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Verinnerlichtes Cello und launige Geigen

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Solocellist Edgar Gredler begeisterte seine Zuhörer und auch Augustin Spiel, Leiter des Musikkollegiums Traunstein. (Foto: Mergenthal)

Ein nicht alltägliches Programm, passend zum Frühjahr, präsentierte das Musikkollegium Traunstein unter Leitung von Augustin Spiel mit dem sehr erfahrenen Solocellisten Edgar Gredler dem Traunsteiner Publikum. Der farbenreiche Mix von Mendelssohn, Fauré, Tschaikowsky, Saint-Saëns und Dvorak, Kompositionen an der Schnittstelle zwischen Romantik und Moderne, lockte nicht ganz so viele Zuhörer wie sonst zum Sinfonischen Konzert, aber immerhin war die Berufsschulaula gut halb gefüllt.


Mit der Ouvertüre zum Liederspiel »Heimkehr aus der Fremde« von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847) gestaltete das Orchester ohne Solist den Auftakt des Abends. Mendelssohn sah sich selber, wie Augustin Spiel treffend im Programm vermerkte, als Komponist »lieber als Bewahrer der klassischen Tradition denn als Modernist«. Gleichzeitig gelinge ihm eine »wunderbare Verbindung der zu seiner Zeit erst verstandenen Erhabenheit eines Beethoven mit der emotionalen Emphatik der romantischen Ära«. Trotz des romantischen Ausdrucks war das Werk klar gegliedert, mit sich aufbauenden Steigerungen, Unisono-Passagen von Celli und Geigen und einem reizvollen Frage- und Antwortspiel zwischen Streichern und Holzbläsern. Mitreißend gestaltete das Musikkollegium die triumphalen Schlussphrasen.

In der Elegie opus 24 von Gabriel Fauré (1845 bis 1924) stellte sich der Cellist Edgar Gredler in harmonischem Miteinander mit dem Orchester vor. Aus einer Tiroler Musikerfamilie stammend, hatte der früh begabte, heute 72-Jährige bereits mit neun Jahren sein Cellostudium am Konservatorium Innsbruck begonnen. Sein Meisterdiplom erwarb er 1972 an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater München, wo er seit 1989 selber einen Lehrauftrag ausübt. Neben seiner Tätigkeit als Solocellist im Münchner Rundfunkorchester hatte er zahlreiche Auftritte im Ausland und wirkte an vielen Rundfunkaufnahmen und -einspielungen mit. Sein Sohn Matthias ist ebenfalls hauptberuflicher Solocellist.

Eine wunderschöne Stimmung zauberten die flirrenden, hohen Geigenklänge über der tiefen Kantilene des warm tönenden Cellos. Die ruhigen Akzente des Orchesters umspielte Gredler virtuos und mit Leichtigkeit. In anmutigen Soli von Flöte, Oboe und Cello wanderte dieselbe träumerische Melodie durch das Orchester. Bewusst vermeidet Fauré in diesem schlank und kammermusikalisch gestalteten Stück, geprägt von den fanatisierten Auseinandersetzungen rund um die Musik Richard Wagners, den dick aufgetragenen, auftrumpfenden Orchesterklang.

Traumwandlerisch und mit geschlossenen Augen überließ sich Gredler dem Fluss des »Nocturne« von Peter Tschaikowsky (1840 bis 1921), eines der ursprünglich für Klavier geschriebenen »Six Pieces« op. 19. Auf Anregung des deutschen Cellovirtuosen Wilhelm Fitzenhagen instrumentierte Tschaikowsky das Nocturne für Violoncello und Orchester. Der Übergang vom Cellosolo zum Tutti war sehr stimmig gestaltet, mit der Flöte als Bindeglied, die einen reizvollen Dialog mit dem duftigen Pizzikato der tiefen Streicher eröffnete.

Höchst virtuos und an temperamentvolle Zigeunermusik erinnernd, schloss sich das von Camille Saint-Saëns in den 1870er Jahren im gleichen Schaffensschwung mit seinem Cellokonzert und seiner großen Cellosonate komponierten »Allegro appassionato« op. 43 an. In den brillanten, leichtfüßigen Passagen der durch Pablo Casals als Virtuosenstück bekannt gewordenen Komposition überzeugte der tiefernst in sein Spiel versunkene Cellist ebenso, wie in verinnerlichten, lyrischen Stellen. Ein Lächeln entkam dem sympathischen Musiker allerdings erst bei der Verbeugung und beim herzlichen Handschlag mit Augustin Spiel.

Dankbar für die ambitionierten heimischen Streicher und die hervorragenden Bläser war die abschließende Böhmische Suite op. 39 von Antonin Dvorak. Die fröhliche Polka mit zwei eingängigen Themen, in die sich die Geigen hineinlegen konnten, das Minuetto mit klangschönen Holzbläser-Sätzen, die von der Flöte mit dezenter Streicherbegleitung anmutig eröffnete Romanze und das Finale mit seinem mächtigen, vollen Orchesterklang, der von den Akzenten der Bässe und Pauken zum Schluss- und Höhepunkt getrieben wurde, waren ein Genuss und kamen beim Publikum bestens an. Veronika Mergenthal