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Viel Rückenwind und etwas Wehmut

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Vera Klima wird in Zukunft ohne ihre Schwester auf Tour gehen. Deshalb war das Konzert im Trostberger Postsaal auch ein kleiner Abschied. (Foto: Kewitsch)

Sarah und Vera Klima waren bislang unzertrennlich. Das Geschwisterpaar mit den Trostberger Wurzeln (jetzt München und Wasserburg) galt auf den deutschen Bühnen als feste Einheit. Gemeinsam tourten sie seinerzeit mit Vater Winfried, machten sich später selbstständig, gingen schließlich sogar mit der Band PUR auf Deutschland-Tournee – 45 Konzerte in der gesamten Bundesrepublik. Klima bekam Rückenwind und hatte in den großen Arenen entsprechenden Erfolg.


Nun widmet sich Sarah, soviel verriet sie beim Konzert im Trostberger Postsaal, privaten Dingen und der Familienplanung. Vera Klima ist künftig also mit ihrer Band solo unterwegs. Grund genug in der »alten Heimat« ein Konzert zu geben und ein Stück weit Abschied zu nehmen. Grund genug dann auch, als »special guest« Sarah Klima anzukündigen, die die letzten zwei Songs begleitete.

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Im Vorprogramm spielte die sympathische Alex Cumfe aus Simbach am Inn. Die quirlige junge Dame gab einen kleinen Querschnitt aus ihrem wunderbaren Album »Jetzt« zum Besten und überzeugte das Trostberger Publikum im Postsaal. Von ihr wird noch mehr zu hören sein – eingehend, authentisch, frisch und frech. Hörtipp: »Wejnreitn«.

Vera Klima, seit jeher die Frontfrau bei »Klima«, der musikalische, etwas charismatischere Kopf der Band, die sich nach einigen Versuchen in der Vergangenheit nunmehr aus einem Guss präsentierte: Deborah Fink (Klavier, Cello, Gesang), Frank Thumbach, souverän am Bass, Jan Bartikowski (sehr geschmeidig an der Gitarre) und Manfred Mildenberger (Volltreffer am Schlagzeug). Deborah Fink muss nun also eine große (Schwester)Lücke schließen. Das gelang ihr mit Erfolg und zum Glück ohne jedwede Kopierallüren, sondern »echt« und eigenständig. Etwas quirliger als Sarah es früher war, lebhaft und fröhlich reihte sie sich in die Formation Klima nahtlos ein. Einzig beim Gesang, vor allem im Duett mit Vera, war die von Sarah hoch gelegte Messlatte noch nicht ganz erreicht. Muss aber auch nicht, denn Vera prägte den Klima-Sound auf ihre ganz eigene und sehr angenehme Art.

Das Konzert nahm somit vom ersten Lied an Fahrt auf. Die Zuhörer ließen sich sogar zum Tanzen animieren und sangen gelegentlich auch begeistert mit. Die Lieder von Vera Klima sind autobiografisch und neigen nicht selten zum Prädikat »Liebeslied« – dies ist jedoch kein Makel, im Gegenteil. Vorbei sind die Zeiten, als noch etwas kindlich und frech Dieter Bohlen vertextet wurde, nun erfährt der Zuhörer Geschichten aus dem Leben, vom Reisen und von Herzschmerzen.

Die rockigen Elemente sind gewichen, Klima ist weicher geworden im Laufe der Zeit, die Fans dürfen auch mal schwelgen. So auch beim wunderschönen Song »Die Königin verliert« oder »Was keiner sieht«. Nicht umsonst sitzt Vera auf dem CD-Cover am Steuer. Sie gibt den Kurs vor, nimmt die Band mit, harmoniert mit Deborah Fink und setzt nunmehr ihre Reise allein ohne ihr »Schwesterherz« fort.

Da ließ sich Sarah nicht zweimal auf die Bühne bitten, um sichtlich gerührt die Akkorde anzustimmen. Eine Liebeserklärung der besonderen Art. Kurzum: ein Konzert der schönen Art, glückliche Momente, eine sichtlich entspannte und in sich ruhende Vera Klima, eine tolle Band, deren Akteure mit hervorragenden Solos glänzten. Udo Kewitsch

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