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Nach Ausschreitungen: Schiedsrichter erstattet Anzeige gegen Bayerisch Gmainer Funktionäre

Trauriges Ende eines Fußballspiels

Bischofswiesen – Die Ausschreitungen am Samstag nach dem A-Klassen-Spiel zwischen dem FC Bischofswiesen II und dem WSC Bayerisch Gmain (wir berichteten) werden ein Nachspiel haben. Schiedsrichter Alois Singhammer aus Petting erstattete beim Sportgericht in Trostberg Anzeige gegen den Bayerisch Gmainer Trainer Florian Huber und den 1. Vorstand des WSC Bayerisch Gmain, Hans Hawlitschek. Singhammer nannte dem Sportgericht detailliert die Schimpfwörter, mit denen er nach dem für Bayerisch Gmain unglücklichen 3:3 verbal angegriffen worden sei. Die Beschuldigten räumten gestern gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger« zwar ein, sich beim Schiedsrichter massiv beschwert zu haben, können sich aber an die von Singhammer genannten Beleidigungen nicht erinnern.

Wer ist schuld am Handgemenge, das es nach dem 3:3 zwischen dem FC Bischofswiesen II und dem WSC Bayerisch Gmain auf dem Riedherrn-Sportplatz gab? Diese Frage ist nicht genau geklärt, aber Schiedsrichter Alois Singhammer erstattete Anzeige beim Sportgericht gegen zwei Bayerisch Gmainer Funktionäre wegen Schiedsrichterbeleidigung. (Foto: Wechslinger)

Es war ein emotionsgeladenes Spiel auf dem Sportplatz Riedherrn, bei dem der WSC Bayerisch Gmain nicht gerade vom Glück verfolgt war. Insbesondere zwei Spielszenen haben die Stimmung kippen lassen. Zum einen ein umstrittener Elfmeter. Den hatte Schiedsrichter Alois Singhammer wegen eines angeblichen Handspiels gegeben. Die Meinungen, ob die Hand des Bayerisch Gmainer Abwehrspielers aktiv zum Ball gegangen war oder angelegt war, gehen auseinander. Einig ist man sich dagegen auf Bayerisch Gmainer und Bischofswieser Seite, dass das Foul eines Bayerisch Gmainers an einem Bischofswieser viel zu spät gepfiffen worden sei. Der Schiedsrichter hatte zunächst Vorteil für Bischofswiesen gelten lassen. Als die Situation bereits bereinigt war, weil der Gästekeeper den Torschuss sicher abgefangen hatte, pfiff Singhammer das Foul doch noch. Das Fatale daran: Der direkt ausgeführte Freistoß landete zum 3:3-Ausgleich im Bayerisch Gmainer Tor.

Die Gäste fühlten sich daraufhin um den Sieg betrogen. Insbesondere Trainer Florian Huber und 1. Vorstand Hans Hawlitschek ließen nach dem Schlusspfiff den Schiedsrichter ihren Zorn spüren. Das räumten auch beide auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« ein. Während sich Singhammer die Kraftausdrücke »größtes Arschloch« (Huber) sowie »größter Trottel« und »Vollidiot« (Hawlitschek) notierte, können sich die Beschuldigten daran nicht erinnern. Hans Hawlitschek will die Spielleitung des Schiedsrichters nach eigenen Angaben als »Grattlerei« bezeichnet haben. »Ich habe Herrn Singhammer außerdem gesagt, dass ich dafür sorgen werde, dass er nie wieder ein Spiel des WSC Bayerisch Gmain pfeifen wird«, so Hawlitschek. Auch Huber räumt ein, dem Schiedsrichter nach dem Spiel seine Meinung gesagt zu haben. »Was ich genau gesagt habe, weiß ich nicht mehr, da ich nach dem Spiel in großen Emotionen war«, so der Trainer zur Lokalzeitung.

Nicht genau geklärt ist, wie es nach den Beschimpfungen zu Tätlichkeiten und Schubsereien kam. Mehrere Aussagen lassen vermuten, dass ein aufgebrachter Bischofswieser Spieler dem Schiedsrichter zu Hilfe kommen wollte. Athanassios Moralis, mit 45 Jahren der erfahrenste Spieler des FC Bischofswiesen, ging dazwischen und schob den eigenen Mann weg. Bei einem kurzen Handgemenge fiel dann plötzlich ein Bayerisch Gmainer Spieler zu Boden. Nach übereinstimmenden Angaben soll dieser versehentlich von einem eigenen Mann getroffen worden sein. Daraufhin beruhigte sich die Situation schnell wieder.

Trainer Florian Huber legt Wert auf die Feststellung, »dass ich niemanden umgeschubst habe«, wie es im Spielbericht in der Dienstagausgabe geheißen hatte. Dass er den Bischofswieser Trainer Kevin Jansing »beiseitegeschoben« habe, räumt er allerdings ein. Sein Verein sei jedenfalls nicht alleine Schuld an der Eskalation nach dem Spiel, sagt Huber.

Für Hans Hawlitschek ist es »verständlich, aber nicht entschuldbar«, dass nach dem Spiel die Emotionen so hoch gekocht sind. Den Grund sieht er darin, dass für die Bayerisch Gmainer Mannschaft die letzten vier Spiele »blöd gelaufen« seien. »Wir kämpfen gegen den Abstieg. Dabei wollen wir doch der Jugend bei uns im Verein etwas bieten«, sagt Hawlitschek, der sich bereits seit 40 Jahren als Trainer und Funktionär beim WSC Bayerisch Gmain engagiert. »Das Ganze entstand nach dem Spiel aus einer Emotion heraus und sollte nicht mit meinem Amt als Bürgermeister verquickt werden«, betont der Rathauschef von Bayerisch Gmain.

Was sich am Samstag genau auf dem Bischofswieser Riedherrn-Sportplatz abgespielt hat, soll nun das Sportgericht Trostberg klären. Schiedsrichter Alois Singhammer erstattete Anzeige gegen Huber und Hawlitschek. Gleichzeitig ist man in den Vereinen bereits um Schadensbegrenzung bemüht. »Da war freilich viel Emotion drin, aber das sollte jetzt wieder vorbei sein«, sagt Florian Huber. Athanassios Moralis sieht es genauso: »Wir sollten das Verhältnis zum WSC Bayerisch Gmain nicht belasten. Wir werden uns ja auf dem Sportplatz wieder begegnen«. Ulli Kastner