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Traunsteiner Sommerkonzerte – Konzert VI

»Lieder meines Vaters« lautet der Titel eines 2008 erschienenen Hermann Prey-Albums. Unter den verschiedenen Klavierbegleitern befindet sich auch der Name Friedrich Gulda. Die Liedauswahl für die Produktion hatte seinerzeit Hermann Preys Sohn Florian, selbst Bariton, getroffen. »Vier Eichendorff-Lieder« von Friedrich Gulda bilden den Abschluss auf der Doppel-CD – die Interpreten dieses Quasi-Epilogs sind allerdings Vertreter der nachkommenden Generation: Florian Prey und Rico Gulda. Damit schließen sich die Kreise: Hermann Prey war ein großer Bewunderer von Friedrich Gulda, und Florian Prey hat sich mit Rico Gulda zusammengetan und die Weltpremiere der »Vier Eichendorff-Lieder« auf jener CD verwirklicht.

Es war der Beginn einer bis heute andauernden künstlerischen Partnerschaft. Florian Prey erklärt: »Friedrich Gulda war 16, als er sie komponiert hat, und sie sind im Stil ganz unterschiedlich – so, als hätte sein Lehrer gesagt: Schreibe bitte eines im Stil von Schumann, eines im Stil von Strauss usw. Rico hat sie im Nachlass seines Vaters gefunden, und wir haben sie uraufgeführt. Eine echte Rarität...« Florian Prey und Rico Gulda machen mit dieser »Rarität« heute um 19.30 Uhr in der Klosterkirche bekannt.

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Besagter Lehrer des jungen Friedrich Gulda war Joseph Marx (1882-1964) aus Graz, international angesehener Präsident und Ehrenvorsitzender vieler Institutionen und Vereinigungen in Österreich. 1932 wurde Marx von Atatürk beauftragt, als erster Berater im Aufbau des türkischen Musikschulsystems und vor allem des Konservatoriums in Ankara tätig zu werden. Das Werkverzeichnis von Joseph Marx umfasst rund 150 Liedkompositionen, einige davon, vermutlich für die meisten Hörer absolutes Neuland, werden heute Abend aufgeführt. Den Abschluss von Teil 1 des Konzerts macht dann Robert Schumanns Zyklus »Dichterliebe« nach Gedichten von Heinrich Heine – ein Höhepunkt des romantischen Kunstlieds.

Der 2. Teil des Konzerts liegt in den Händen von Paul Gulda, der den Ablauf wie folgt geplant hat: Klaviermusik von F. Gulda und J. S. Bach, später traditionelle arabische Musik und frei improvisierte Musik. Alles wird zwanglos miteinander verknüpft, eines erwächst aus dem anderen. Es wird ein Konzert ganz im Sinne des Vaters werden: ein Gespräch in Verbindung mit Musik, bei der verschiedene Stile sich aneinanderlehnen und ablösen, wo unterschiedlichste musikalische Terrains fließend ineinander übergehen. Musikalische Mitstreiter von Paul Gulda (Klavier, Cembalo, Moderation) sind der Oudspieler Marwan Oud (aus dem Libanon stammend) und Friedrich Guldas musikalische Weggefährtin aus den 70er und 80er Jahren, die Klangkünstlerin Limpe Fuchs (Duo Consonanza Personale oder Trio Anima). Sie wird den Kunstraum Klosterkirche mit unerhörten Tönen und Klängen aus der Kombination von selbsterfundenen bzw. eigens erbauten Röhrentrommeln, Pendelsaiten und einer »gewöhnlichen« Bratsche füllen.

Karten gibt es unter Telefon 0861/9 86 95 23 und an der Abendkasse. Imke von Keisenberg