist. Er lädt sie auf der Insel ab. Danach sind ein Baggerfahrer und ein Bauarbeiter für die Feinarbeiten gefordert. Der Bauarbeiter füllt mit seiner Schaufel Erde in kleine Lücken, die der Bagger nicht füllen kann. Für die größeren Löcher ist der Baggerfahrer zuständig. Dadurch schaffen sie einen ebenen Boden.

Der Kreisverkehr hat einen guten Grund, wie der Geschäftsleiter der Gemeinde Bischofswiesen, Rupert Walch, mitteilt: »Es gab zu viele Unfälle in der steilen Kurve. Gerade in der Nacht haben die meisten diese Strecke unterschätzt.« Der Kreisverkehr soll die Fahrer vor der Einfahrt bremsen und die Unfallgefahr verringern.

Ebenfalls in Bearbeitung ist die Verkehrsinsel Richtung Bischofswiesen. Neben der Insel müssen weitere Maßnahmen während der Vollsperrung abgeschlossen werden. So sollen Bauarbeiter nach der Asphaltierung die Schutzplanken schlagen und die Fahrbahnmarkierungen setzen. Das Gelände Richtung Einfahrt zum Uhlmühlweg bekommt eine Beleuchtung. Deshalb ist die Einfahrt aufgerissen, um dort eine Elektroverkabelung zu verlegen. »Diese Sperrung sollte sich für die Zukunft bezahlt machen«, sagt Walch.

Geschäftsanlieger auf der Bischofswieser Hauptstraße haben vergangenes Jahr schlechte Erfahrungen gemacht, als die Straßen der Bischofswieser Ortsdurchfahrt asphaltiert worden sind. Wegen der Straßensperrung haben die anliegenden Geschäfte viele Kunden verloren. Durch die derzeitige Vollsperrung könnte ihnen Kundschaft aus der Stanggaß fehlen, da diese einen großen Umweg über Berchtesgaden und Strub in Kauf nehmen muss.

Ömer Yildiran, Geschäftsleiter des Nahkaufs, ist positiv überrascht. »Das ist nichts im Vergleich zum Vorjahr«, betont Yildiran. Er räumt zwar ein, weniger Kundschaft seit der Vollsperrung zu haben. Doch er zeigt Verständnis dafür: »Sie müssen auch mal fertig werden. Deswegen kann ich die Sperrung nachvollziehen.« Es gebe genug Ausweichmöglichkeiten und die Verkehrsregelung funktioniere. Er kann sich über die derzeitige Situation nicht beklagen. Die Verantwortlichen des Bauprojekts hätten aus den Fehlern gelernt.

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Nahkauf-Geschäftsleiter Ömer Yildiran kann die Vollsperrung verstehen, obwohl er seitdem weniger Kunden hat.

Gertrud Fellner, Mitarbeiterin der Bäckerei »Böcklmühle«, sieht die Vollsperrung auch nicht dramatisch. Sie gibt zu, dass es in der Bäckerei abschnittsweise ruhiger ist. »Aber wir haben sonst genug zu tun.« Da man über die Aschauerweiherstraße nach Berchtesgaden gelangen könne, bestehe nach wie vor reger Zulauf. Einen kleinen Rückgang könne Fellner nur damit erklären, dass manche Verkehrsteilnehmer die Umleitung über das Hochschwarzeck nutzen. Martin Heinfeldner, Mitarbeiter vom Autohaus Köppl, empfindet die Vollsperrung nicht als große Last. »Das Einzige, was sich ändert, ist die Anfahrt für unsere Kunden«, sagt Heinfeldner.

Maßnahmen gegen hohes Verkehrsaufkommen

Ein hohes Verkehrsaufkommen lässt sich auf dem Wassererweg und auf der Aschauerweiherstraße beobachten. Anlieger hätten sich bereits bei der Gemeinde beschwert. Maßnahmen haben Gemeindemitarbeiter eingeleitet. Zum einen sind zwei Schilder mit Geschwindigkeitsmessungen aufgestellt – eines auf der Steingasse, eines auf dem Wassererweg. Zum anderen soll die Polizei verstärkt Lkws kontrollieren, da sie den Verkehrsfluss stören. »Wir haben diese Straßen nicht als Umleitungen beschildert. Aber Leute mit genug Ortskenntnissen wissen diese Wege zu nutzen«, so Walch.

Die Anwohner müssen nur noch wenige Tage tapfer sein. Wenn das Wetter mitspielt, können Verkehrsteilnehmer ab 11. Oktober uneingeschränkt den neuen Kreisverkehr, die B20 und die Staatsstraße 2097 befahren. Ab dann müssen die Verantwortlichen nur noch Nacharbeiten für die Zufahrten erledigen.

Doch Reiter gibt Entwarnung: »Diese Nacharbeiten erfolgen abseits der Fahrbahn.« Die Baukosten betragen rund 1,5 Millionen Euro. Zwei Drittel des Betrags übernimmt die Bundesrepublik Deutschland, die restlichen Kosten trägt der Freistaat Bayern.

Patrick Vietze

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