weather-image
20°
Rassisten in Charlottesville

Trumps späte Einsicht kann Proteste nicht stoppen

Protest gegen Trump
Demonstranten protestieren in New York mit Plakaten gegen US-Präsident Trump. Foto: Erik Mcgregor/Pacific Press via ZUMA Wire Foto: dpanitf3

Charlottesville (dpa) - Nach den gewaltsamen Ausschreitungen in der US-Stadt Charlottesville beruhigt sich der Zorn in der US-Öffentlichkeit nur langsam.

Anzeige

Bei einer Aktion gegen weiße Rassisten stürzten Demonstranten im US-Bundesstaat North Carolina ein Denkmal für Soldaten der ehemaligen Südstaaten Amerikas. Die Schauspielerin Jennifer Lawrence sprach sich dafür aus, rechtsgerichtete Demonstranten namentlich in Sozialen Netzwerken an den Pranger zu stellen.

Ein Twitter-Eintrag von Ex-Präsident Barack Obama wurde unterdessen zum Social-Media-Hit. Obama hatte ein berühmt gewordenes Zitat des früheren südafrikanischen Präsidenten und Anti-Apartheid-Kämpfers Nelson Mandela wiedergegeben: «Niemand hasst von Geburt an jemanden, aufgrund dessen Hautfarbe, dessen Herkunft oder dessen Religion», schrieb Obama. Der Eintrag wurde innerhalb kurzer Zeit knapp 2,5 Millionen Mal «geliked» und avancierte damit zu einem der erfolgreichsten Tweets in der Geschichte des Kurznachrichtendienstes.

Obamas Nachfolger Donald Trump hatte dagegen erst nach langem Zögern die rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville (Virginia) verurteilt, bei denen eine 32-Jährige Gegendemonstrantin von einem Auto erfasst und getötet wurde und 19 weitere Menschen verletzt worden waren.

Die Proteste gingen dennoch weiter. Unter anderem verließen drei hochrangige Wirtschaftsführer mit Hinweis auf Trumps zögerlichen Umgang mit den Rassisten ein Beratergremium. Trump selbst schrieb auf Twitter, er könne jeden mit mehreren anderen Kandidaten ersetzen, die Abtrünnigen seien «Aufsprecher».

Im Internet machte auch ein Kurzfilm aus den 1940er Jahren die Runde, den die US-Regierung damals der deutschen Nazi-Propaganda entgegengestellt hatte. In dem Film hetzt ein Mann gegen Minderheiten. Den anfangs zustimmenden Zuhörern wird nur langsam klar, dass letztlich auch sie selbst Gegenstand seiner Hasstiraden sein könnten.

Auf Fernsehbildern von US-Sendern war zu sehen, wie eine Demonstrantin in Durham eine Schlinge um den Hals der Konföderierten-Statue legte. Daraufhin begannen andere Teilnehmer, an der Schlinge zu ziehen und die Statue zu stürzen. Menschen traten auf das gefallene Symbol ein. Es ist ein weiteres Beispiel einer seit Monaten anhaltenden Protestserie gegen die umstrittenen Konföderierten-Denkmäler.

Nach Angaben der Veranstalter war die neueste Aktion eine direkte Antwort auf die Zusammenstöße von Rassisten und Gegendemonstranten in Charlottesville. Das Denkmal aus dem Jahr 1924 stand für Soldaten, die auf der Seite der Konföderierten im Amerikanischen Bürgerkrieg starben. Die Südstaaten wollten damals die Sklaverei beibehalten.

Trump hatte sich nach heftiger Kritik aus der ganzen Welt und sogar aus der eigenen Partei schließlich mit klaren Worten von den Ausschreitungen in Charlottesville distanziert. Neonazis, der rassistische Ku Klux Klan oder andere Gruppen voller Hass hätten keinen Platz in Amerika, sagte der Präsident am Montag in Washington. «Rassismus ist böse und diejenigen, die in seinem Namen Gewalt anwenden, sind Kriminelle und Verbrecher», sagte Trump.

Weil er zunächst von «Gewalt von vielen Seiten» gesprochen und Rassisten nicht explizit beim Namen genannt hatte, war er unter erheblichen Druck geraten. «Es kommt nicht auf die Hautfarbe an», sagte Trump. Gewalt, Hass und Fanatismus hätten keinen Raum in den Vereinigten Staaten, betonte der Präsident, der am Montag in seiner Heimatstadt New York von Hunderten Demonstranten empfangen wurde.

Im Weißen Haus wuchs nach den Ereignissen von Charlottesville der Druck auf den nationalistischen Flügel in der Regierungszentrale, um Chef-Berater Stephen Bannon. Kritiker wollen, dass Trump Bannon entlässt. Ihm wird in den vergangen Tagen seit dem Amtsantritt von John Kelly als Stabschef ein Bedeutungsverlust im inneren Zirkel Trumps nachgesagt.

Signer-Interview bei CBS

Washington Post

Bericht von WCNC