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Virtuose Welt- und Volksmusik - Vom Tango zum Boarischn

Es ist sicher nicht alltäglich, dass man nach einem Konzert gar nicht aufstehen möchte weil man es nicht glauben kann, dass der letzte Ton für dieses Mal verklungen sein soll. Im Festsaal Inzell fühlten viele der Zuhörer so, denn sie bekamen vom Quartett »fesch&resch« um Hermann Huber aus Ottmaning bei Ainring Tangos, russische Volksmusik, irische Folkmusik, Walz Musette, jüdische Musik und bodenständige alpenländische Volksmusik stilecht, virtuos, gepaart mit Spielfreude und verfeinert mit ideenreichen Nuancen, meisterhaft und weit weg vom oft üblichen »Tradimix-Sound« vorgetragen.

Unser Bild zeigt das Quartett »fesch&resch« mit (von links) Steffi Weiß, Zoltan Laluska, Hermann Huber, Ingo Nagel. (Foto: Bauregger)

Eine charmante Würze fügten Heini Albrecht dem Konzertabend mit Wissenswertem und Hintergründigem zu den Stücken und den Akteuren hinzu, während Rosi und Hans Fürmann aus Teisendorf das Konzert, mit sehenswerten Bildern aus unserer Heimat visuell ausschmückten. Mit bodenständiger Volksmusik bereiteten die vier jungen Musikantinnen und Musikanten der »Frillensee-Musi« aus Inzell die Gäste auf das Konzert vor.

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So ungewöhnlich wie das Konzert war auch dessen Beginn, als Hermann Huber auf seiner steirischen Ziach, aus dem abgedunkelten Saal heraus, den »Tango Diatonique« solistisch anstimmte. Erst nach und nach setzten sich Harfenistin Steffi Weiß, Geiger Zoltan Laluska und Ingo Nagel, ausgebildeter Kontra-Bassist, auf der Bühne an ihre Instrumente und nahmen gemeinsam die Tangomelodie auf.

Heini Albrecht bestätigte dem Quartett, dass sie auf der Suche nach einem neuen Klangbild die besten Voraussetzungen wie überragende Musikalität, Spielfreude, Instrumentenbeherrschung, Lebenslust und »a Gspür füa ananda« mitbringen. Aber ist es wirklich möglich, alpenländische Volksmusik neben Tangos, Chansons und Musik aus anderen Kulturen nebeneinander zu spielen, ohne sie zu vermischen oder Stilbruch zu begehen? Die Antwort gaben Hermann Huber und seine Mitspieler hörbar selber – es geht nämlich!

So wähnte man sich durchaus beim Musette-Walzer »Petit Boutique« an der Seine sitzend, einer wunderbaren Geigenmelodie im Duett mit der Harmonika, von einer effektvollen Staccatobegleitung der Harfe und einem tragenden Kontrabaß untermalt lauschend, während beim Marsch von Josef Pertl aus Anger »Aus is, schee war‘s« ein gemütlicher, heimatlicher Marsch mitreißend, gewürzt durch eine unkonventionelle Modulation und Melodieführung, getrieben von einer starken Dynamik des Basses erklang.

So soll es, nach dem Empfinden Hermann Hubers, auf der Suche nach neuen Klangwelten klingen, damit man sich weder verbiegen muss noch die Wurzeln verliert. Parallelen zur alpenländischen Volksmusik gibt es nämlich in der Musik aller Kulturen, ist sich Huber sicher. Die gespielte Literatur spiegelt auch so ein bisschen die Vorlieben der Quartettmitglieder wieder. So ist bei Zoltan Laluska das Stück »Paris im Sommer« Favorit, der Weltmeister auf der steirischen Harmonika Hermann Huber kann sich bei »Amorada« verwirklichen, Ingo Nagel, ein begnadeter Tangotänzer schwärmt für diese Art von Musik und Steffi Weiß liebt irische Folkmusik.

Meistens müssen die Stücke von alten Schellackplatten, aus YouTube oder von CDs abgehört werden, die im Anschluss von Hermann Huber und Zoltan Laluska für das Quartett arrangiert werden. Die Volksmusikstücke wie »Da Zwerksde, Straßengler Gmüat, Ameranger Schlossgespenst« oder der »Landler für d‘Sophia« stammen alle aus der Feder von Huber selber, der ja seit Jahrzehnten in vielen Volksmusikformationen zu Hause ist.

Wenn die Stücke dann ausgesucht sind, folgt harte, strukturierte Probenarbeit, um die Melodien als Quartett harmonisch und stimmig zum Klingen zu bringen. Dieses Bemühen und das Glück, sich in dieser Formation zusammengefunden zu haben, schwingt sicher in dem gewählten Namen für die erste CD mit, die mit »Massl g‘habt« betitelt ist. Es gäbe noch viele interessante Aspekt über die Gruppe und ihre Musiktitel zu berichten die den Bericht sprengen würden.

Einige Blitzlichter wie die flotten Soloparts in »Irish Medley« oder »The Flower of the Quern« von Steffi Weiß auf dem Hackbrett, das brillante, mitreißende Geigensolo von Zoltan Laluska in »Mazel Tov« und »Ein Sommer in Paris«, das filigran und ausdrucksstark auf der Steirischen Harmonika gespielte »Amorada« von Hermann Huber und die mehrfachen dynamischen Soli, gestrichen oder gezupft, von Ingo Nagel auf dem Kontrabass dürfen hingegen nicht unerwähnt bleiben.

Die Zuhörer dankten es der Musikerin und den Musikern mit euphorischem Applaus. Wie die Zuhörer zeigte sich auch der Aufnahmeleiter des Studios, in dem die CD aufgenommen worden war, begeistert von der Kombination aus »Herzmusik und Virtuosität«. Mit launigen Worten überreichte er den Quartettmitgliedern die »Jungfernpressung« der CD. Mit der rassigen »Aussischmeißer-Polka« und zwei solistischen Zugaben verabschiedete sich »fesch&resch« stimmig aus einem außergewöhnlichen Konzertabend. Werner Bauregger