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Unbekanntes Ligurien

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Blick auf Sestri Levante: Die Altstadt des Ortes mit ihren Gassen und malerischen Fassaden liegt als Halbinsel zwischen zwei zauberhaften Buchten. (Fotos: Till)
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Auch die Bergradler kommen in Ligurien auf ihre Kosten. Es gibt jede Menge Trails – wie hier den Monte-Marcello-Trail.
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Das einsam gelegene Kloster San Fruttuoso liegt in einer wunderschönen Bucht, die nur zu Fuß oder mit dem Schiff erreichbar ist.

Ligurien schließt sich kurz hinter Carrara an die Toskana an und zieht sich als einer der malerischsten Küstenstreifen Italiens bis zur französischen Grenze bei Nizza. Es beginnt im Osten mit dem Golf von La Spezia, der auch die »Bucht der Dichter« genannt wird, da hier einige Schriftsteller wie das Ehepaar Shelley (von ihr stammt »Frankenstein«) gewohnt haben. Während am Westufer bei Portovenere sich der Eingang zum berühmten Cinque Terre befindet, das von Touristen regelrecht überrannt wird, ist das gegenüberliegende Naturschutzgebiet »Parco di Montemarcello« weitgehend unbekannt.


Umso überraschender ist es, dass es von einer Vielzahl bestens markierter und beschilderter Wanderwege durchzogen ist. Die Locals von »Lerici Bike« haben außerdem einige tolle Mountainbikerouten beschildert. Lerici liegt am Eingang dieses Naturparks und bietet mit seinem Hafenbecken und der darüberliegenden prächtigen Festung Postkartenidylle pur. Hier beginnt auch eine rund vierstündige Rundwanderung nach Ameglia. Ein schattiger Weg mit außergewöhnlich vielfältigen Pflanzenbewuchs mit wilden Orchideen und Lilien führt hinauf zum malerischen Bergdorf Serra.

Tolle Ausblicke auf den alten Küstenort Tellaro

Der anschließende Steig verläuft hoch über der Küste weiter nach Le Figarole und bietet immer wieder tolle Blicke, wie den zum alten Küstenort Tellaro. Bei Le Figarole geht es scharf links und gleichsam durch einen Dschungel windet sich der, Gott sei Dank, bestens markierte Weg hinunter zum Dorf Ameglia mit seiner alten Burg hoch über dem Magratal. Hier beginnt der nächste Anstieg hinauf nach »Cima del Monte«, von wo aus es wieder hinunter nach Serra und zurück nach Lerici geht.

Die Mountainbiker strampeln derweil von Lerici auf Asphalt zum Cima del Monte herauf, um dann den oben beschriebenen Wanderweg mit viel Flow hinabzufahren.

In Tellaro beginnt eine Tour durch schattige Wälder zum Monte Murlo und nach dessen Überschreitung hinunter zum Ort Montemarcello. Dieser zählt ebenso wie Tellaro, zu den »Borghi piu belli d’Italia«, also zu den schönsten Dörfern Italiens. Nachdem man durch den Ortskern gebummelt ist, steigt man hinunter nach »Bocca di Magra« also der Mündung des Magraflusses in die Riviera. Dort schweift der Blick hinüber zu den Felsbergen der Alpi Appuani mit den weißen Steinbrüchen von Carrara. Der Rückweg führt zunächst zur Punta Bianca einem weißen Küstenfelsen, an dem ein Felssturz den ursprünglichen Küstenweg nach Tellaro versperrt und den Wanderer zwingt, wieder aufzusteigen und in ständigem Auf und Ab an der wilden Küste zurück zum Ausgangspunkt zu laufen.

Obwohl der höchste Punkt der Tour nur 360 Meter hoch liegt, braucht man für diese Tour fast acht Stunden und legt 18 km und 1100 Höhenmeter zurück. Da haben es die Radler leichter. Können sie doch sowohl von Tellaro, als auch von Bocca di Magra auf Asphalt zum Monte Murlo raufradeln. Auf den letzten 80 Höhenmetern wartet auf die Radler ein steiler und extrem schottriger Karrenweg, auf dem nur die wenigsten im Sattel bleiben. Während der Trail nach Bocca di Magra zurück ein reiner Genuss ist, fordert der Tellarotrail den Biker, da sich felsige Passagen mit steilsten Lehmrutschen abwechseln und den Schwierigkeitsgrad S3 aufweisen.

Die Altstadt von Sestri Levante mit ihren Gassen und malerischen Fassaden liegt als Halbinsel zwischen zwei zauberhaften Buchten. Die größere Bucht, die »Baia delle Favole« (Märchenbucht), ist nach dem dänischen Erzähler Anderson benannt, der 1833 hier war. Von der kleineren Bucht der »Baia del Silenzio« (Bucht der Stille) führt ein toller Küstensteig hinauf zur Aussichtsklippe Punta Marana. Ein wunderbarer felsiger Steig geleitet den Wanderer hinauf zur Klippe. Oben angekommen erfordert der letzte Felsklotz Vorsicht, da die Klippe als Felswand steil ins Meer abstürzt. Umso fantastischer ist das Küstenpanorama einschließlich der Bucht von Riva Trigoso, das sich dem Wanderer zeigt. Die Radfahrer können über eine asphaltierte Bergstraße zum 30 km entfernten »Ökodorf Varese Ligure« strampeln.

