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Verhaltene Wahllust

Berchtesgaden – Die Briefwahlunterlagen zum Bürgerentscheid über eine Olympia-Bewerbung werden deutlich weniger nachgefragt, als zuletzt bei der Landtags- und Bundestagswahl. Das ergab eine Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« in den fünf Gemeinden Berchtesgaden, Bischofswiesen, Marktschellenberg, Ramsau und Schönau am Königssee. Im Schnitt haben bislang 10 Prozent der Wahlberechtigten ihre Briefwahlunterlagen abgeholt. »Recht verhalten«, wie ein Bischofswieser Gemeindeverwaltungsmitarbeiter meint.

Ja oder nein zu Olympia? Das entscheiden am 10. November die Bürger. Die Möglichkeit der Briefwahl wird im Talkessel bislang verhalten angenommen. Foto: Anzeiger/Hudelist

Derweil buhlen Olympia-Befürworter und -Gegner um die Stimmen der Wähler. Zahlreiche Informationsveranstaltungen wurden in den letzten Wochen landkreisweit veranstaltet, Plakate wohin man nur schaut, erst am Wochenende hat die Pro-Initative einen Staffellauf auf die Beine gestellt, die Gegner spulen die letzten »Nein zur Olympia-Bewerbung«-Termine ab. Die Zeitungen sind voll mit Leserbriefen, Argumenten, Gegenargumenten, ein bunter Wirrwarr an Meinungen. Und trotzdem, oder gerade deswegen, sind viele Wähler unsicher, ob sie überhaupt wählen gehen. »Die Leute sind wahlmüde«, hört man aus der Berchtesgadener Gemeinde. »Zu viele Veranstaltungen«, meint er. Zu viel Hingabe mit dem Resultat der Wähler-Abschreckung? Berchtesgaden hat 6 344 Wahlberechtigte. Bislang haben 790 ihre Briefwahlunterlagen angefordert – bei der Landtags- und Bundestagswahl waren es noch 1 950 Personen, wobei ja noch einige Tage verbleiben. In Bischofswiesen ist die Wahlbeteiligung verhaltener. 6 336 Wahlberechtigte gibt es in der Gemeinde. 568 nutzen bislang die Briefwahl, bei der Landtagswahl waren es noch über 1 700. In Schönau am Königssee haben aktuell über 600 Bürger die Unterlagen angefordert. Ein ähnliches Bild in Ramsau und in Marktschellenberg. »10 Prozent wählen bis dato per Brief«, heißt es aus der Kommune. Die Ramsau zählt rund 1 400 Wahlberechtigte. Bei der Landtagswahl entschieden sich 30 Prozent dafür, diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen. In Marktschellenberg sind es 1 455 Wahlberechtigte, 129 wollten bislang von zu Hause aus ihr Kreuz machen.

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Gewählt wird in München, in Garmisch-Partenkirchen, im Landkreis Traunstein und im Berchtesgadener Land. Sowohl Befürworter als auch Gegner brauchen mindestens 10 Prozent der Wählerstimmen – und natürlich die Mehrheit –, wenn der Bürgerentscheid zu ihren Gunsten ausgehen soll. Wird das Quorum aus Sicht der Befürworter nicht erreicht, brauchen sich diese keine Sorgen zu machen, denn im Berchtesgadener Land – und auch den anderen Wahlkreisen – hat sich die Politik klar auf eine Olympia-Bewerbung verständigt. Ganz anders bei den Gegnern: Erreichen diese in einem der Wahlkreise die 10 Prozent samt Mehrheit, hätten sich die Bürger gegen eine Olympiabewerbung ausgesprochen, München würde sich aus dem Bewerberkampf zurückziehen, wie Landrat Georg Grabner vor einigen Wochen auf Nachfrage gesagt hatte. Kilian Pfeiffer