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»Urschel und Kroth«

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Kontrabassistin Sabine Linecker und Akkordeonistin Christine Rothacker bieten große Kunst auf kleiner Bühne in der Salzachhalle der Stadt Laufen. (Foto: Caruso)

Das Duo Christine Rothacker und Sabine Linecker entführte sowohl im Kirchanschöringer Salitersaal als auch auf der Laufener Kleinkunstbühne ein begeistertes Publikum in eine musikalische, heitere Märchenwelt. Augenzwinkernd erzählten die beiden Frauen zwischen den Liedern die Geschichte der Schwestern Urschel und Kroth, die vom Abenteuer Leben, der Liebe, der Sehnsucht und vom Glück handelte.


Als moderne und singende Diseusen boten sie in ihrer Show das Nachdenklich-Poetische ebenso wie den liebevoll-albernen Blödsinn. Die Zuhörer erlebten dabei so manch amüsant-heitere, aber auch seltsam-groteske Situation.

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Begleitet von ihrem Akkordeon überzeugte Christine Rothacker, die als »Kroth« zum einen als Sängerin mit einem erstaunlichen Stimmumfang, zum anderen mit darstellerischer Profession und warmer humorvoller Intelligenz.

Musikerin Sabine Linecker mimte die biedere »Urschel« und sang sich, untermalt von ihrem Spiel auf dem majestätisch anmutenden Kontrabass, in den Olymp internationaler Chansons. Mit hochkarätigem Gypsy-Swing näherte sie sich Django Reinhardt. Wie bei Reinhardt liefen schließlich viele Traditionen zusammen: die Walzer-Folklore, der Valse-Musette und der gedämpfte, swingende Viertel-Beat der Dreißiger, die Tonleitern der Sinti-Musik und Elemente der Flamenco-Phrasierung.

Überdies begab sich Linecker mit einem Flamenco, der auch ohne instrumentale Begleitung tiefen Eindruck hinterließ, tänzerisch auf die Suche nach der Seele Granadas. Weil Urschel als braves Mädchen ihr Leben lang beim Vater geblieben ist, ist sie ebenso unzufrieden mit ihrem Dasein wie ihre Schwester Kroth, die einst auszog, um die Welt zu erkunden – und würde jetzt am liebsten tauschen. Mit etwas Wehmut resümierte Linecker: »Jede fade Nocke findet einen Prinzen, nur ich als klasse Powerfrau habe noch immer nicht den Richtigen gefunden, der in meine Prinzenrolle eintauchen will.«

Mit der Bemerkung »Frauen können alles und zwar gleichzeitig« holte Rothacker Michael Brandl zur Verstärkung auf die Bühne, »der nur Gitarre spielen kann«, während das weibliche Geschlecht zum Beispiel in einem Atemzug neben dem Kochen ein Testament verfassen und ein Organ spenden kann.

Auf die Schippe nahmen die Künstlerinnen auch den bundesrepublikanischen Alltag mit verstopften Straßen, überfüllten Parkplätzen und Nachbarschaftsstreit etwa wegen unkontrolliertem Laubabfall oder illegal gefällten Bäumen.

Die Zuhörer waren begeistert, wurden sie doch durch absurden Humor wach und bei Laune gehalten. Dazu trugen auch die abrupten Brüche in den Stücken bei, die die Künstlerinnen mit viel Charme zu zelebrieren pflegten. Nach zwei Zugaben und viel Beifall war aber Schluss mit dem Spaß am glänzend recherchierten Drama. Caruso

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