An der Westseite der Halbinsel des bei Prominenten beliebten Portofino liegt in 200 Meter Höhe der einsame Weiler San Rocco mit seiner alles überragenden Kirche. Hier beginnt ein bestens markierter Kreuzweg mit beeindruckenden Bildstöcken, der den Wanderer zum Naturpark von Portofino mit seinen vielen Wanderwegen geleitet. Einer führt durch schattige Kastanienwälder auf den Gipfel des Monte Portofino. Hier verzweigen sich die bestens beschilderten Wanderwege in alle Himmelsrichtungen. Ein besonders schöner Steig führt hinab zur Abbazia (Abtei) San Fruttuoso. Dieses einsam gelegene Kloster liegt in einer wunderschönen Bucht, die nur zu Fuß oder mit dem Schiff erreichbar ist. Für den Rückweg bietet sich der Steig entlang der Steilküste an.

Er ist aber nur trittsicheren und schwindelfreien Bergsteigern zu empfehlen, da man auf glatten und abschüssigen Felsplatten auf Reibung gehen muss. Weniger Geübte können stattdessen mit dem Boot nach Camogli zurückschippern und müssen dann aber über 816 Stufen nach San Rocco hochsteigen. Auf jeden Fall empfiehlt sich danach die Einkehr in der Trattoria Nonna Nina.

Spannende Entdeckungsreisen zu Fuß oder mit dem Bergradl sind im Hinterland von Genua im alpinen Naturpark Monte Beigua möglich. Im größten Naturpark Liguriens gibt es neben einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt ein vielseitiges Mineralvorkommen, da dieser in der Kontaktzone von Alpen und Apennin liegt. Ein dichtes und wiederum bestens beschildertes Wegenetz durchzieht den Park. Selbstverständlich durchquert ihn auch der ligurische Weitwanderweg »Alta Via dei Monti Liguri« und bringt Radler wie Wanderer zu tollen Aussichtspunkten.

Ein Abschnitt führt vom Colle del Giove auf den einsamen Monte Ermetta. Am Gipfel gibt es ein traumhaftes 360-Grad-Panorama. Nur ein kurzes Stück später führt der Alta Via zum Monte Beigua, der für die Radler auch auf einem asphaltierten Bergsträßchen von San Martino aus erreichbar ist. Die Mountainbiker können als Rundtour über den Höhenweg zum Colle del Giove und von dort auf der Bergstraße zurück zum Ausgangspunkt radeln.

Etwas westlich des Kletter- und Mountainbikeparadies »Finale Ligure« liegt Andora. Von hier führt eine bei Rennradlern beliebte Strecke auf den Passo del Ginestro. Der Mountainbiker hat dann zwei Möglichkeiten. Der Gipfelstürmer wird den Pizzo d‘Evigno ansteuern und auf den anspruchsvollen bergauf führenden Pfad seine Leidensfähigkeiten testen. Belohnt wird er mit einer tollen Rundumsicht. Der spaßorientierte Bergradler dagegen rollt auf der Anfahrstrecke zurück nach Testico und von dort auf der Höhenstraße nach Crocetta. Auf einem Wanderweg strampelt er durch die Macchia hinauf zum Cima (Gipfel) Brea. Von hier surft er auf einem flowigen Trail über das Capo (Kap) Mele zurück nach Andora und genießt die traumhaften Blicke auf die Riviera.

Im einsamen Hinterland des berühmten San Remo liegt das Hexendorf Triora. Während hier im Mittelalter viele Hexenprozesse stattfanden, produzieren heute die wenigen verbliebenen Einwohner Hexenpuppen, die sie an die Touristen verkaufen. Von hier sieht man zum Monte Saccarello, dem mit 2200 Meter höchsten Berg Liguriens, für den Papst Leo XIII im Heiligen Jahr 1900 bestimmte, dass neben 19 anderen Bergen hier, eine Statue errichtet wird. Der Bergsteiger kann auf einem schmalen Bergsträßchen noch zum 1000 Meter hoch gelegenen Rifugio Realdo fahren.

Bei schönem Wetter gibt es eine grandiose Fernsicht

Der gut markierte Steig 358 leitet den Wanderer in vollkommener Bergeinsamkeit hinauf zum Passo di Collardente, an der bei Mountainbikern berühmten Ligurischen Grenzkammstraße. Dieser folgt man einige hundert Meter, bis man auf den bereits bekannten Höhenweg »Alta Via dei Monti Liguri« trifft, der 450 km zuvor in La Spezia beginnt und ganz Ligurien bis hier an die französischen Grenze durchquert. Er weist den Weg durch steile Almrauschhänge bis hinauf zum Gipfel des Monte Saccarello. Bei schönem Wetter gibt es eine grandiose Fernsicht.

Auch der Mountainbiker kann auf Forststraßen fast bis zum Gipfel radeln. Er startet am besten auf der anderen Seite des ligurischen Höhenzuges in »San Bernardo di Mendatica« und fährt auf Asphalt nach »Monesi di Triora« und später auf Forststraßen über den Passo Basero bis knapp unter den Gipfel des Monte Saccarello.

Zur Rückfahrt bieten sich dem Bergradler zwei Möglichkeiten. Der Forststraßenradler rollt auf dem Anfahrtsweg zurück und weiter zum Passo di Tanarello am Ligurischen Grenzkamm, um diesen bis zum Passo di Collardente zu folgen. Hier biegt er links ab und strampelt zum Passo della Guardia und weiter über den »Colle di Garezzo« zurück zum Ausgangspunkt.

Der Trailspezialist fährt zunächst auch auf Forststraßen am Rifugio San Remo vorbei zum Passo Garlenda. Hier geht es über teils anspruchsvolle Bergwege zum Passo Fonte und dort spitzwinklig zurück zum »Colle di Garezzo«. Dort trifft er wieder auf den Forstweg, der ihn zurück nach San Bernardo bringt. Rudolf Till

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