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Verlierer der Materialschlacht: Langläufer chancenlos

Val di Fiemme (dpa) - Der neue Champion Petter Northug lag im Ziel und weinte vor Glück, Axel Teichmann war einfach nur sauer. Und das, obwohl der Bad Lobensteiner mit Platz neun sein bestes Einzelergebnis bei Weltmeisterschaften seit vier Jahren geschafft hatte.

Weltmeister
Der Norweger Petter Northug gewann bei der WM in Val di Fiemme Gold im 15-Kilometer-Rennen. Foto: Hendrik Schmidt Foto: dpa
Deutsches Duo
Axel Teichmann (r) und Hannes Dotzler auf dem Weg ins Ziel. Foto: Hendrik Schmidt Foto: dpa
Abgeschlagen
Tobias Angerer kam nur als 42. ins Ziel. Foto: Hendrik Schmidt Foto: dpa
Treppchen
Auf dem Podium ließ sich Petter Northug feiern. Foto: Claudio Onorati Foto: dpa
Alter Schwede
Johan Olsson wurde Zweiter. Foto: Srdjan Suki Foto: dpa
Erschöpft
Im Ziel war Northugs Teamkollege Tord Asle Gjerdalen als Dritter ausgelaugt und ließ sich fallen. Foto: Grzegorz Momot Foto: dpa
Abgehängt
Für den Schweizer Langlauf-Star Dario Cologna reichte es nur zu Platz acht. Foto: Claudio Onorati Foto: dpa

Doch der Thüringer wollte im 15-Kilometer-Freistilrennen bei den Titelkämpfen in Val di Fiemme mehr. Schließlich hatte er vor zwei Wochen bei der WM-Generalprobe über die Distanz Platz vier erreicht. Der damalige Sieger Johan Olsson aus Schweden holte WM-Silber, Northugs Teamkollege Tord Asle Gjerdalen freute sich über Platz drei.

«Wer mit so einem Ergebnis zufrieden ist, hat die falschen Ansprüche und bei einer WM nichts zu suchen», schimpfte Teichmann. Vor zehn Jahren hatte er über die 15 Kilometer an gleicher Stelle noch seinen ersten WM-Titel gefeiert, damals in der klassischen Technik. Davon war der Routinier diesmal meilenweit entfernt. Der Rückstand von 1:25,7 Minuten auf Northug spricht eine deutliche Sprache. «An der Strecke lag es definitiv nicht. Die Loipe war hart und viel besser präpariert als beim Teamsprint, das kommt mir entgegen», berichtete der 33-Jährige.

Was Teichmann nicht sagen wollte, sprachen seine Teamkollegen und Bundestrainer Frank Ullrich klar aus: Die Techniker hatten in die falsche Wachskiste gegriffen. «Es war eine stumpfe Strecke, das ist des Deutschen größter Feind», meinte Tim Tscharnke. Der Biberauer hatte es immerhin auf Platz 14 geschafft. Ullrich betonte: «Es war eine Materialschlacht, und die haben die Norweger und Schweden klar gewonnen.»

Am schlimmsten erwischte es Tobias Angerer, der auf der Abfahrt sogar von einem Engländer überholt wurde. «Im Ziel guckte der mich ganz mitleidig an», berichtete der Vachendorfer, der auf Platz 42 einkam. «Da fällt einem das Lächeln schwer, aber solche Tage muss man akzeptieren. Heute waren weder ich noch das Material gut», sagte der 35-Jährige und fügte hinzu: «Schon nach zwei Kilometern wusste ich: Das wird nichts. Das sind bittere Momente.»

So empfand im Stillen auch Teichmann. «Ich war hochmotiviert und habe mich tierisch darauf gefreut, aber ich bin in der zweiten und dritten Runde nicht mehr vorwärts gekommen», berichtete der zweimalige Champion. Vorwürfe an die Techniker verkniff er sich, deutete das Problem aber an: «Die Strecke war nicht schwer.» Mit Top-Material, das hatte am Dienstag bereits Miriam Gössner bei ähnlichen Bedingungen bewiesen, wäre für Teichmann sicher noch viel mehr möglich gewesen. «Axels Leistung war dennoch sehr gut. Er ist in Schlagdistanz», lobte Ullrich seinen Schützling.

Der Coach will vor den Staffelrennen der Damen am Donnerstag und der Herren am Freitag ein Gespräch mit den Technikern führen. «Ich möchte jetzt nicht überreagieren und das erst einmal in Ruhe klären. Wir können uns nicht den Vorwurf machen, dass wir mit zu wenigen Technikern hier sind», sagte Ullrich. Das sieht Tscharnke etwas anders. «Ich hatte alle Ski draußen, die meine Palette hergibt. Aber beim Material sind wir den Skandinaviern unterlegen. Die setzen dafür viel mehr Geld ein», sagte der Thüringer.

Vor dem Staffelrennen herrscht dennoch Optimismus. «Wenn wir jetzt den Kopf in den Schnee stecken, können wir gleich einpacken», sagte Teichmann und Tscharnke fügte hinzu: «Man sollte uns nicht abschreiben. Wenn wir richtig aufstellen, sollte es möglich sein, das Ganze zu einem positiven Ende zu bringen.»