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Trennung keine Option: HSV hält an Trainer Wolf fest

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Hannes Wolf
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der HSV mit Trainer Hannes Wolf droht kurz vor Saisonende den Aufstieg zu verpassen. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa Foto: dpa

Ein Trennung von Trainer Hannes Wolf stand beim Fußball-Zweitligisten Hamburger SV nicht ernsthaft zur Debatte trotz des freien Falls. Zumindest sagt das Sportvorstand Ralf Becker. Doch ob der 38 Jahre alte Wolf langfristig bleiben darf, ist offen. Er muss liefern.


Hamburg (dpa) - Hannes Wolf stand wie üblich am Tag nach einem Spiel des Hamburger SV auf dem Platz und leitete das Training seiner Ersatzleute und Einwechselspieler.

Doch was am Sonntagvormittag im Volkspark wie ein gewöhnlicher Arbeitstag für den 38-Jährigen beim wankenden Fußball-Zweitligisten aussah, war alles andere als normal. Denn kaum jemand hatte noch damit gerechnet, dass der schwer in die Kritik geratene Coach nach der 0:3-Pleite am Vortag gegen den abstiegsbedrohten FC Ingolstadt noch weitermachen dürfte.

Doch nach Beratungen von Vorstandschef Bernd Hoffmann und Sportvorstand Ralf Becker mit Wolf lautete die überraschende Entscheidung: der Trainer bleibt! In den letzten zwei Saisonspielen beim Aufstiegs-Mitkonkurrenten SC Paderborn und gegen den MSV Duisburg soll er doch noch das Saisonziel Aufstieg erreichen.

»Der sogenannte Krisengipfel nach dem gestrigen Spiel war ein ganz normales Gespräch«, meinte Becker am Sonntag nach der Trainingseinheit. »Nach so einem Spiel und so einem Ergebnis ist es klar, dass wir uns besprechen mussten. Aber wir waren uns relativ schnell einig.«

Nach seiner Aussage hat es die Option Trennung nicht gegeben. »Es ist das Beste für die jetzige Situation, in dieser Konstellation nach Paderborn zu gehen«, sagte er mit Blick auf das vorletzte Saisonspiel am kommenden Sonntag. Die Partie sei »ein Endspiel«. Becker erinnerte daran, dass der HSV unter Wolf in dieser Saison bereits zweimal die Ostwestfalen schlagen konnte: in der Hinrunde und im  DFB-Pokal-Viertelfinale - es war der letzte Pflichtspielsieg vor viereinhalb Wochen.

Für die Branche und vor allem für den HSV mit seiner langen Reihe von Kurzzeit-Trainern war das Festhalten an Wolf eine ebenso bemerkenswerte wie überraschende Entscheidung. Noch unmittelbar nach dem Tiefpunkt gegen die Ingolstädter hatte Becker erstmals ein klares Bekenntnis zu dem von ihm im Oktober geholten Trainer vermieden.

»Mittlerweile sind wir in der 2. Liga und haben kein volles Konto«, deutete Becker auch einen gewissen finanziellen Zwang zur Treue an. Möglicherweise fehlte auch eine Alternative zu Wolf auf die Schnelle. »Wenn man gemeinsam von etwas überzeugt ist, muss man das auch mal aushalten und dazu stehen, sonst stürzen wir ins Chaos«, meinte Becker.

Viel chaotischer als das Spiel der Mannschaft gegen Ingolstadt kann es aber nicht werden. Die Partie war der Tiefpunkt einer langen Negativserie. Seit sieben Spielen ist der HSV ohne Sieg, abgerutscht auf den Nicht-Aufstiegsplatz vier. Zwar besteht noch die Möglichkeit für die Hamburger, die Rückkehr in die Bundesliga zu schaffen. Doch im derzeitigen Zustand stellt sich die Frage: Wie soll das gehen?

Wolf hat mit der Entscheidung vom Samstag einen Vertrauensvorschuss bekommen. Er steht unter Bewährung. Denn ob er auch in der neuen Saison der Mann ist für den erneuten Umbruch, der unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit unweigerlich bevorsteht, wird sich in den letzten beiden Spielen und möglicherweise in der Relegation zeigen. Becker kündigte bereits eine umfassende Analyse nach der Saison an.

»Wir haben schon die ganze Zeit ein sehr vertrauensvolles Verhältnis und eine fantastische Zusammenarbeit«, meinte Trainer Wolf nach dem Vormittagstraining über die Club-Oberen. Ein Teil der Wahrheit sei aber auch, »keiner hat hier richtig Bock, dass alle sechs Monate ein neuer Trainer kommt«, ergänzte er.

Nach dem Derby-Triumph beim FC St. Pauli (4:0) sei einiges in die falsche Richtung gegangen, »aber im Fußball passiert vieles. Ich werde zu 100 Prozent alles geben, dass es nun in die andere Richtung geht«, sagte Wolf. Den Unmut der Fans könne er »total verstehen«.

Am Montag haben die Spieler trainingsfrei, um die Köpfe frei zu bekommen. »Danach gilt der Fokus wieder ganz auf den Fußball«, kündigte Wolf an. Auf ein Kurz-Trainingslager wie in der vergangenen Woche in Rotenburg/Wümme verzichtet er diesmal.

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