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Verantwortung übernehmen statt Krieg führen

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Bruno Jonas mal witzig und ironisch gehalten, mal bitterernst und sichtlich empört als »Packerl-Bruno« im Traunreuter k1. (Foto: Heel)

»Wird das Richtige falsch, wenn es der Falsche sagt?« Mit dieser rhetorischen Frage an das Publikum eröffnete der Kabarettist Bruno Jonas sein Programm »Nur mal angenommen ...« im vollbesetzten Saal des Traunreuter k1.


Als Rahmenhandlung für seine fast dreistündige Abrechnung mit Politik und Zeitgeist diente ihm dabei ein Phänomen, das inzwischen fast jeder kennt: Das Entgegennehmen von Paketen für die Nachbarn. Entsprechend stapelten sich auf der Bühne die Pakete, große und kleine, mit einer Büste des Sokrates obenauf: »alter Grieche – schuldenfrei«. Für Ambiente war also gesorgt, zumal der Kabarettist als »Packerl-Bruno« immer wieder auf seinen Nebenjob und dessen Auswirkungen zu sprechen kam.

Ansonsten sparte der 1952 in Passau geborene Kabarettist, Autor und Schauspieler an diesem Abend kaum etwas aus, was derzeit die Gemüter erregt, von der Digital Revolution über die Rente und den Diesel-Skandal bis hin zu Erdogans Vorliebe für deutsche Panzer, mal witzig und ironisch gehalten, mal bitterernst und sichtlich empört. So warf er gleich eingangs den Grünen vor, sie würden sich immer mehr zu einer Religionspartei entwickeln und ihm seinen geliebten (aber vom Aussterben bedrohten) Thunfisch madig machen. »Ich mag aber keinen Karpfen«. Zur AfD meinte er lapidar: »hätt’s nicht gebraucht, aber als Kabarettist nehme ich sie gerne an«, und Andrea Nahles, die soeben die drohende Altersarmut in Deutschland entdeckt habe, hielt er entgegen, dass er diese Problematik bzw. das »Rentenloch« schon vor 40 Jahren in einem Programm aufgegriffen habe.

Ein weiteres Thema war die um sich greifende Sprachverwirrung respektive »Political Correctness«, die den studierten Germanisten natürlich besonders interessierte, denn »heute darf nicht nur jeder sagen, was er will, sondern auch verstehen, was er will«. Weswegen man aus Sicherheitsgründen nur zu Konjunktiv und Anführungszeichen raten könne. Besonders albern fand er in diesem Zusammenhang einen Vorschlag der amerikanischen Philosophin und Gender-Spezialistin Judith Butler, die als Anrede nicht mehr Herr und Frau verwenden möchte, sondern »Körper«.

Ähnlich kenntnisreich und scharfsinnig beschäftigte er sich mit der Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre. »Friedliebende Muslime, die das Grundgesetz achten, sehr wohl«, meinte er dazu. Sorge bereitet ihm auch die Demokratie: »Das Problem der Demokratie ist das Volk. Es gibt einfach zu viele Deppen«, erregte sich der Kabarettist und brach unvermutet eine Lanze für Horst Seehofer, den der Münchner Krimiautor Friedrich Ani im Rahmen einer »Anti-Hetz-Kampagne« beschuldigt hatte, dem Gedanken der Nächstenliebe so fern zu stehen wie Beate Zschäpe. Wenn das keine Hetze sei …, so Bruno Jonas. Oder Volksverdummung wie beim Gebrauch der bei Verteidigungspolitikern so beliebten Formulierung »Verantwortung übernehmen«. »Früher hieß es, wir greifen an. Heute übernehmen wir Verantwortung«.

Mit Gitarre und einem Pork-Pie-Hut auf dem Kopf betrat Bruno Jonas nach der Pause die Bühne und besang den »Klugscheißer« in ihm. Und sprach vom Mut, das Richtige zu sagen, auch wenn es dafür Beifall von der falschen Seite gebe. Zum Finale sang er noch gemeinsam mit dem Publikum, dem er zuvor mehrmals Intelligenz und Humor bescheinigt hatte, das Abschiedslied »Ade zur guten Nacht«, sodass der kräftige Beifall absolut von der richtigen Seite kam. Wolfgang Schweiger