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Vettel im Jagdfieber: «Wir haben keine Zweifel»

Singapur (dpa) - Kurz vor Mitternacht schickte Singapur-Sieger Sebastian Vettel eine eindeutige Warnung an Formel-1-Spitzenreiter Fernando Alonso. «Wir haben keine Zweifel, wir glauben an uns», betonte der vom Jagdfieber gepackte Doppelweltmeister nach seinem erlösenden Erfolg im Nachtrennen.

Angriffslustig
Sebastian Vettel will seinem Sieg in Singapur weitere folgen lassen und wieder Weltmeister werden. Foto: Jens Büttner Foto: dpa

Aufgepumpt mit frischem Selbstvertrauen ist sich Vettel sicherer denn je, Ferrari-Star Alonso in den letzten sechs WM-Läufen noch überholen zu können. «Die Chance ist da», sagte der Hesse. Auf 29 Zähler reduzierte Vettel mit seinem zweiten Saisonsieg den Rückstand auf den Gesamtführenden aus Spanien. Bei seinem ersten Titelgewinn vor zwei Jahren lag der Red-Bull-Pilot zum gleichen Zeitpunkt sogar 31 Punkte zurück - und schaffte die Wende. In Singapur bewies der 25-Jährige einmal mehr, dass Druck ihn stärker macht. «Wichtig ist, wenn es zählt», sagte Vettel.

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«Ich habe Sebastian noch nie so fokussiert in ein Rennen gehen sehen wie diesmal. Er spielt jetzt seine Erfahrung aus», erklärte Red-Bull-Teamchef Christian Horner mit einem Schuss Bewunderung für seinen nervenstarken Chefpiloten. Neun Rennen hatte Vettel auf einen Sieg warten müssen, fünf Monate Durststrecke mit so manchem Tief wie zuletzt beim Lichtmaschinen-Defekt in Monza. «Es ist ein Riesenstein, der vom Herzen fällt», bekannte Vettel.

Die verbleibenden Grand Prix sollten Vettel und seinem RB8 fast durchweg liegen. In Japan, Südkorea, Indien, Abu Dhabi und Brasilien hat der Heppenheimer in den Vorjahren schon gewonnen. Das weiß auch Alonso. «So kann es nicht weitergehen, wir müssen uns verbessern», mahnte der Asturier alarmiert. Teamchef Stefano Domenicali ist sich dessen sehr wohl bewusst: «Wir müssen sicherstellen, dass Fernando bis zum Saisonende wieder aus eigener Kraft gewinnen kann, sonst wird es schwer.»

Mit Platz drei hinter Jenson Button hatte Alonso zwar wieder einmal gerettet, was zu retten war. Zudem profitierte er vom Getriebeschaden des WM-Zweiten Lewis Hamilton, der das Rennen lange angeführt hatte. Doch der zweimalige Champion mag nicht mehr länger auf das Glück vertrauen, das ihn schon fast die ganze Saison begleitet. «Es wird ja nicht immer so sein, dass meine direkten Verfolger ausfallen wie in den letzten beiden Rennen», sagte Alonso. Der Spanier müsse «höllisch aufpassen und darf sich keinen Fehler erlauben», schrieb das spanische Blatt «El País».

Weil der Ferrari des WM-Spitzenreiters wohl auch in den kommenden Wochen nicht das stärkste Auto sein wird, hat auch Hamilton die Jagd noch nicht aufgegeben. «Dann muss ich eben in Suzuka gewinnen - und die fünf Rennen danach auch», sagte der McLaren-Fahrer. Hinter dem Finnen Kimi Räikkönen fiel der Brite auf Gesamtrang vier zurück und hat 52 Punkte weniger als Alonso - eine schwere Hypothek.

So deutet im Moment vieles auf einen Zweikampf zwischen Vettel und Alonso hin. «Super-Seb ist wieder da», schrieb «la Gazzetta dello Sport» aus Italien: «Jetzt ist Vettel der Alonso-Jäger.» Wie vor zwei Jahren. 2010 hatte der Red-Bull-Mann den Ferrari-Fahrer schon einmal im denkwürdigen Saisonfinale noch übertrumpft. «Wir wollen alles dafür tun, um genau auf diesem Level weiterzufahren», versicherte der Deutsche. Vettels Titelrechnung ist ziemlich einfach: «Wir müssen einfach weiter vor allen anderen ins Ziel kommen.»