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Urteil am Verwaltungsgericht München – Kraftwerk darf zweieinhalb Monate nicht betrieben werden

Schönau am Königssee – Rückschlag für ein mögliches Kleinwasserkraftwerk in der Königsseer Ache: Das Verwaltungsgericht München entschied am Dienstag, dass das geplante Wasserkraftwerk in der Zeit von 1. Januar bis 15. März nicht betrieben werden darf. Damit ist eine Realisierung fraglich geworden. Der Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee zeigt sich vom Urteil begeistert.

Im Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee freut man sich über ein Urteil am Verwaltungsgericht München: Das geplante Kleinwasserkraftwerk in der Königsseer Ache muss zweieinhalb Monate den Betrieb einstellen – pro Jahr. Eine Realisierung wird damit fraglich. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Durch ein Verwaltungsgerichtsurteil sind die Larven und Brütlinge der heimischen Bachforelle in ihrem Laich- und Aufwuchsbereich in den ersten zweieinhalb Monaten des Jahres geschützt. »Für uns ist das ein toller Tag«, sagt Rainer Stähler vom Fischereiverein. Als Pächter des Gewässers hatte man sich im Vorstand des Vereins zu Beginn nur geringe Hoffnungen gemacht, am Verwaltungsgericht in München erfolgreich zu sein. Noch eine Woche vor Gerichtstermin hatte das Landratsamt Berchtesgadener Land den vor über einem Jahr beantragten Laichschonbezirk in der Königsseer Ache, Höhe Campingplatz »Grafenlehen«, per Bescheid abgelehnt.

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Der Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee, obwohl lediglich Pächter des Gewässers, wurde als klageberechtigt anerkannt. »Wir konnten die große Einschränkung unseres Fischereirechtes durch das geplante Kleinwasserkraftwerk glaubhaft darstellen«, heißt es aus dem Verein. Das Urteil des Verwaltungsgerichtes ist mittlerweile rechtskräftig, alle am Verfahren Beteiligten erkannten im Gerichtssaal die Entscheidung an.

Ob das Kleinwasserkraftwerk in der Königsseer Ache überhaupt noch gebaut wird, ist fraglich. Das Urteil des Gerichts, dass das Kleinwasserkraftwerk zweieinhalb Monate im Jahr nicht betrieben werden darf, entspricht einer deutlichen Einschränkung der Wirtschaftlichkeit. Geplant war ein ganzjähriger Betrieb. Der Vorsitzende Richter am Verwaltungsgericht erkundigte sich während der Verhandlung mehrfach nach der Rentabilität, nachdem für den Betreiber mehrere Auflagen erteilt worden waren.

Kritik an Kleinwasserkraftwerken äußerte Fischereivereinsvorsitzender Siegfried Lenz: Irreparabel sei der ökologische Eingriff, »dem Fischereiverein geht es um den Erhalt der heimischen Bachforelle«. Die Rentabilität von Kraftwerken an kleinen Gewässern ist für Lenz »mehr als fraglich«.

Jugendwart Rainer Stähler bezeichnete die Stromerzeuger als »moderne Fischhäckselmaschine«, die »keine Lösungsmöglichkeit des Klimaproblems« darstellten. Mittlerweile habe ein »politisches Umdenken« eingesetzt, das Urteil des Verwaltungsgerichts erkennt Stähler als »unerwarteten Teilerfolg« an. Kilian Pfeiffer