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Vielfältig und bunt

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Voller musikalischer Leidenschaft in Luigi Boccherinis Quintett versunken waren Philippe Graffin (von links), Boris Brovtsyn, Diana Ketler, Razvan Popovici und Istvan Vardai. (Foto: Benekam)

Eine frische musikalische Brise wehte beim vorletzten Konzert des Chiemgauer Musikfrühlings durch den Festsaal des Klosters Seeon. Die Werke von Franz Schubert, Bela Bartok, Luigi Boccherini und Gioachino Rossini ließen in ihrer Vielfarbigkeit der Frühjahrsmüdigkeit keine Chance.


So waren die drei Militärmärsche von Franz Schubert (1797 bis 1828) die ideale Konzerteröffnung. Diana Ketler und Marianna Shirinyan hatten sichtlich und hörbar allergrößtes Vergnügen an Schuberts Klavierwerk zu vier Händen. Angenehm fließende Melodien, umrahmt von signalartigen, schmissigen Rufen sowie die farbenreiche Harmonik machen das von dem damals 21-jährigen Schubert im Sommer 1818 komponierte Werk zu einem besonderen Hörgenuss.

Während seiner Zeit in der Sommerresidenz des Grafen Johann Karl Esterházy unterrichtete er die Tochter des Grafen und schrieb das Werk zu Lehrzwecken für seinen Musikunterricht. In seiner lichten Stimmungslage komponiert, vermitteln die drei Märsche den Eindruck, dass Soldaten nicht nur marschieren, sondern auch tanzen können. Ketler und Shirinyan interpretierten die drei Märsche mit fast mädchenhafter Verspieltheit in perfektem vierhändigem Klavierspiel.

Ein Ohrenschmaus erster Güte war im Anschluss das Quintett für Klavier und Streicher in zwei Sätzen, »La ritirata notturna di Madrid«, von Luigi Boccherini (1743 bis 1805). Luigi Boccherini verarbeitete auf bemerkenswerte Weise die kammermusikalische Grundidee, für die diese Gattung berühmt wurde: Jedem Instrument wird eine gleichberechtigte Bedeutung verliehen, jede Stimme wird solistisch besetzt, sodass alle Partner in ein »musikalisches Gespräch« treten. Was den Zauber dieser Musik ausmacht, ausdrucksstark und auf technisch höchstem Niveau interpretiert, zeigten Istvan Vardai (Cello), Boris Brovtsyn (Violine), Philippe Graffin (Violine), Razvan Popvici (Viola) und Diana Ketler (Klavier).

Im zweiten Konzertteil kam ein sehr anspruchsvolles Werk des ungarischen Komponisten Bela Bartok (1881 bis 1945) zu Gehör: »Kontraste Trio«, Sz. 111 in drei Sätzen. Es verlangte den drei Musikern Thorsten Johanns (Klarinette), Boris Brovtsyn (Violine) und Marianna Shirinyan (Klavier), wie auch den Zuhörern höchste Konzentration ab. Den Titel Kontraste lösen die drei Stücke auf zwei Ebenen ein: im Klang und im Ausdruck. Das im Jahr 1938 komponierte und den Musikerkollegen Joseph Szigeti und Benny Goodman gewidmete Werk wurde 1940 in der Carnegie Hall in New York uraufgeführt und basiert zum Teil auf Melodien des ungarisch und rumänischen Tanzes.

Der erste Satz (Verbunkos, ein Werbetanz) beginnt mit einem lebendigen Violinenpizzicato, nach dem die Klarinette in das Hauptthema einführt, das im Verlauf immer wieder höchst virtuos variiert wird. Der zweite Satz (Pihenö, ein »Entspannung« genanntes Lento) ist viel mehr in sich gekehrt, von stetig wechselnder Stimmung und ohne definiertes Thema. Der dritte Satz (Sebes) imitiert einen schnellen Tanz.

Der große Jazzer Benny Goodman hatte Bartok zu dieser genialen Synthese aus ungarischer Bauernmusik, Jazz und Moderne inspiriert, die, zu subtilster Kunstmusik sublimiert, den Hörer damals wie heute gespannt aufhorchen lässt. Eine Komposition für Könner, für Virtuosen auf ihrem Instrument, dem Johanns, Brovtsyn und Shirinyan, zur großen Freude der Zuhörer im Festsaal, voll gerecht wurden.

Zum Abschluss des Konzerts und wieder als eher leichtere Kost kam ein Medley für Streichquintett von Gioachino Rossini (1792 bis 1868) zu Gehör, womit die restlos begeisterten Konzertbesucher, die zum Dank kräftig applaudierten, in einen frühlingshaften Tag geschickt wurden. Kirsten Benekam