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Trompetenschall und Festesklang

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Begeisterter Schlussapplaus für alle Mitwirkenden (von links stehend) Stefan Steinemann, Judith Spießer, André Gold, Moon Yung Oh und Manuel Adt. (Foto: Aumiller)

Weihnachten ist da: mit den feierlichen Klängen des großen Oratoriums »Der Messias« von Georg Friedrich Händel stimmte der erste Abend der Philharmonischen Weihnacht im Alten Kurhaus glanzvoll auf das Christfest ein.


Unter der engagierten und animierenden Leitung von André Gold zündeten die Bad Reichenhaller Philharmoniker mit dem hervorragenden Solistenquartett und dem exzellenten Münchner Oratorienchor klingende Weihnachtslichter an, die festlich ins Publikum ausstrahlten.

»Der Messias« ist eines der bekanntesten und beliebtesten Oratorien seit der Uraufführung im Jahr 1742 bis heute. Händel hat das großartige Werk in nur 24 Tagen geschrieben und damit nach mehreren erfolglosen Opern ein zeitloses Gipfelwerk des Chor-Oratoriums geschaffen. In drei Teilen erzählt es die Verheißung und Geburt des Heilands, die Passion und Auferstehung und schließlich die Verherrlichung der messianischen Botschaft als meditatives Bekenntnis. Nicht die kirchlich-geschichtliche Handlung ist dabei die zentrale Aussage, sondern die spirituelle Heilsbotschaft der allmächtigen Gottheit.

Der Dirigent André Gold vereinigte Solisten und Chor, im englischen Original singend, und gemeinsam mit dem Orchester zu einem fabelhaften Miteinander. Mit Judith Spießer, Stefan Steinemann, Moon Yung Oh und Manuel Adt stand ihm ein Vokalquartett zur Verfügung, das mit schlanken Stimmen stilsicher den bekannten Arien feinen Glanz verlieh. Judith Spießer strahlte Freude aus und ließ ihren klaren, schön geführten Sopran leuchten, ob in »Rejoyce Greatly« (Erwach, frohlocke) voller virtuoser Koloraturläufe, im lyrischen »I know that my Redeemer liveth« (ich weiß, dass mein Erlöser lebet) oder gemeinsam mit dem Altus von Stefan Steinemann im innigen »He shall feed his flock« (er weidet seine Herde).

Steinemann gestaltete mit heller Altstimme stilgerecht seine Rezitative und Stücke wie etwa »He was despised« (Er ward verschmähet). »Ev’ry Valley (alle Täler) ist die bekannte Weise, die dem Tenor anvertraut ist, von Moon Yung Oh klangschön gesungen, der seinen ganzen Part ausgefeilt vortrug. Die dunkle Stimmfarbe brachte der Bariton Manuel Adt bei. Auch er ein guter Stilist, der dem feierlich verkündenden Trompetenruf in »The trumpet shall sound« sonore vokale Farbe entgegensetzte.

Ein Genuss war der Münchner Oratorienchor, dessen Leitung André Gold 2014 übernommen hat. Die Münchner Choristen punkteten mit warmer Klangfülle und Transparenz, vom stimmungsvollen Piano bis zum runden Vollklang fein differenzierend und gut austariert. Da wurde natürlich das jubilierende »Hallelujah« zum großen Höhepunkt, das auch am Ende als Zugabe wiederholt wurde, wobei Gold das Publikum zum Mitsingen aufforderte.

Das Orchester war in Feiertagslaune, unterstützte gut abschattiert, die Vokalisten mit schöner Palette, mit singenden Violinen, mit den solistisch oder als Gruppe tieferen Streichern, die schöne Farbreize einmischten, oder dem die Rezitative ergänzenden Cembalo. Den großen Auftrag zum festlichen Klangereignis lieferte die virtuose Trompete und der Donnerhall der Pauke. Es war ein großer Abend der Philharmonischen Weihnacht, der auch Anreiz ist, neugierig zu machen auf die Höhepunkte der »Großen Sinfonik in großer Besetzung« der sechs Abo-Konzerte der kommenden Saison 2019. Elisabeth Aumiller