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Verliebt in einen Mörder

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Zwischen Cecily (Sarah Elena Timpe) und Bruce (Saša Kekez) eskaliert die Situation. (Foto: Heel)

Einen hübsch gruseligen Theaterabend erlebte das Publikum im Saal des Traunreuter k1, wo das Ensemble der »Theatergastspiele Fürth« den Psychothriller »Der Fremde im Haus« präsentiert hat, basierend auf einer Kurzgeschichte von Agatha Christie aus dem Jahr 1934.


Eine nicht gerade komplizierte Geschichte, die schnell erzählt ist: Die junge Cecily hat im Lotto gewonnen und verlässt Hals über Kopf ihren langjährigen Verlobten Nigel, nachdem sie den sympathischen Weltenbummler Bruce kennengelernt hat. Die beiden heiraten und ziehen kurze Zeit später in ein abgelegenes Landhaus, wo sich der anfangs so charmante Bruce jedoch immer mehr verändert. Er wird nervös, ungehalten und herrschsüchtig, so dass der Mann, der Cecily bei ihren ersten Begegnung so vertraut schien, allmählich zu einem Fremden wird. Und möglicherweise sogar zu einer Gefahr ...

Regisseur Thomas Rohmer hat die Handlung in die Gegenwart verlegt, das reichlich angestaubte Frauenbild, das Cecily verkörpert, aber beibehalten. Wohlweislich, möchte man fast sagen, denn wenn Liebe auch blind macht, so naiv und untätig wie Cecily würde keine Frau von heute sein, jedenfalls nicht auf Dauer. So aber bleibt Cecily bis zum furiosen Showdown ein vermeintlich leichtes Opfer, das immer wieder nachgibt und bis zuletzt hofft, Bruce werde sich schon wieder einkriegen. Der Spannung tut dies keinen Abbruch, zumal Rohmer mit der Besetzung des Bruce einen Volltreffer gelandet hat.

Eröffnet wird das wirkungsvoll dargebotene Stück mit Cecily, sehr wandlungsfähig gespielt von Sarah Elena Timpe, die im Hochgefühl ihres Lottogewinns gerade ihre Wohnung auflöst und von einem Leben voller Abenteuer träumt. Eine Szene, in der wir neben Cecily auch ihre beste Freundin und Mit-Lottogewinnerin Mavis (Franziska Janetzko), ihre stets besorgte Tante Loo Loo (Johanna Liebeneiner) sowie ihren Verlobten Nigel (Markus Baumeister) kennen lernen. Drei Personen, die später zwar keine große Rolle mehr spielen, aber aufzeigen, in welch relativ behütetem Umfeld Cecily vor ihrem Ehedrama gelebt hat.

Und dann betritt er die Wohnung, groß, blond, gut aussehend und von raumgreifender Präsenz: der leibhaftige Verführer (Saša Kekez). Eigentlich nur als möglicher Nachmieter gekommen, wickelt er mit seiner charmanten, weltmännischen Art Cecily im Handumdrehen ein. Dass dieser Bruce nicht ganz sauber ist bzw. zumindest ein notorischer Lügner, bemerkt sie dabei nicht. Wie auch, sie wähnt sich im siebten Himmel.

Das böse Erwachen findet im dezent möblierten Wohnzimmer des Landhauses der beiden statt. Hier entpuppt sich der vermeintlich Held und Abenteurer rasch als gewiefter Sadist, dem es nicht nur ums Geld geht, sondern der es auch genießt, Macht über einen anderen Menschen zu haben. Cecily hat dem wenig entgegenzusetzen, trotz der Hilfe eines freundlichen Landarztes (Norbert Heckner) und eines fürsorglichen Nachbarn, der sich um den Garten kümmert (Michael Kausch).

So prägt Saša Kekezs furchteinflößende Darbietung den letzten Teil des Stücks, ein entfesselter Psychopath, der sein Opfer gnadenlos vor sich hertreibt, mit ihm spielt und es verhöhnt, und dem dabei zuzusehen gleichermaßen faszinierend wie erschreckend ist. Doch so wehrlos, wie es scheint, ist Cecily nicht.

Wolfgang Schweiger