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»Verstanden habe ich es damals nicht«

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Das Archivbild vom 10.11.1989 zeigt, wie ein Beamter des Bundesgrenzschutzes einem DDR-Autofahrer am Grenzübergang Helmstedt eine Auskunft gibt. (Foto: Holger Hollemann/dpa)

Sabine Weiß, Traunstein, lebte bis 2002 in Finsterwalde


»Der 9. November 1989 war in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Tag in unserem Leben. Meine Eltern feierten ihre Silberhochzeit mit der Familie aus dem Osten und Freunden aus West-Berlin im ‚Interhotel‘ auf dem Alexanderplatz. Unsere Tochter schlief im Hotelzimmer und ich bin häufig nach ihr schauen gegangen.

Oben sah ich im Fernseher einen Politiker der DDR sprechen, der sagte: ‚Ihr braucht nicht alle heute zu kommen, die Grenzen werden für immer offen bleiben‘. Verstanden habe ich es damals nicht richtig und glaubte an einen schlechten Scherz.

An der Bar sagte mir mein Vater, irgendetwas muss passiert sein, da ein Kellner an ihren Tisch kam und sagte, die Grenzen seien offen. Alle waren sehr aufgeregt und keiner konnte es so richtig glauben, was in diesem Moment passierte.

Wir sind zu fünft im Auto meines Vaters an die Grenze ‚Chausseestraße‘ gefahren. Ich bin noch heute sehr dankbar, dass wir dieses Ereignis genauso miterleben durften. An der Grenze versuchten die Beamten noch verzweifelt, die Personalausweise zu kontrollieren, dies haben sie dann nach einigen Autos eingestellt.

In der Wohnung unserer Freunde angekommen hatte ich keine Ruhe und wollte wieder zurück. Das war schwierig, da es nur sehr wenig Menschen gab, die wieder zurück fahren wollten – die Straßen waren überfüllt. Vieles hat sich für uns damals verändert. Rückblickend mit einem lachenden und einem weinenden Auge.«