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Versetzt in eine Welt aus 1001 Nacht

Wie schön kann es doch sein in der Welt von tausendundeiner Nacht! Mit kräftigem Mokka und wohlriechendem Tee versetzt man Körper und Seele in wohligen, aufnahmebereiten Zustand. Der Geschichtenerzähler regt mit seinen Erzählungen die Fantasie an, die durch die Bauchtänzerinnen mit ihren geschmeidigen Bewegungen und ihren bunt schillernden Kostümen noch zusätzlich angefacht wird. Deftige und süße Speisen aus der orientalischen Küche lassen den Abend endgültig zu einem Genuss für Leib und Seele, zu einer Labsal für Augen, Ohren und Gaumen werden.

Einen sinnenfrohen Abend boten Heinz Schmidt als orientalischer Geschichtenerzähler und die Bauchtänzerinnen (v. r.) Elena Rieser, Marion Bosold und Yoyo Kellerer. (Foto: Eder)

Das »Café Oriental« im Isinger Saal auf Gut Ising hat nicht zu viel versprochen. Was sich die Kreativ-Abteilung des Vereins Kulturgut da einfallen hat lassen, gefiel. Beide Abende waren voll – und die Besucher voll des Lobes. Das begann mit der Kulisse aus glänzenden, golddurchwirkten Stoffen, ging weiter über die interessanten Erzählungen, die der als Geschichtenerzähler wirkende Heinz Schmidt in seiner fesselnden Art vortrug. Erlebte einen Höhepunkt mit einem Dutzend Tänzen wie aus 1001 Nacht, faszinierend das Tänzerinnen-Trio Yoyo Kellerer, Elena Reiser und Marion Bosold. Und was sich die Küche von Gut Ising an orientalischen Schmankerln ausgedacht hatte, verdient höchstes Lob: Speis' und Trank, deftig wie süß, waren ein echter Gaumengenuss.

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Der Bauchtanz steht ja als Sinnbild für Ästhetik, Lebensfreude und Anmut schlechthin, ist vielleicht der »weiblichste aller Tänze«, wie es immer wieder heißt. Und was die drei Damen da auf der Bühne boten, sprach in der Tat alle Sinne an. Weiche, schlangenhafte Bewegungen wechselten ab mit härteren, rhythmischen Bewegungen, bestechend synchron zur Musik getanzt. Arme und Beine, der Kopf, das Becken und die Hüften, der Busen: Alles schien ein Eigenleben zu führen – und doch verwandelte der gesamte Körper in faszinierendem Zusammenklang die Melodien und Rhythmen in optischen Ausdruck. Was die Muskulatur von Bauch und Hüften an Schwingungen und Bewegungen zustande bringen kann, wie die Hüften in rhythmisches Zittern geraten, das und die gesamte Darbietung ließen einen ein ums andere Mal einfach nur staunen. Und begeistert zuschauen oder mitklatschen.

Die fantasievollen Kostüme, die ständig gewechselt wurden, taten ein Übriges zu dem üppigen orientalischen Gesamtbild. Und bei der Auswahl der Tänze, für die im Wesentlichen Yoyo Kellerer zuständig war, wurde darauf geachtet, dass sie von der Thematik die Erzählungen ein Stück weiterführten. Als etwa der Hahn in einer Geschichte geschlachtet werden sollte, brachte Marion Bosold den Säbeltanz eindrucksvoll auf die Bühne. Zuvor hatten die Tänzerinnen eine Hühnerschar lebendig werden lassen. Oder als der reiche alte Mann aus Amerika ein »knackiges Girl« wünschte, erschien ein solches postwendend auf der Bühne. Und als dieser Herr dann aus dem Haus geworfen worden war, wurde ihm noch ein Stocktanz gewidmet, den Marion Bosold und Elena Rieser in feiner Abstimmung zusammen tanzten. Schleiertanz, ein knackiges Trommelsolo, bei dem das Publikum begeistert mitging – das waren weitere Höhepunkte im Programm. Yoyo Kellerer, von der der Großteil der Choreographien stammte, faszinierte zu allem anderen auch mit ihrem beredten Gesichtsausdruck, der von treuherzig über schelmisch zu einem fröhlichen Lächeln wechseln konnte. Und zu diesem Augenschmaus gab es dann den Gaumenschmaus, für den der stellvertretende Koch des »Goldenen Pflugs«, Mario Kluge, überaus wohlschmeckende orientalische Leckerbissen ausfindig gemacht und dann zubereitet hatte. Wer sich da immer noch nicht in 1001 Nacht wähnte, war selber schuld. he