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Unterm Birnbaum

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Unterm Birnbaum
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Abel (Fritz Karl) und Ursel Hradschek (Julia Koschitz) befinden sich in einer verzweifelten finanziellen Situation. Langsam reift ein Entschluss. Foto: ZDF/Hannes Hubach/dpa Foto: dpa

Mehr als 130 Jahre ist »Unterm Birnbaum« alt. Wie aktuell die Novelle ist, zeigt eine düstere Hochglanzproduktion im Zweiten. Der Regisseur hat einst den Kultfilm »Wir Kinder vom Bahnhof Zoo« gedreht.


Berlin (dpa) - Am 30. Dezember vor 200 Jahren wurde Theodor Fontane geboren. Die Werke des Dichters, Schriftstellers und Theaterkritikers (1819-1898) sind Literatur-Klassiker und beliebte Vorlagen für Kino und Fernsehen.

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Von der Novelle »Unterm Birnbaum« (1885) gibt es fünf Verfilmungen allein seit 1945. Eine neue, in der Gegenwart spielende TV-Fassung dieser Kriminalgeschichte zeigt das Zweite an diesem Montag um 20.15 Uhr passend zum runden Geburtstag mit Starbesetzung.

Das Ehepaar Ursel (Julia Koschitz) und Abel Hradschek (Fritz Karl) besitzt ein hübsches Landhotel im brandenburgischen Oderbruch. Voller Ehrgeiz betreiben Sie das alte Gehöft, doch die Geschäfte laufen nicht so wie erhofft, und die Hradscheks leben über ihre Verhältnisse. Während Abel hohe Spielschulden aus illegalen Pokerabenden in seinem Hotel anhäuft, bestellt sich Ursel ständig neue Klamotten aus dem Internet oder fährt nach Berlin zum Shoppen. Irgendwann sind die beiden pleite.

Durch den Besuch seines ungeduldig fordernden Gläubigers Schulze (Peter Schneider) gerät Abel noch mehr unter Druck. Er heckt einen raffinierten Plan aus und begeht mit Hilfe seiner Frau den »perfekten Mord« - in sturmumtoster Nacht bringen sie Schulze schließlich um.

Doch eine penetrant neugierige Nachbarin, die alte Frau Jeschke (Katharina Thalbach), hat angeblich alles beobachtet, während sich der Dorfpolizist Geelhaar (Devid Striesow) aufgrund ihrer Aussagen bis auf die Knochen blamiert: Unter dem Birnbaum liegt nicht Schulzes Leiche, sondern vielmehr das Skelett eines Soldaten, der vermutlich bei der blutigen Schlacht um die Seelower Höhen im April 1945 ums Leben kam.

Die gottesfürchtige Ursel, die großes Vertrauen von Pfarrer Eccelius (Boris Aljinovic) genießt, beginnt unter schrecklichen Alpträumen zu leiden und fällt in ihre frühere Tablettensucht zurück. Das Ehepaar hat nämlich nicht nur finanzielle Probleme. Beide trauern um ihre Tochter Mathilde, die vor drei Jahren bei einer Totgeburt starb.

Das stille Einverständnis der beiden Eheleute, die mit einem Mord verzweifelt einen Ausweg aus ihrer Misere suchen, wird von Julia Koschitz und Fritz Karl hervorragend und intensiv gezeigt, wie auch ihre rasch zunehmende Angst vor Entdeckung. Aber nicht nur sie spielen großartig, auch die Nebenrollen sind vortrefflich besetzt, insbesondere mit Katharina Thalbach.

Obwohl der Zuschauer die Täter und ihre Motive kennt, ist der Film gleichwohl spannend, weil es um das Innenleben der Personen geht. Der Film entstand nach einem Drehbuch von Léonie-Claire Breinersdorfer (43, »Die Glasbläserin«) und wurde von Regisseur Uli Edel (72, »Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo«) stilsicher und würdevoll inszeniert, mitsamt düsterer Grundstimmung. Sie haben sich beide im Wesentlichen an Fontanes Novelle gehalten und es dabei vermocht, das zeitlos wirkende Geschehen glaubhaft und mit modernisierter, aber völlig passender Sprache in die heutige Zeit zu übertragen.

»Armut ist schlimmer als der Tod«, sagt Ursel, die ohnehin psychisch labil ist und mit der Schuld des Verbrechens kaum weiterzuleben vermag, zu ihrem nicht minder schwachen Mann.

Julia Koschitz (45, »Geschenkt«) sagt gegenüber der dpa über ihre Rolle: »Sie ist eine Frau, die nach und nach an ihrer Schuld zerbricht, die keine Kapazitäten mehr hat, ihre Fassade aufrecht zu erhalten, hinter der sich schon vor dem Verbrechen ein zutiefst enttäuschter und depressiver Mensch verbirgt. Sie wird zu einer Frau, die ihr Unglück in Alkohol und Tabletten ertränkt und unbewusst beschließt, sich langsam von diesem Leben zu verabschieden.«

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