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Traumreise zum Wunder um Christi Geburt

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Hannah Lagler und Walburg Roth bei der Hirtenprobe auf dem Balkon des Probenraums in Salzburg-Aigen mit Blick auf die Festung Hohensalzburg. (Foto: Mergenthal)

»De Leut, de do drinna sitzen, miaßn gspürn, dass ihr aufg’regt seids«, spornt Sepp Radauer die Hirtenkinder bei der Probe für den »Salzburger Hirtenadvent« an. »I woaß, dass du des lauter konnst«, ermutigt er die erst siebenjährige Hannah. Beim dritten Mal gelingt es Hannah, sie traut sich und in ihrer Stimme liegt Glanz. Am Freitag, 7. Dezember, um 19 Uhr ist in der Großen Aula der Universität Salzburg die Premiere des diesjährigen Stücks »Sonst bliebe es ein Traum«.


Mittendrin ist als einziges bayerisches Hirtenmädchen Hannah Lagler aus Marktschellenberg, Enkelin von Herbert Lagler aus Marktschellenberg, langjähriger Zitherspieler im Tobi-Reiser-Ensemble. Die Nachfolgergruppe, die auch heuer den tragenden musikalischen Part beim Salzburger Hirtenadvent übernimmt, ist das Radauer-Ensemble. Auch die Hauptdarstellerin des diesjährigen Stücks, eine musikalische Neufassung des in den 1990er Jahren äußerst erfolgreichen Oratoriums von Tobias Reiser, stammt aus Oberbayern: Walburg Roth, eine Bäuerin aus Gmund am Tegernsee.

Für den künstlerischen Leiter geht mit dem Projekt ein »persönlicher Traum« in Erfüllung. Viele Eindrücke von damals, die er als musikalischer Berater von Tobias Reiser und als Kontrabassist im Reiser-Ensemble erleben durfte, schwingen mit, wenn es nun »posthum« zur Zusammenarbeit kommt. Es ist eine zauberhafte Geschichte: Der Vater erzählt seinem kleinen Sohn am Abend vor dem Einschlafen das Geschehen rund um Jesu Geburt. Und prompt träumt sich der Bub ins biblische Geschehen hinein und nimmt das Publikum auf seine abenteuerliche »Traumreise« mit.

Eine zentrale Rolle spielen natürlich die Hirtenkinder. Hannahs ältere Schwester Antonia Lagler (13) war bis letztes Jahr auch Teil der fröhlichen und musikbegeisterten Gruppe. Hannah spielt bereits im zweiten Jahr Hackbrett, aber im Hirtenspiel singt sie nur. Als ihre Mutter ihr vorschlug, mitzumachen, musste sie nicht lang überlegen. »Mir gefällt, dass man da was lernen kann und dass es Spaß macht. Da kriegt man auch mehrere Freunde dadurch«, schwärmt sie. Ihre Mutter übt mit ihr daheim den Text. Das Auswendiglernen fällt ihr leicht – »ich hab' ja nur drei Sätze« –, und aufgeregt ist sie auch überhaupt nicht.

»Für mi is des nach wie vor a Traam, dass i do dabei bin«, sagt Walburg Roth, die bei den letzten Hirtenproben mit von der Partie ist, als Großmutter und biblische Begleiterin einer besonderen Hirtengestalt, des »Träumers«. Als älteste von drei Mädchen, die als »Geschwister Pfab« im Dreigesang auftraten, wuchs sie im »Falterhof« in Gmund auf und hat inzwischen mit ihrem Mann Quirin, einem Bildhauer, vier Kinder und fünf Enkel; die Rolle der Großmutter ist ihr also vertraut. Als Fan klassischer Musik hat sie sogar ihre sechs Milchkühe nach Opernfiguren »getauft«. Ihre andere große Liebe neben Musik und Gesang ist das Theater.

Mit selbst kreierten Couplets und Szenen, etwa aus der griechischen Mythologie, anlässlich von Geburtstagen im Freundeskreis fing es an. Über 20 Jahre spielte Walburg Roth im Schlierseer Bauerntheater, bis ihre Mutter 2009 ein Pflegefall wurde. Seit ihrer Jugend war für sie das mit der Familie besuchte Salzburger Adventsingen das »Allerhöchste«, mit Christl Klappacher und Bertl Göttl als Maria und Josef und berühmten Gruppen aus ihrer Nachbarschaft wie den Fischbachauer oder Roaner Sängerinnen. Es war für sie ein Geschenk des Himmels, als sie durch Mandi Hugl, den Mann ihrer Cousine, Gitarrist im Tobi-Reiser-Ensemble, ins Team von Josef Radauer geholt wurde.

Das Bühnenbild kreiert heuer Martin Gredler, Leiter der Graphischen Werkstatt im Traklhof. Aus der ursprünglich auf ein Riesenorchester im Großen Festspielhaus ausgelegten Musik entstand eine Kammerfassung, bereichert durch neue Kompositionen von Andreas Gassner auf Texte von Tobias Reiser sowie Volkslieder und Volksweisen. Ein Novum ist ein von Gassner geleiteter Projektchor. Darüber hinaus wirken der Salzburger Dreigesang, die Pongauer Bläser, die neu gegründeten »Ruperti Sänger« und die bewährten Darsteller und Sänger mit. Veronika Mergenthal