weather-image

»Unser Protest soll friedlich sein«

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Mit einem grünen Kreuz auf den Feldern machen derzeit viele Landwirte in Deutschland auf ihre existenzbedrohende Situation aufmerksam. Der Aktion angeschlossen hat sich auch Landwirt und Viehzüchter Michael Öttl aus Parzing bei Traunreut. (Foto: geg)

Traunreut – »Land schafft Verbindung«: Unter diesem Motto hoffen Deutschlands Landwirte und Viehzüchter auf ein besseres Miteinander der Gesellschaft mit dem Bauernstand sowie auf ein Ende existenzbedrohlicher Situationen vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Derzeit machen Landwirte und Viehzüchter bundesweit mit grünen Kreuzen in den Feldern auf ihre schwierige Lage aufmerksam. Der Aktion angeschlossen hat sich auch Landwirt und Viehzüchter Michael Öttl aus Parzing bei Traunreut. »Wir wollen und müssen mitreden beim Finden von Lösungen«, wendet sich der 32-Jährige insbesondere an die Politik. Das grüne Kreuz interpretiert der dreifache Familienvater dramatisch: »Wir Bauern sterben, wenn es so weitergeht!«


Die bundesweite Bewegung »Land schafft Verbindung – Wir rufen zu Tisch« entstand spontan erst Anfang Oktober. »Das ist eine reine Bauernsache«, erklärt Michael Öttl, der rund 200 Stück Rinder hält – 60 Milchkühe, 70 Bullen zur Mast, der Rest sind selbst gezogene Kälber und Kalbinnen. Die Nahrung für seine Tiere erwirtschaftet er fast ausschließlich selbst auf seinen landwirtschaftlichen Flächen. Wenn der 32-Jährige von »reiner Bauernsache« spricht, dann meint er damit, dass die Initiative diesmal nicht von Verbänden ausgeht.

Die mehrere 10 000 Betriebe starke Bewegung hat mittlerweile bundesweit Schlagzeilen gemacht, als sie in vielen deutschen Großstädten mit Traktoren den Kraftfahrzeugverkehr zeitweise lahmlegte. Bei der Traktoren-Demo in München waren auch gut 100 Landwirte aus den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land mit von der Partie. »Und viele Kollegen sind mit Privatautos gekommen und sind dann mitmarschiert«, sagt Michael Öttl, auf dessen Schild am Traktor zu lesen stand: »Denkt an unsere Kinder!« Damit meint er: »Wie sollen wir unsere Familienbetriebe einmal an unsere Nachkommen übergeben, wenn die Betriebe nicht mehr wirtschaftlich sind?«

Gut zwei Stunden lang war die Münchner Innenstadt damals durch die Traktoren-Demo blockiert. Beschimpfungen seitens der Münchner Bürgerschaft habe er nicht bemerkt. »Im Gegenteil«, so erzählt der Parzinger Landwirt, »eine nette Frau begleitete unsere Demo mit dem Radl und einem Transparent mit der Aufschrift 'Wir danken euch für eure Arbeit'.«

Leider sei das nicht das gängige Image der Bauernschaft. Die Bewegung »Land schafft Verbindung« registriere bundesweit »eine permanent negative Stimmungsmache und Bauern-Bashing«. Diskriminierung und Mobbing von Angehörigen würden für viele landwirtschaftliche Betriebe zum Alltag gehören. Hier ist es ganz klar die Zielsetzung der Bauernbewegung: »Wir möchten einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander. Probleme sollten fach- und sachgerecht diskutiert werden, um praktikable Lösungen zu finden.«

Die Lage ist verzwickt, die Zusammenhänge global. Ein Beispiel: Aufgrund des Mercosur-Handelsabkommens ist es südamerikanischen Großranchern möglich, extrem billiges Rindfleisch für den deutschen Markt zu liefern. Das macht natürlich die Preise für in Deutschland produziertes Rindfleisch kaputt. Und laut der Bauernbewegung ist es sehr schwer zu konkurrieren mit einem Import von Waren, »die nicht deutsche Standards von sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln einhalten«. Ohne diese Standards sei die Produktion von Rindfleisch weitaus kostengünstiger möglich.

»Unser Protest soll friedlich sein«, erklärt Michael Öttl seine Beweggründe. »Wir wollen auf die Verbraucher zugehen, das Gespräch mit ihnen suchen.« An Gesellschaft und Politik richtet er die Bitte: »Redet mit uns, nicht über uns!« Es gehe darum, dass Landwirte und Bauern wieder aktiv mitgestalten wollen und man dadurch gemeinsam Lösungen findet, die langfristig und nachhaltig  das Fortbestehen des Bauernstands sichern. geg