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»Unsere Jagdstrategie ist professionell«

Bischofswiesen - Ludwig Fegg ist Jäger. Seit Jahrzehnten. Aber unzufrieden. Ihm fehlen die »jagdlichen Moralvorstellungen«. In einer E-Mail attackiert er den Forstbetrieb Berchtesgaden aufs Schärfste. Von »hetzenden Hunden« im Jagdgebiet Winkl ist dort die Rede, von »Totschießaktionismus«, von »Freitagsjagden«, die der Eliminierung der Wild-Restbestände dienten. Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller wiegelt ab: »Das ist völliger Unsinn.«

Dr. Daniel Müller verteidigt die Drückjagd. Anzeiger-Foto

»Wald vor Wild«? »Unser Forstbetrieb ist ein massiver Verfechter dieses Mottos.« Wenn es nach Ludwig Fegg geht, müsste es »Wald mit Wild« heißen. Zu diesem Ergebnis kommt man zumindest, wenn man die Ausführungen des Jägers verfolgt.

»Offensichtlich will der Forstbetrieb den Wildbestand auslöschen, um die Auflösung des Wintergatters Rossweg zu legitimieren«, meint Fegg. Fest macht er das an einem kürzlich stattgefundenen »Jagdevent«, der im Revier Winkl angesetzt war. Fegg war durch einheimische Anrufer darauf aufmerksam geworden und hatte sich daraufhin auf die Suche nach Einzelheiten gemacht. Nach seiner Meinung handelte es sich bei der vom Forstbetrieb Berchtesgaden veranstalteten Jagd um eine »groß angelegte Bewegungsjagd mit frei hetzenden Hunden«.

Auf Nachfrage bei Forstbetriebsleiter Müller entgegnet dieser, dass es sich um eine Drückjagd handelte. Darunter versteht man, dass sich mehrere Jäger und einige frei stöbernde Jagdhunde auf der Suche nach Schalenwild befinden. »Die Drückjagd kann man nicht mit der Treibjagd vergleichen«, sagt Müller. Bei letzterer wird das Wild flüchtig gemacht, die Drückjagd laufe weit gemächlicher ab.

Dass diese Jagd vom Forstbetrieb Berchtesgaden organisiert wurde, daraus macht Müller keinen Hehl. Neben Berufsjägern wurden auch private Jagderlaubnis-Besitzer eingeladen. Nichts Außergewöhnliches sei das, bekräftigt er. In den letzten sieben Jahren habe es fünf vergleichbare Jagden gegeben. Mit dem Ziel, dass die Jagdstrategien getestet und immer wieder gewechselt werden können. »Wenn man sich immer nur auf die Dämmerungsstunden konzentriert, kommt das Wild irgendwann nicht mehr raus«, weiß der Forstbetriebschef.

Ludwig Fegg sagt, dass nach unterschiedlichen Mitteilungen »zwischen 14 und 17 Schüsse« gefallen seien. »Es wurden sehr schnelle Schusssalven vernommen«, weiß Fegg. Verfeuert aus automatischen Waffen? »Nein«, sagt Müller, »natürlich nicht.« Automatische Waffen seien verboten. »Wir sind doch keine Anfänger.« Vielmehr habe es Situationen gegeben, in denen mehrere Jäger auf ein und dasselbe Wild geschossen haben. Eine Gefahr habe zu keinem Zeitpunkt bestanden.

Ludwig Fegg sagt, dass der Wildbestand sowieso schon auf ein äußerst niedriges Maß reduziert worden sei. Kein Anlass also, solche Jagden zu veranstalten. Das sieht Müller anders. Außerdem gebe es keinen Grund zu Beanstandungen. »Jeder Teilnehmer wurde ermahnt, diszipliniert zu jagen.« Gezählt wurden die abgegebenen Schüsse sowieso. Den Vorwurf, ein Stück Wild könnte getroffen und verletzt liegen gelassen worden sein, weist Müller scharf zurück. »Mit absoluter Sicherheit war das nicht der Fall.« Die eigene Jagdstrategie sei professionell, außerdem verfolge man einen Plan, den es zu erfüllen gelte. Fegg sieht die Gefahr, dass bei solch »unsinnigen« Aktionen vor allem eines geschieht: Dass das Wild in den Privatwald läuft, dort möglicherweise für Verbissschaden sorgt.

Zwischenfazit: Das letzte Wort ist in dieser Sache noch lange nicht gesprochen. kp