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Vier Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

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Unser Bild zeigt (von links) Michaela Lucke, Susanne Hansen, Kathi Koppauer und Silke Brandl. (Foto: M. Heel)

Wie jeder gute Thriller, ob nun komisch oder nicht, beginnt auch »Gestrandet« (nach einer Vorlage von Mary Bakker-Schoon) mit einem ganz alltäglichen Zwischenfall, nämlich mit einer Wagenpanne. Oder genauer gesagt: vier Frauen, unterwegs zu einem Auftritt der Showband »Chippendales«, verreckt irgendwo in der Pampa das Auto. Also machen sich die Freundinnen Marianne (Susanne Hansen) und Christa (Kathi Koppauer) zusammen mit ihren Schwestern Lisa (Michaela Lucke) und Theresa (Silke Brandl) zu Fuß auf, um Hilfe zu holen. Dabei stoßen sie auf ein einsames Gehöft, wo aber niemand zuhause ist, wie es scheint.


Dennoch beschließen sie, erschöpft und verärgert, vorerst hier zu bleiben. Doch kaum haben sie es sich halbwegs bequem gemacht, steht plötzlich der Bauer Gerhard (Hans Brandl) in der Tür, alles andere als erfreut über den unerwarteten Besuch. Nur mit viel Mühe lässt er sich breitschlagen, die vier Frauen bis zum nächsten Morgen aufzunehmen. Mit der Nachtruhe ist es allerdings nicht weit her: Zuerst entdecken die Frauen einen Zettel mit einer ominösen Nachricht, dann finden sie unter dem Bett einen Koffer, dessen Inhalt ihnen Angst und Schrecken einflößt.

Nur klar also, dass sie am nächsten Morgen so schnell wie möglich verschwinden wollen. Dummerweise zeigt sich Gerhard nun unerwartet freundlich und erklärt, dass er ihr defektes Auto bereits in eine Werkstatt geschleppt habe und die Reparatur einen Tag dauern würde. Also bleiben sie noch, auch wenn das Auftauchen eines jungen Mannes mit Gewehr (Philipp Banai) für erneute Unruhe sorgt. Vollends aus dem Häuschen geraten sie jedoch, als sie ein Gespräch der zwei Männer mit einem hinzugekommen Arzt belauschen, das sie glauben macht, dass ihr Leben in höchster Gefahr sei. Was nun?

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, nur soviel noch: Nachdem alles geklärt ist und man denkt, jetzt ist das Stück zu Ende, folgt der eigentliche optische Höhepunkt.

Die vier temperamentvollen Schauspielerinnen schöpften das komische Potential ihrer Rollen dabei voll und ganz aus, allen voran Susanne Hansen, die als überreizte Marianne meist hysterisch, mal aber auch durchaus pragmatisch auf die diversen Herausforderungen reagierte und mit ihrer lebhaften Mimik und präzisen Gestik das Publikum begeisterte. Stark war auch Silke Brandl, ihre Theresa rückte angemessen nervös (und mit schönem Körpereinsatz) dem Wilderer auf den Leib, während Michaela Lucke als Lisa überzeugend die bemüht coole, von persönlichen Problemen geplagte Widerspenstige gab. Und auch Kathi Koppauer hatte nach 30 Jahren Bühnenabstinenz keine Mühe, ihrer eher blass angelegten Figur Konturen zu verleihen.

Gegen soviel Frauenpower hatten die Männer des Ensembles natürlich einen schweren Stand, aber auch sie füllten ihre stimmig besetzten Rollen mit der nötigen Präsenz, so dass auch hier für reichlich Spannung gesorgt war. Den schwierigsten Part hatte hierbei Hans Brandl als anfangs poltriger und dann undurchsichtiger Bauer, gefolgt von Philipp Banai, der als wortkarger (und zunächst unnahbarer) Wilderer ebenfalls eine gute Figur machte. Den mysteriösen Arzt spielte Gerhard Brusche gewohnt souverän, und gewohnt souverän war auch seine Regieführung. Zügig und einfallsreich inszeniert, fesselte die amüsante, absolut sehenswerte Komödie bis zur letzten Minute.

Als Regie-Assistentin und Souffleuse fungierte Brigitte Brandl, für die Requisiten & Kostüme hatten Ala Plaul-Weingartner und Horst Kammel gesorgt.

Nach der Premiere von »Gestrandet« finden weitere Aufführungen an diesem Freitag, Samstag und Sonntag sowie am 25., 26. und 27. Oktober statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es beim Zeitungskiosk Hörterer am Maxplatz, Traunstein und bei Schreibwaren Rother in Chieming. Telefonische Vorbestellung ist unter 0861/8431 möglich , weitere Infos gibt es unter www.nuts-diekulturfabrik.de. Wolfgang Schweiger