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Völler trotz Demütigung kämpferisch: »Wir geben nicht auf«

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Jonathan Tah
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Leverkusens Jonathan Tah nach der 0:3-Niederlage bei Juventus Turin. Foto: Marius Becker/dpa Foto: dpa

Sie spielten lange gefällig mit, doch am Ende stieß Bayer Leverkusen bei Juventus Turin an seine Grenzen. Kurz vor Schluss traf dann auch noch Ronaldo. Und empfand das augenscheinlich als nicht so besonders.


Turin (dpa) – 15 Stunden nach der demütigen Botschaft von Cristiano Ronaldo hatte Rudi Völler die Hoffnung und den Kampfgeist wieder gefunden.

Noch am Flughafen in Turin gab der Sportchef von Bayer Leverkusen wortstark die Parole aus, dass das Weiterkommen in der Champions League trotz der kleinen Lehrstunde längst nicht abgehakt ist. »Die beiden Niederlagen zum Auftakt tun weh, keine Frage. Aber wir geben auf keinen Fall auf. Warum auch«, sagte Völler am Tag nach dem 0:3 (0:1) bei Juventus Turin.

Dabei hatte der Abend zuvor durchaus bitter geendet. Am Ende hatte eigentlich nur noch ein mitleidiger Klaps gefehlt, doch die demütigende Botschaft von Cristiano Ronaldo war auch so angekommen. Nach dem Schlusspunkt jubelte der Show-Man des Fußballs nicht. Nicht einmal seinen berühmten Drehsprung war dem fünfmaligen Weltfußballer sein 27. Tor im 25. Europacup-Spiel gegen einen Bundesligisten wert. Die Aussage lautete somit: War doch eh klar, dass ich noch treffe. Auch wenn dem 34-Jährigen sein Tor nach mehreren vergeblichen Versuchen erst in der 89. Minute gelang.

Der Frust bei den lange tapfer kämpfenden, aber letztlich zu unreifen und biederen Leverkusenern war entsprechend groß und äußerte sich höchst unterschiedlich. Trainer Peter Bosz hakte das Spiel in einem 34-Sekunden-Statement ab, Kai Havertz huschte mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze wortlos und ohne Reaktion durch die Interview-Zone, und Torhüter Lukas Hradecky ließ seinem Ärger freien Lauf.

»Für die Bundesliga ist das vielleicht ab und zu mal genug«, sagte der Finne: »Aber mit einer Mannschaft wie Juve können wir eben noch nicht mithalten. Ein paar Fehler, die wir gemacht haben, dürfen einfach nicht passieren. Da haben wir noch viel Luft nach oben.« Nach einer ordentlichen ersten Halbzeit hätten noch mehr Tore fallen können als die von Gonzalo Higuain (17.), Federico Bernadeschi (62.) und eben Ronaldo. Doch Hradecky zeigte zwei Glanzparaden gegen Ronaldo. »Das hätte ich noch meinen Enkelkindern erzählen können«, sagte er: »Und am Ende schießt er mir durch die Beine und ist doch der Gewinner.«

Auch Völler sah die Leistung durchaus kritisch. »Wir waren alle sehr optimistisch und haben gut angefangen, aber eine ordentliche Halbzeit reicht halt nicht«, sagte Völler: »Man hat schon in Dortmund gesehen (beim 0:4, d. Red.), dass wir nach einem Gegentor Schwierigkeiten haben, zurückzukommen. Das müssen wir ändern.« Dennoch sei er »überzeugt, dass wir weiter in der Lage sind, in dieser Gruppe zu punkten«, sagte Völler vor den beiden Vergleichen mit Atlético Madrid, das wie Juventus bereits vier Punkte auf dem Konto hat: »Ob es dann am Ende das Achtelfinale der Champions League ist oder ob wir in der Europa League überwintern, muss man sehen. Im Moment geht der Trend sicher mehr Richtung Europa League. Aber es gibt keinen Grund, nicht mehr an uns zu glauben.«

Das Problem der Werkself ist aber aktuell: Vieles sieht gefällig aus, doch es fehlen der Punch und die besonderen Momente. Am Ende wirkte der Bundesligist wie ein Boxer, der verzweifelt auf den Gegner einschlägt und bei der ersten Gegenattacke gleich auf die Bretter geht. »Das ist schon ein ziemlich komisches Gefühl. Du hast gespürt, dass hier was möglich ist. Und am Ende verlierst du 0:3. Und das auch verdient«, analysierte Abwehrchef Sven Bender. Und Mitchell Weiser bekannte: »Sie haben uns gnadenlos vorgeführt, wie das geht auf dem Level. Ich hoffe, wir können davon lernen.«

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